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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN (67)

Meine Bilanz nach dem 3:2 gegen die Slowakei kann nur positiv ausfallen. Mit einem "neuen" Team, das sich gegenseitig respektiert und gemeinsam an einem Strang gezogen hat, sind wir unserer Favoritenrolle Gott sei Dank gerecht geworden.

"Dreipunkter" von Mister Davis Cup
(11.3.2010)
3:2-Sieg im Davis Cup gegen die Slowakei! Wir stehen dort, wo wir um diese Zeit seit dem Jahr 2003 immer stehen: im Weltgruppen-Play-off. Nicht nur wegen des Sieges fällt meine Bilanz des Länderkampfes in Bad Gleichenberg positiv aus. Jürgen Melzer hat mit seinem „Dreipunkter“ den Mister Davis Cup in der Steiermark abgegeben. Und obwohl Daniel Köllerer seine beiden Partien verloren hat, zählt er für mich auch zu den Gewinnern dieser Woche. Jürgen hat nach dem Turniersieg in der Wiener Stadthalle im vergangenen November auch beim Davis Cup seine Wandlung unter Beweis gestellt. Er ist im ersten Einzel gegen Martin Klizan bei einem 0:1-Rückstand seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Er hat im Doppel Julian Knowle nach dem Verlust des ersten Satzes über eine schwierige Phase hinweggeholfen. Und er hat in einem engen Match gegen den aufstrebenden Lukas Lacko Klasse gezeigt, indem er sich auch durch vergebene Satzbälle im ersten Satz oder Satzbälle des Gegners im dritten nicht beirren ließ und die Partie letztlich souverän zugemacht hat.

Kompliment ans gesamte Team
Was musste Jürgen doch vor genau einem Jahr nach der Niederlage in Deutschland alles einstecken. In Bad Gleichenberg präsentierte er sich nicht nur als Teamleader, sondern auch als gereifter Spieler, der mit jeder Art von Druck gut umzugehen vermag. Wenn er auf der ATP-Tour so weitermacht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann er mich als zweitbesten Spieler (Platz 17) im ewigen rot-weiß-roten Ranking ablöst. Daniel Köllerer hat sich sehr gut in die Mannschaft integriert. Ich möchte ihm für die Art und Weise, wie er sich gegenüber allen Teammitgliedern verhalten hat, ein Kompliment aussprechen. Er hat sich als Person Daniel Köllerer für zukünftige Davis-Cup-Aufgaben empfohlen. Dass er im mentalen Bereich noch weiter an sich arbeiten muss, weiß er allerdings auch. Im Match gegen Lacko hat er plötzlich mit den Ballkindern zu diskutieren begonnen und sich dadurch aus dem Rhythmus bringen lassen. Merzt Dani auch noch diese Schwächen aus, dann wird der erste Erfolg im Davis Cup nicht lange auf sich warten lassen.

Reingebissen und rausgezogen
Der Sieg im Doppel war ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Triumph. Der Start ins Match war holprig, aber letztlich hat es sich wieder einmal ausgezahlt, dass sich die beiden Spieler in- und auswendig kennen. Jürgen hat Julian nach dem verpatzten Beginn sehr gut rausgezogen. Und Julian hat wiederum die Qualität, dass er sich steigern und letztlich in so eine Partie richtig reinbeißen kann. Ich bin froh, dass die beiden nach den vielen Diskussionen wieder einmal ihre Klasse gezeigt und bewiesen haben, dass sie das beste Doppel sind, über das wir derzeit verfügen. Ich war mir vor dem Länderkampf bewusst, dass sich Freundschaften nicht erzwingen lassen. Aber ich lege großen Wert darauf, dass sich die Spieler gegenseitig respektieren. Und genau das war während der gesamten Woche in Bad Gleichenberg der Fall. Die Spieler haben persönliche Befindlichkeiten dem gemeinsamen Ziel – dem Sieg über die Slowakei – untergeordnet.

