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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN (61)

Das traditionelle Turnier in der Wiener Stadthalle brachte heuer einen Sensationssieger: mit dem deutschen Qualifikanten Philipp Petzschner hat wahrscheinlich niemand gerechnet – auch er nicht.ÖTV-Sportchef Gilbert Schaller war mit den Leistungen seiner Spieler zufrieden. Trotzdem hat er Grund zur Kritik – diesmal in andere Richtungen.

Spät gezündet zum Erfolg
Im Vorfeld des Turniers wurde immer wieder von Powertennis und den jungen Wilden gesprochen - durchgesetzt haben sich, zumindest in Wien, die ruhigeren Konterspieler. Was mir bei Petzschner gefällt ist die Tatsache, dass er nicht besonders spektakulär agiert, sondern auf das vertraut was er kann und vor allem weiß, was er nicht kann. Mit 24 Jahren ist er ein Spätzünder; als talentierter Jugendlicher hat er sich nicht so verhalten wie es sich die Trainer in der Regel wünschen. Dass er erst jetzt sein Potential ausschöpfen kann, liegt auch daran, dass er jetzt bereit ist,  sich selbst so wie er ist, als Spieler und als Mensch, zu akzeptieren. Ein Typ wie er kann immer wieder mal ausbrechen und er wird wohl auch das eine oder andere Mal wieder in seine alte Rolle schlüpfen. Aber die Art und Weise, wie er in Wien seinen Weg aus der Qualifikation bis zum Turniersieg gegangen ist, muss man anerkennen. Ich bin neugierig wie er jetzt auf Topniveau besteht.

Der Weg stimmt
Jürgen Melzer spielte wieder sehr gutes Tennis. Er wird zur Zeit von Woche zu Woche besser und wenn es so weitergeht, dann ist der ganz große Erfolg nur eine Frage der Zeit. Alex Peya spielte sich mit Philipp Petzschner ins Doppel-Finale, unter anderem mit einem ein Sieg über das Weltklasse-Paar Nestor/Zimonjic. Für mich der einzige Wehrmutstropfen, dass sein Partner im Daviscup bald unser Gegner sein wird. Sehr positiv habe ich das Match von Martin Fischer gegen Del Potro erlebt. Egal wie man die Leistung des etwas angeschlagenen Turnierfavoriten sieht - die Art wie Martin in diesem Match agierte, würde jeden Gegner fordern. Mit dem Challenger in Kolding hat Martin in der Folgewoche bestätigt, dass der Weg stimmt.

Viele Menschen, viele Meinungen
Nun zu einem ganz anderem Thema: In der Wiener Stadthalle hatte ich wieder Gelegenheit, neben den Spielen auch das Geschehen abseits des Courts zu beobachten. Wir diskutieren immer wieder über die Sportler, beschweren uns, wenn sie in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind wie wir es gerne hätten. Dabei vergessen wir gern, dass besonders junge, heranwachsende Menschen sehr stark von ihrer Umgebung geprägt werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, als Sportler zu früh abgeschrieben zu werden, speziell wenn man in die Versuchung gerät, jede Meinung ernst zu nehmen. Und gerade bei großen Events wie in Wien gibt es sehr viele Menschen und sehr viele Meinungen. Mich trifft es immer wieder, wie viele Pessimisten und andere Jammerer, leider auch  falsche Menschen, so ihrer Wege gehen. Egal ob ehemalige Spieler, Medienvertreter oder auch Funktionäre; Aussagen die ich dort zu hören bekam, hatten mit der Realität - so wie ich sie zumindest sehe - wenig zu tun. Neid, Intrigen, die Suche nach dem eigenen Vorteil sind bei vielen Menschen schnell erkennbar. Interessant ist, wie sie sich dann sehr schnell verbünden und eine Strömung erzeugen. Wundern darf man sich darüber nicht; aber in einer Gesellschaft, in der Lobbying zum guten Ton gehört, könnte man dieses Lobbying auch für sinnvolle, konstruktive Zusammenarbeit verwenden. Es ist wie mit dem Stock in der Hand: immer ist es die Entscheidung des Handelnden, wie er eingesetzt wird.

Lösungen trotz Gegenwind
Generell jedoch gehe ich von der Annahme aus, dass wir alle unsere Fehler haben, aber im Sinn der Sache immer nur das Beste wollen. Deshalb gibt es Gott sei Dank auch die andere Seite, ehemalige Spieler, Medienvertreter und Funktionäre, die wirklich im Sinn einer Sache arbeiten, Probleme ansprechen, Lösungen diskutieren, zu Entscheidungen stehen und sie auch bei Gegenwind mittragen. Diese Menschen helfen immer wieder  den Frust, der sich manchmal aufstaut, wieder zu vergessen.
Die größte Motivation aber sind die Spielerinnen und Spieler, die jeden Tag aufs neue versuchen, das Beste aus sich herauszuholen. Das Schöne am Tennis ist, dass es kaum eine fairere Sportart gibt; als Spieler ist man von niemand anderem als von sich selbst abhängig. Man darf sich zu jedem Turnier anmelden und kann mit Leistung dort auch erfolgreich sein.

Was kümmert es die Erfolgreichen,  was im Hintergrund gemurmelt wird?

Gilbert Schaller

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