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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 58

Kitzbühel, Bad Gastein, ein ITF 1-Jugendturnier in Wels, Österreichische Meisterschaften in Villach, U18-Jugend-EM in Gastein - zwei sehr ereignisreiche Wochen für das Turniergeschehen in unserem Land. Hier die Bilanz des ÖTV-Sportdirektors.

Bei einigen Veranstaltungen war ich natürlich  vor Ort, besonders die Jugendturniere U18 sind mir immer sehr wichtig; dort sollen ja die Spielerinnen und Spieler auftreten, die in Zukunft hoffentlich eine wichtige Rolle im österreichischen Tennis spielen werden. Erfreulich war es, in Wels zwei Spieler und eine Spielerin im Viertelfinale eines Kategorie 1-Turniers zu sehen. Sam Weissborn und Dominik Wirlend schlugen sich gut und unterstrichen ihre Leistungen der vergangenen Monate. Beide sind Jahrgang 91 und werden nächstes Jahr bei den Grand Slam-Turnieren antreten. Das war auch erklärtes Ziel dieser Gruppe aus der Südstadt. Noch einer aus dieser Gruppe, Max Neuchrist, hat mit dem Erreichen der dritten Runde nachdrücklich aufgezeigt und wird das hochgesteckte Ziel für 2009 meiner Meinung nach ebenfalls erreichen. Gratulation auch an unseren verantwortlichen Trainer Walter Grobbauer, der diese Gruppe mit sehr viel persönlichem Einsatz leitet.

Bei den Mädchen kam Janina Toljan ins Viertelfinale; ihre Entwicklung ist unter der Leitung ihres Trainers Gerald Mild absolut zufriedenstellend, wobei vor allem die Konstanz noch ein Thema ist. Aber ich denke, man wird von Janina im Damentennis sicher noch hören. Leider war für alle im Viertelfinale Endstation, aber der richtige Weg ist erkennbar. Dieser richtige Weg ist definitiv auch bei Patricia Mayr erkennbar; wie die guten Ergebnisse von Bad Gastein zeigen, führt ihre Entwicklung in Richtung Top 100. Nach Yvonne Meusburger ist Patricia nun schon die zweite Spielerin, die sich unter der Leitung von Hakan Dahlbo Schritt für Schritt im internationalen Damentennis etabliert. Der Erfolg spricht für die Qualität der Arbeit dieses Teams in Seefeld. Auch Melanie Klaffner gab in Gastein ein kräftiges Lebenszeichen, ein Sieg über Safarova und die sehr knappe Niederlage gegen die Topspielerin Agnes Szavay lassen für die Zukunft hoffen. Ich bin sicher,  Melanie hat erkannt, dass sie auf diesem Niveau durchaus mithalten kann, und das sollte Motivation und Selbstvertrauen für die weitere Karriere geben.

Bei der letzten Turnier-Auflage in Kitzbühel holte Jürgen Melzer die Kastanien aus dem Feuer, ein Finale zum Abschluss kann sich sehen lassen. Abgesehen vom Endspiel war das eine perfekte Woche für ihn. Ich habe mit viel Wehmut gesehen, was aus dem großartigen Turnier in Kitzbühel geworden ist. Eigeninteressen, Ignoranz und Dummheit verschiedenster Leute in der Vergangenheit sind die Ursachen,  dass dieses Turnier aus der Landkarte des ATP-Zirkus verschwindet. Als 16-jähriger angehender Profi durfte ich das erste Mal in der Qualifikation in Kitzbühel starten, dort konnte ich zum ersten Mal die großen Tennisspieler dieser Zeit live bewundern. Seither war ich fast jedes Jahr - sei es als Spieler oder Betreuer - dabei. Mein persönlicher Höhepunkt in Kitzbühel war sicher das Erreichen des Semifinales 1995. Dort unterlag ich in einem zum Bersten gefüllten Centercourt Thomas Muster in drei Sätzen und die Stimmung damals war sensationell.  In den letzten Jahren hat dieses Turnier unseren jüngeren Spielern immer sehr gute Möglichkeiten geboten, ATP-Punkte zu sammeln und sich mit Topspielern zu messen. Der Verlust ist aus meiner Sicht sehr schmerzlich. Einige Theorien um die Zukunft in Kitzbühel stehen ja im Raum; ich fürchte, es werden Luftblasen bleiben.

Generell ist die Turniersituation in Österreich nicht rosig. Es ist tatsächlich eine Kunst und harte Arbeit, ein Event auf die Beine zu stellen, das die Massen anspricht. Gerade das muss ja das Ziel eines Turnierveranstalters und seiner Sponsoren sein. Was in unserer Macht als Tennisverband steht, sollten wir auch tun um die Turnierveranstalter in Österreich zu unterstützen. Allerdings sind auch Handschlagqualität und entsprechendes Auftreten seitens der Turnierveranstalter gefragt, um nicht noch mehr österreichische Turniere zu verlieren. Wien, Graz, Linz, Pörtschach, Bad Gastein sind die Bühnen des internationalen Tennis in Österreich und auch Sie als Tennisfan unterstützen diese Turniere natürlich durch ihr Erscheinen. Wenn Sie konkrete Gründe für Ihr Fernbleiben oder Anregungen haben, dann lassen sie es den Veranstalter oder uns vom ÖTV unter der Email-Adresse info@tennisaustria.at wissen. Es könnte durchaus eine Idee oder ein Anstoß dabei sein, die/der uns helfen könnte, das allgemeine Interesse zu erhöhen.

Gilbert Schaller

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