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Davis Cup

GILBERT SCHALLER: SAG ZUM ABSCHIED LAUTSTARK SERVUS +++ "VIELLEICHT KANN ICH JA DAS KÜNFTIGE DAVIS CUP-TEAM LIEFERN"

Nach dem 4:1-Auswärtssieg gegen Belgien "und mit sehr viel Freude und Erleichterung" im Gepäck hat Gilbert Schaller (Bild) seine Funktion als ÖTV-Davis Cup-Captain beendet. Was die Zukunft bringt? "Ich habe noch ein Lebensziel, nämlich eine Gruppe österreichischer Jugendlicher an die Weltspitze zu bringen und vielleicht dem künftigen Davis Cup-Captain ein neues Team zu liefern."


19. September 2011


INTERVIEW MIT GILBERT SCHALLER 

Wie schaut es einen Tag nach dem 4:1-Erfolg über Belgien und damit auch deinem letzten Tag als Davis Cup-Kapitän in deiner Gefühlswelt aus? Was überwiegt: Freude, Erleichterung, Genugtuung?
Eindeutig die Freude. Natürlich aber auch ein Stück Erleichterung, denn unser klar definiertes Ziel war der Weiterverbleib in der Weltgruppe. Und auch die Erwartungshaltung vieler Fans hat in gewissem Sinn auf uns allen gelastet. Viele Menschen vergessen oft, dass wir meistens gegen gleichwertige Gegner spielen. Und dass wir das die meiste Zeit in den letzten Jahren und speziell auch diesmal geschafft haben, ist eine sehr starke Performance und wird manchmal in Österreich unterschätzt. Wir werden sehr oft an den sehr starken Nationen, die in der Weltgruppe gesetzt sind, gemessen. Da sind nun einmal die Kräfteunterschiede schon etwas größer. In den letzten Jahren hat unser Team gegen diese gleichwertigen Nationen auswärts meistens gewonnen. Davor muss man den Hut ziehen.

Alle vier Spieler haben diesmal Punkte geholt ...
... was definitiv ein Anzeichen der Kompaktheit dieses Teams ist. Die Burschen kennen sich mittlerweile schon sehr viele Jahre. Neu dazu gekommen ist in den letzten Jahren nur Andi Haider-Maurer und Martin Fischer. Beide haben in der Vergangenheit - im letzten Jahr Fischer, diesmal Haider-Maurer - in der Relegation sehr wichtige Punkte beigesteuert, damit wir dann in die Weltgruppe gekommen sind. Das ist ein Teamwork, das auch für unsere Nummer 1, Jürgen Melze, sehr, sehr wichtig ist. Damit er merkt: Es lasstet nicht die hundertprozentige Last auf seinen Schultern, sondern es ibt auch Junge, die für Punkte sorgen können. Wichtig war auch, dass wir dieses Mal im Doppel eine andere Variante gewählt haben. Es muss nicht immer Jürgen Melzer drei Tage auf dem Platz stehen. Das war für ihn sicherlich kein Nachteil, und dieser Spielraum wird auch für den zukünftigen Captain kein Nachteil sein. Am Freitag hat man dieses Mal schon gemerkt, dass bei Jürgen nach einer sehr langen Saison, die nicht optimal verlaufen ist, die Luft schon etwas draußen war. In einer solchen Situation ist es sicherlich nicht einfach, an drei Tagen eine optimale Leistung zu bringen.

Fünf Jahre Davis Cup-Kapitän Gilbert Schaller, fünf Siege, fünf Siege, fünf Niederlagen die Bilanz. Woran erinnerst du dich besonders gerne?
Besonders gerne werde ich mich seit dem gestrigen Tag an drei Partien erinnern: Israel 2010, da es dort eine sehr aufgezeizte Stimmung war. Dann der Auswärtssieg in Wimbledon gegen England 2008. Und Belgien wird mir natürlich immer in Erinnerung bleiben, da hier eine sehr kompakte Teamleistung durchgesetzt hat. Auch in der Weltgruppe haben wir sicherlich attraktive Gegner gehabt. Heuer z. B. gegen Frankreich im Flugzeug-Hangar zu spielen - das war schon etwas ganz Besonderes. Es stimmt schon, der letzte Kick, nämlich der Sieg in der Weltgruppe, hat uns bis jetzt leider gefehlt.

Auch wenn du seit heute nicht mehr die Funktion eines Davis Cup-Kapitäns ausübst, gehst du dem ÖTV nicht verloren. Wie sieht deine berufliche Zukunft aus?
Ich habe ein paar Lebensziele in meinem Leben gehabt. Als Spieler wollte ich an die Spitze kommen. Ich glaub, die Top 20 zu erreichen, das war damals mehr als mir die meisten Experten damals zugetraut hätten. An der Spitze eines Verbandes zu stehen und dort einige Jahre lang zu arbeiten und als Davis Cup-Captain immer wieder in der Weltgruppe zu sein - das sind alles Dinge, auf die ich in ein paar Jahren sicherlich sehr stolz zurückblicken werde. Jetzt habe ich noch ein Lebensziel, nämlich eine Gruppe österreichischer Jugendlicher an die Weltspitze zu bringen und dem künftigen Davis Cup-Captain vielleicht ein neues Team zu liefern. Ich weiß, dass das eine langwierige Geschichte werden wird. Das plant man nicht innerhalb von zwei Jahren, sondern muss sich einen Zeithorizont von fünf bis sieben Jahren geben. Aber diesen Weg will ich jetzt unbedingt noch einmal gehen.


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