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GILBERT SCHALLER – GEDANKEN (62)

Vergangene Woche nahm der ÖTV-Sportdirektor die Einladung zu einem Pro Tennis-Kongress im polnischen Krakau wahr. Ohne große Erwartungen, aber eines der Hauptthemen, die Einstiegsturniere im Damen- und Herrentennis, war auf jeden Fall den Besuch wert.

Wichtige Regeländerung
(10.11.208)
Umso erfreuter war ich über den Verlauf der Tagung, über die Themen, die dabei auch noch zu Tage kamen, und über die Diskussionen. Führende Funktionäre von Tennis Europe, der ITF, sowie der WTA und ATP auf Challenger-Level waren vor Ort, um mit uns Vertretern der europäischen Verbände über neue Ideen, Regeländerungen sowie weitere mögliche Neuheiten zu diskutieren.
Vorweg eine sehr wichtige Regeländerung, die alle Turniere für Männer auf Future-Niveau betrifft: ab 2009 wird der Nennschluss auf 18 Tage vor dem geplanten Turnierbeginn verlängert, also auf den Donnerstag. Danach hat man 5 Tage Zeit zu entscheiden, wo man dann tatsächlich an den Start gehen will. Auf der ITF-Homepage ist die vorläufige Acceptance List für den Hauptbewerb und die Qualifikation ersichtlich. Bis Dienstag der folgenden Woche muss man dann entscheiden, bei welchem Turnier man an den Start gehen will. Ganz wichtig dabei, dass das nicht nur für den Hauptbewerb sondern auch für die Qualifikation gilt. Die ITF tut dies im Interesse schlechter gereihten Spieler, weil es dann auch eine Acceptance List für die Qualifikation geben wird. Die Entscheidungen der Spieler sind danach nicht mehr veränderbar, das System wird also an das Nennsystem angeglichen, das jetzt schon im Damentennis praktiziert wird. Am Donnerstag, 4 Tage vor dem Turnierbeginn, erscheint dann die sogenannte Frozen List, aus der Absagen wegen Verletzung ersichtlich sind. Das bedeutet natürlich auch, dass alle Spieler bis zu diesem Zeitpunkt absagen müssen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Turnier teilnehmen können, für das sie genannt haben.

Anhebung des Preisgelds
Auch im Bereich der Qualifikation bei Challenger-Turnieren gibt es eine Veränderung: ab 2009 werden bei zu späten Absagen, den sogenannten Late Withdrawals, (jeweils am Freitag nach 18 Uhr)  nicht mehr automatisch die nächsten in der Acceptance List aufscheinenden Spieler in den Hauptbewerb genommen, sondern der bestgereihte Spieler der Qualifikation. Damit will sich die ATP die vielen Komplikationen, die ja meist im letzten Moment kommen, ersparen. Ein großes Thema war auch die Anhebung des Preisgelds bei Future Turnieren. Auf  WTA- und ATP-Ebene wurden die Preisgelder für das nächste Jahr um bis zu 40 % erhöht, ein Vorhaben, das aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage in der Realität zu beobachten sein wird.
Bei den Einstiegsturnieren hat sich schon seit längerem nicht sehr viel in puncto Anhebung der Preisgelder getan. Speziell die 10.000-Dollar-Future-Turniere finden weltweit großen Anklang, allerdings wurde hinterfragt, ob es nicht Zeit wäre, das Preisgeld-Minimum zu erhöhen. In manchen Wochen gibt es bei den Herren bis zu 14 Future-Turniere in einer Woche; dass es dadurch zu einer gewissen Inflation kommt, ist unbestritten. Für die Damen ist die Anzahl an Turnieren pro Woche reglementiert. Nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern werden die Future-Turniere vom Verband unterstützt. Anhand meiner Erfahrungen würde eine Anhebung der Preisgelds auf etwa 15.000 Dollar sicher eine Reduktion der Anzahl an Turnieren bei uns bedeuten. Für mich keine begrüßenswerte Situation.

Weniger Turniere?
Von anderer Seite wurde thematisiert, ob wirklich so viele Spieler in der ATP-Liste aufscheinen sollen wie es im Moment der Fall ist. Schließlich ist sowohl die WTA als auch die ATP eine Vereinigung von Sportlern auf professioneller Basis. Haben alle, die in der Weltrangliste aufscheinen, wirklich eine Chance sich im Profisport durchzusetzen? Da gibt es eine ganz klare Antwort: natürlich nicht. Bei der ITF gibt es immerhin 16.000 Profis (Damen und Herren), die mit dem IPIN registriert sind.  Uns reicht schon ein Blick auf die in der Weltrangliste aufscheinenden Österreicher.
Vielleicht wären weniger Turniere auch auf eine gewisse Weise marktbereinigend, die Qualität, sprich die guten Spielerinnen und Spieler, werden sich immer durchsetzen. Wobei es vielleicht gar nicht zu einer extremen Reduktion der Turniere durch Preisgelderhöhung kommen muss - bei den Challengers wurde das Preisgeld ja auch angehoben und die Anzahl an Turnieren wurde sogar vergrößert.
Viele Faktoren sind zu berücksichtigen, es gibt genug Argumente für diverse Entscheidungen, im nächsten Jahr wird sich auf jeden Fall das Preisgeld nicht verändern, für 2010 liegt meiner Meinung nach eine Veränderung in der Luft. Mein Standpunkt bei dieser Diskussion war, dass es zu definieren gilt, wo man in 5 bis 6 Jahren mit dem Preisgeld-Maximum sein will. Davon ausgehend muss es einen schrittweißen Plan geben, sodass sich die Verbände und natürlich die Turnierverantwortlichen darauf einstellen können.

Qualität der Trainer
Ich nutzte die Gelegenheit auch, um mit den Sportverantwortlichen vieler anderer Verbände über die Umsetzung ihrer Konzepte zu sprechen: immer ist die Geldfrage ein zentrales Thema und nur einige Verbände, etwa Frankreich, haben da geringere Probleme. Aber es ist nicht immer entscheidend, über welche finanziellen Ressourcen man für gewisse Vorhaben verfügt. Wichtig sind die handelnden Personen an der Front, die Coaches, die täglich daran arbeiten, ihre Schützlinge weiter zu bringen. Die Qualität dieser Leute ist das Um und Auf jeder Struktur.
Das Ansehen der Coaches, ihre Ausbildung, die Bezahlung, die soziale Absicherung wurden als wesentliche Fragen natürlich auch besprochen. Lösen können sie aber die einzelnen Länder nur nach ihren finanziellen Ressourcen. Ich hoffe, dass es in Österreich nicht bei Lippenbekenntnissen der Politik bleibt. Ich will das Ansehen der Tennistrainer aufwerten und verschieden Dinge zum Positiven verändern. Diesbezüglich habe ich nächste Woche eine wichtige Sitzung; wenn ich grünes Licht bekomme, werde ich darüber schnellstmöglich informieren.

Gilbert Schaller

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