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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 56

Der ÖTV-Sportchef zum Tod von Horst Skoff. Ganz persönlich, als langjähriger Wegbegleiter.

Ein sonniger Sonntag-Morgen. Ich habe mich auf das Endspiel in Paris gefreut, Nadal gegen Federer darf man sich nicht entgehen lassen. Auch die Europameisterschaft im Fußball mit Österreichs Nationalteam stand auf dem Programm, der freie Tag war verplant. Als die Nachricht im Radio kam, war alles worauf ich mich gefreut hatte, nebensächlich geworden. Die Radiomeldung wollte nicht in meinen Kopf: Horst Skoff ist tot, einem Herzinfarkt erlegen.

1978: Meine erste Begegnung mit Horsti, ich war gerade 9 Jahre alt, Horsti 10. Wir spielten in der ersten Runde bei einem ÖTV-Jugendturnier gegeneinander. Ein kräftiger, goscherter, lauter, junger Kerl den ich noch nie davor gesehen hatte, stand mir auf dem Platz gegenüber. Ich hatte mehr Erfahrung, machte weniger Fehler und gewann glatt. Rückblickend kann ich mich an kein erstes Match gegen einen anderen Spieler meiner Generation erinnern, warum gerade an die erste Begegnung mit ihm?

Ein Jahr später trafen wir wieder bei einem Jugendturnier aufeinander. Ich war zuversichtlich, hatte mich jedoch getäuscht, denn Horsti schoss mich vom Platz. Ich war sauer wie selten, gegen diesen arroganten Burschen wollte ich nicht verlieren. Danach trainierte ich umso härter, wollte für das nächste Aufeinandertreffen gewappnet sein. Es sollte 15 Jahre dauern bis es mir tatsächlich gelang, gegen Horsti nach vielen Niederlagen wieder einmal ein Tennismatch zu gewinnen.

Südstadt 1985:  Ich kam aus der Steiermark in das österreichische Leistungszentrum, hatte Horsti sein längeren nicht mehr gesehen. Er trainierte auf Platz eins. Laut, jeder seiner Vorhandschüsse wurde von Stöhnen begleitet. Das Besondere war, dass er fast ausschließlich mit der Vorhand spielte; er bewegte sich so schnell und die Vorhand kam mit so viel Tempo, dass es fast nicht möglich war auf seine Rückhand zu spielen - ich war zutiefst beeindruckt. Am nächsten Tag war ich zum Training mit ihm eingeteilt. Noch nie war ich nervös vor einem Training gewesen, bei Horsti war ich es. Natürlich spielte ich schlecht und nach zehn Minuten forderte er mich auf seine charmante Art auf, gefälligst einen Ball ins Feld zu spielen. Das half mir nicht unbedingt, lockerer zu werden.

Immer wieder wurde später behauptet, Horst wäre kein Arbeiter gewesen; ein Lebemann, der sein Talent nicht voll ausgenutzt hätte. Ich würde mir wünschen in der Südstadt nur so „faule“ Spieler zu haben wie es Horst angeblich immer war. Klar, er hatte seine ganz eigenen Phasen; er war sicher launisch, aber auf dem Platz war er immer hoch motiviert zu arbeiten. Zumindest in jungen Jahren hatte er so viel Rückgrat, nur auf den Platz zu gehen wenn er wirklich motiviert war. Noch immer habe ich das Bild im Kopf wie Horst mit Jan Kukal auf Platz eins in der Südstadt trainiert, Kukal am Netz nur Rückhand-Volley spielend und ein lauter Horst Skoff drischt stundenlang mit der Vorhand über den ganzen Platz verteilt auf jeden Ball ein.

Ich könnte einige Geschichten erzählen, die ich in der Südstadt in unseren Jugendjahren mit Horst erlebt habe, und noch viel mehr Geschichten wurden mir von anderen über ihn erzählt. Egal wie man zu ihm stand - jeder hat über ihn gesprochen und er war immer präsent. Sportlich ging es mit ihm auch steil bergauf - aber es gab einen anderen Österreicher, der seine Erfolge in den Schatten stellte. Horst aber war kein Mensch, der akzeptierte, im Schatten anderer zu stehen.

Später als auch ich bereits ein gutes internationales Ranking erzielt hatte, hatten wir sogar den gleichen Manager. Vom Charakter her waren wir so unterschiedlich wie zwei Menschen nur sein können. Vielleicht gerade deshalb hab ich Horst immer ein wenig bewundert, er hat sich auf gut Deutsch gesagt nie etwas geschissen und mir war es immer sehr wichtig, von ihm als Tennisspieler anerkannt und respektiert zu werden. Als es mir eines Tages tatsächlich gelang, seine beste Platzierung in der Weltrangliste um einen Platz zu übertrumpfen, hatte ich mir seinen aufrichtigen Respekt erarbeitet. Das hat bei Horsti viel bedeutet und ich war sehr stolz, als Horst mir gegenüber diesen Respekt auch zum Ausdruck gebracht hat.

Zuletzt war der Kontakt sehr sporadisch; einmal war ich bei ihm und sah ihn in seiner Funktion als Sportdirektor von Kärnten mit Jugendlichen trainieren. In Straßenschuhen und Trainingsanzug stand er da und schickte die Kinder mit lauten, emotionalen Kommandos über den Platz. Danach saßen wir zusammen und diskutierten über die Jugendarbeit in Österreich. Man musste auf der Hut sein wenn man mit ihm diskutierte; er war direkt, pointiert, aber auch sehr sensibel und sprunghaft.

Den letzten Kontakt hatten wir telefonisch vor knapp mehr als zwei Wochen: ich hatte in einem Interview in einer Kärntner Tageszeitung eine ehrliche Stellungnahme zu Horst abgegeben. Er war ein bisserl beleidigt, aber wir haben uns ausgesprochen. Ich wusste ja, dass er ein wenig zu Übertreibungen neigte, wenn er mir das eine oder andere an den Kopf warf. So war er und ich konnte ihm nie böse sein; er trug sein Herz auf der Zunge und das war gut so. Auch dieses Gespräch endete versöhnlich und wir beschlossen, uns darüber und über andere Pläne noch einmal in Ruhe zu unterhalten.

Dazu haben wir keine Gelegenheit mehr. Horst Skoff wird mir fehlen, ein Wegbegleiter über viele Jahre, eine Persönlichkeit im Österreichischen Tennis und das ist an sich schon eine Rarität. „Schilli, ich geb`  Dir meine Vorhand und Du mir Deine Rückhand - dann sind wir beide unter den ersten Fünf der Welt“ hast du in unserer aktiven Zeit immer wieder gesagt.

Ich danke Dir für alles, was du uns neben Deiner Vorhand gegeben hast. Du warst eine Bereicherung meines Lebens, eine Lichtgestalt im österreichischen Tennis, die sich für die Schattenseiten nicht schämen musste. Du bist viel zu früh gegangen, aber du bleibst in meinen, in unseren Gedanken.

Gilbert Schaller

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