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GILBERT SCHALLER – GEDANKEN FÜR DIE ZUKUNFT (2)

Teil 2 der sechsteiligen Serie: Das Sportkonzept 2009. Heute: Der A-Kader, der sich aus mehreren SpielernInnen unterschiedlicher Alters- und Leistungsstufen zusammensetzen wird, die sich gegenseitig innerhalb kurzer Zeit unter die Top 100 pushen sollen.

Der A-Kader als Speerspitze
(18.12.2009)
Top-Kader, Profi-Kader, Future-Kader, Beobachtungskader, HSZ-Kader – das war einmal, diese Einteilung unserer SpielerInnen wird schon bald der Vergangenheit angehören. Ab dem September 2009 wird es nur mehr drei Kader geben – den A-, den B- und den C-Kader, wobei der A-Kader die Speerspitze des reformierten Systems bilden wird. Ich habe die Hintergedanken hinter dem neuen System bereits im Teil 1 der Serie „Das Sportkonzept 2009“ kurz durchleuchtet. Heute soll der A-Kader im Mittelpunkt stehen. Es wird eine Leistungsgruppe sein, die sich aus SpielernInnen unterschiedlicher Alters- und Entwicklungsstufen zusammensetzen wird – und genau daraus ihren Benefit schöpfen wird. Eine Möglichkeit wäre z. B.: ein 22-jähriges „Zugpferd“, ein 19-jähriges, ein 17- und ein 16-jähriges Talent. Die wichtigste Person in diesem A-Kader wird das „Zugpferd“ sein. Das kann ein/e SpielerIn sein, der/die sich in der Weltrangliste in einem Bereich zwischen 150 und 350 bewegt und aufgrund seiner/ihrer professionellen Persönlichkeit ein Leitbild für alle anderen SpielerInnen in der Gruppe verkörpert. Die Jungen haben aufgrund des täglichen Trainings und Kontakt mit ihm/ihr immer den Vorteil, dass sie sich von Anfang an nach oben orientieren müssen. Konkret bedeutet das, dass auch die Youngsters zu den Challenger-Turnieren des „Zugpferds“ mitreisen werden, um dort entweder Qualifikation zu spielen oder mit anderen internationalen Spielern vor Ort zu trainieren. Aufgrund der Tatsache, dass sie – wenn sie zwei, drei Jahre lang ca. 15 Wochen pro Jahr Turnierreisen auf diesem Level mitmachen – erwarte ich mir, dass sich ihre Entwicklung rasant beschleunigen wird.

Sparren mit den Besseren
Dass ein derartiges System funktioniert, habe ich während meiner Zeit als Spieler miterleben dürfen: Ich selbst war schon Top 50, und die Spanier haben auf den Turnieren ständig einen 16- oder 17-Jährigen mitgehabt, den ich nicht gekannt habe. Eines Tages ist ein spanischer Trainer auf mich zugekommen: „Schilli, wenn du einen Trainingspartner brauchst, der spielt jederzeit mit dir.“ Logisch, dass ich zwei, drei Mal die Woche mit ihm trainiert habe, weil es gut für mich war, auch mal einem anderen Sparringspartner als den ohnehin gewohnten gegenüberzustehen. Und er wiederum hat den Vorteil gehabt, die ganze Woche hindurch jeden Tag ein bis zwei Mal mit Top 100-Spielern sparren zu können, obwohl er selbst noch kein Ranking gehabt hat. Wenige Zeit später war er dann selbst unter den besten 50 Spielern der Welt. Sein Name? David Sanchez, eigentlich nur ein durchschnittliches Talent, das aber innerhalb kürzester Zeit eine enorme Weiterentwicklung durchgemacht hat. Und genau das ist der Hintergedanke hinter dem neuen System: Österreichische 16- oder 17-jährige SpielerInnen sollen sich künftig nicht bloß in ihrem gewohnten altersadäquaten Umfeld, also auf ITF-Turnieren, sondern regelmäßig auch auf höherwertigem Niveau bewegen, um dadurch ein typisch österreichisches Problem ein für alle mal auszuschalten.

Hohes Niveau als normale Sache
Wir Österreicher versagen oft vor großen Namen, obwohl ein derartiges Verhalten überhaupt nicht notwendig wäre und verlieren dadurch viele Partien. Für einen 17-jährigen Spanier, der in seinem Tennisclub einen Top 10- und drei Top 50-Spieler hat, ist es ganz normal, dass er mit ihnen regelmäßig spielt. Deshalb bekommt er auch keine zittrigen Knie, wenn er auf der Tour gegen einen Top 50-Spieler antreten muss. WEIL ER ES GEWOHNT IST, SICH VON ANFANG AN AUF HOHEM NIVEAU ZU BEWEGEN. Wir haben leider nicht so viele Top-Spieler im Land. Wir haben zwar einen Jürgen Melzer, der den Youngsters auch gerne als Trainingspartner zur Verfügung steht und ihnen damit am eigenen Leib demonstriert, was der Beruf „Tennisprofi“ in Wirklichkeit bedeutet. Aufgrund seiner Turnierreisen und Trainingslager im Ausland kommen derartige Trainingshighlights für sie allerdings viel zu selten vor. Deshalb ist es ganz logisch, dass ihnen das Herz in die Hose rutscht, sobald sie gegen einen in der Weltrangliste besser Platzierten spielen müssen. Das will ich ausmerzen: Es soll für sie ganz normal werden, auch mit Älteren und Besseren am Platz zu stehen und ihnen die Stirn zu bieten.

Investition in die Zukunft
Wenn er/sie dann mit 18 bei einem größeren Turnier eine Wildcard bekommt und er/sie spielt gegen eine/n SpielerIn, der/die auf 70 in der Weltrangliste steht, wird er/sie sich denken: Gegen eine/n solche/n spiele ich sowieso jede Woche, das ist doch ganz normal! Dieser A-Kader ist für mich daher eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft. Deshalb werden die Spieler sämtliche Vergünstigungen erhalten, die heutzutage im Profitennis üblich sind: Die Turnierreisen werden zum größten Teil vom ÖTV gefördert, und bei ausgesuchten Turnieren wird neben einem „normalen“ Trainer auch ein Konditionstrainer anwesend sein. Einerseits werden die SpielerInnen damit ein Profileben wie ein arrivierter Spieler auf der ATP- bzw. WTA-Tour LEBEN und ERLEBEN können, andererseits erwarte ich mir eine größere und schnellere Leistungsentwicklung als das bisher der Fall war. Wenn ich jetzt einen Blick in die nähere Zukunft werfe, dann habe ich ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: Dieses A-Team soll Eigenschaften wie Professionalität, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit verkörpern und damit ein Leitbild für den gesamten Tennissport in Österreich schaffen. Jungen SpielerInnen, die z. B. im B-Kader für ihre Einberufung in den A-Kader vorbereitet werden, soll ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf gehen: DORT WILL ICH HIN!



DAS NEUE SPORTKONZEPT 2009

Dienstag, 23.12.2008: Der B-Kader

Samstag, 27.12.2008: Der C-Kader

Dienstag, 30.12.2008: Die externe Förderung des neuen Konzepts

Freitag, 2.1.2009: Bewerbungen für neue Trainerjobs

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