Einiges war nicht in Ordnung
Das war leider im Vorfeld dieses Davis Cups nicht der Fall! Da hat vor allem Stefan Koubek Erklärungen für sein Fehlen abgegeben, die nicht den Tatsachen entsprochen haben. Mit Nachdruck halte ich hier noch einmal fest, dass Stefan von mir nicht ausgebootet wurde. Faktum ist, dass er von mir hören wollte, dass er gegen die Slowakei fix spielen wird. Nachdem ich ihm das nicht zusichern konnte, hat er es vorgezogen, sich auf seine persönliche Karriere zu konzentrieren. Eine Entscheidung, die ich natürlich akzeptiert habe. Unverständlich ist mir jedoch, welche Gründe Stefan plötzlich für sein Fehlen angeführt hat: Von schlechter Kommunikation war da ebenso die Rede wie von zu später Kontaktaufnahme durch den Verband. Das war nicht in Ordnung. Ebenso nicht korrekt war Stefans Aussage, ich hätte ihm für den Fall, dass es vor dem letzten Einzel 2:2 steht, einen Einsatz garantiert. Einige Medien haben wiederum rund um diese Diskussion Grundsätze des Journalismus über Bord geworfen und nur Stefans Version veröffentlicht. Es hat sich hierzulande offensichtlich eingebürgert, dass sich jene Akteure, die nicht im Team stehen, in der Öffentlichkeit groß und breit erklären dürfen. Im vergangenen Herbst war Daniel Köllerer ein begehrter Interviewpartner, jetzt waren es Stefan Koubek und Oliver Marach.

Demnächst Meeting mit Marach
Apropos Oliver Marach: Er hat mir per SMS zum Sieg über die Slowakei gratuliert. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Wir haben vereinbart, dass wir uns im kommenden Frühjahr bei einem ATP-Turnier in Europa zu einem Gespräch treffen werden. Der laufende Informationsaustausch mit unseren Spielern ist mir sehr wichtig. Jürgen und Julian haben mich in der Vergangenheit des Öfteren um Gespräche gebeten, in denen sie mir ihre Anliegen unterbreitet haben. Natürlich gehe andererseits auch ich immer wieder mit diversen Verbesserungsvorschlägen oder konstruktiver Kritik auf die Burschen zu. Was das bevorstehende Weltgruppen-Play-off im September betrifft, ist die Tür natürlich für alle offen, die für Österreich im Davis Cup spielen wollen. Wir werden bei der Auslosung am 11. Mai nicht gesetzt sein, daher drohen uns harte Auswärtspartien gegen die USA, Schweden, Israel oder die Schweiz. Zu Hause ginge es gegen Deutschland oder Australien. Gute Chancen würde ich mir gegen Ecuador (auswärts) und Indien (Los) ausrechnen. Ich hoffe, dass sich unsere Spieler bis September weiter entwickeln, damit wir unser großes Ziel, die Rückkehr in die Weltgruppe, auch tatsächlich erreichen können.

Dankeschön ans grüne Herz
Abschließend möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die den Erfolg gegen die Slowakei möglich gemacht haben: Allen voran bei den Spielern Jürgen Melzer, Julian Knowle, Daniel Köllerer, Martin Fischer, Sparringpartner Nico Reissig, den Physiotherapeuten Freddy Siemes und Jan Velthius, Teamarzt Edi Lanz, Bespanner Erwin Enzinger, Pressebetreuer Karlheinz Wieser, ÖTV-Generalsekretär Peter Teuschl, dem Veranstalterteam von e|motion rund um Herwig Straka und Edwin Weindorfer sowie den Fans, die uns perfekt unterstützt und stets nach vorne gepeitscht haben. Ein besonderer Dank geht nach Bad Gleichenberg, wo wir uns eine Woche lang wie zu Hause gefühlt haben. Daran hatte auch die perfekte Betreuung im Hotel „life medicine RESORT“ großen Anteil. Noch einmal ein herzliches Dankeschön und liebe Grüße in die Steiermark!

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