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GILBERT SCHALLER – GEDANKEN FÜR DIE ZUKUNFT (1)

Start der sechsteiligen Serie: Das Sportkonzept 2009. Mit vollkommen neuen Strukturen in Österreich verfolgt ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller ein entscheidendes Ziel: „Mit 25 soll ein/e SpielerIn nicht erst an die Top 100 anklopfen, sondern mit 21 bereits unter den besten 50 sein.“ Teil 1: Die Gedanken hinter dem neuen Konzept.

2009 wird alles anders
(15.12.2008)
Seit mittlerweile drei Jahren darf ich bereits als ÖTV-Sportdirektor arbeiten, und seit ebenso vielen Jahren gehen mir einige Schlüsselfragen einfach nicht aus dem Kopf: Wäre es möglich, dass Spieler, die im Leistungszentrum Südstadt – aber auch extern – seit drei, vier Jahren hart und gut trainieren, mit einem veränderten ÖTV-Sportkonzept heute vielleicht schon weiter wären als sie es jetzt sind? Wäre es möglich, dass wir heute mit Jürgen Melzer nicht bloß einen Top 100-Spieler, sondern vielleicht schon zwei, drei oder vier hätten, wenn wir von Anfang an im Training, bei der Gestaltung der Turnierkalender, der Talenteförderung etc. an anderen Stellen ansetzen würden als wir es derzeit tun? Die Antwort war rasch gefunden: Ja, da gibt es Möglichkeiten. Diesem Ziel möchte ich künftig daher alles unterordnen, und auf diesem Ziel aufbauend habe ich ein Konzept entworfen, das auf den ersten Blick keinen Stein auf dem anderen lässt, das unserem Tennis über Jahre hinaus aber frisches Blut zuführen wird.

A-Kader, B-Kader, C-Kader
In der Vergangenheit haben wir immer wieder die Problematik gehabt, dass die 14-, 15-jährigen SpielerInnen, die zu uns gekommen sind, oft auf einem Niveau waren, wo von Anfang an klar war: Da muss man jetzt noch ein Jahr Zeit investieren – entweder im technischen oder im körperlichen Bereich – bevor wir mit ihnen überhaupt so arbeiten konnten wie wir wollten. Deshalb bin ich hergegangen und habe versucht, neue Strukturen zu schaffen, die diese Problematik ausschaltet.

Wie ist das bisherige System? Wir haben bisher immer in der Breite gearbeitet: So hatten z. B. die 91er-Jahrgänge ihren eigenen zuständigen Trainer, ebenso die 89er/90er-Jahrgänge und auch die Profis. D. h. wir haben immer wieder waagrechte Gruppen gehabt, die mehr oder weniger von einander abgeschottet agiert haben. Die Problematik, die darin steckt, ist, dass sich die SpielerInnen dadurch meistens im gleichen Leistungsniveau bewegen und sich immer das nächsthöhere Level erkämpfen müssen. Und genau hier steckt für mich der Wurm im Apfel: So spielt z. B. ein Jungprofi zum Einstieg die Zweier- und Einser-Turniere in Österreich und erstarrt dann vor Ehrfurcht, wenn er bei einem ITF-Turnier auf einen Top 100-Spieler trifft. Der Grund für diesen eigentlich unnötigen Respekt: Unsere SpielerInnen erfahren viel zu spät am eigenen Körper, was es eigentlich bedeutet, sich als Profi im internationalen Geschehen bewähren zu müssen.

Wie wird das neue Konzept aussehen? Ab dem Herbst 2009 wollen wir daher von dieser waagrechten Orientierung weggehen in eine senkrechte. D. h. statt den Jahrgangsgruppen wird es künftig einen A-Kader, einen B-Kader und einen C-Kader geben. Der A-Kader wird sich z. B. zusammensetzen aus einem 22-jährigen Profi (ich nenne ihn „Zugpferd“), einem 19-jährigen Spieler, einem 17- und einem 16-jährigen Talent. Der Turnierplan dieses A-Kaders wird sich zum größten Teil an den Bedürfnissen des 22-jährigen Profis orientieren. D. h. auch die Youngsters in diesem Kader werden, wenn das „Zugpferd“ Challenger-Turniere spielt, mitreisen und entweder Qualifikation spielen oder mit anderen internationalen Spielern vor Ort trainieren. Aufgrund der Tatsache, dass sie – wenn sie zwei, drei Jahre lang ca. 15 Wochen pro Jahr Turnierreisen auf diesem Level mitmachen – erwarte ich mir, dass sich ihre Entwicklung rasant beschleunigen wird. Einen ähnlichen Ansatz werden wir auch im Mädchentennis verfolgen: Aufgrund der Tatsache, dass Mädchen in ihrer Entwicklung oft schon früher wesentlich weiter sind als Burschen, werden wir die künftigen Talente künftig viel früher fördern als bisher. Im Großen und Ganzen kann man diese neue Strukturierung des Tennissports in Österreich eigentlich auf bloß einen einzigen Satz reduzieren: Sie ist eine Investition in die Zukunft! Mehr dazu werde ich euch im Teil 2 der Serie „Das Sportkonzept 2009“ erzählen, in dem der A-Kader im Mittelpunkt stehen wird.


DAS NEUE SPORTKONZEPT 2009

Donnerstag, 18.12.2009: Der A-Kader

Dienstag, 23.12.2008: Der B-Kader

Samstag, 27.12.2008: Der C-Kader

Dienstag, 30.12.2008:
Die externe Förderung des neuen Konzepts

Freitag, 2.1.2009: Bewerbungen für neue Trainerjobs

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