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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 55

Die Erwartungen für die French Open waren aus österreichischer Sicht nicht sehr hoch gesteckt, die Ergebnisse auf internationaler Ebene zuletzt alles andere als berauschend.Der ÖTV-Sportchef zieht Bilanz.

Leider haben in diesem Jahr gerade unsere Damen, die zuvor bei den Grand Slam-Turnieren meist für die positiven Schlagzeilen sorgten, enttäuscht. Mit teilweise sehr klaren Niederlagen war in der ersten Runde Endstation.
Bei den Herren hatten wir mit Jürgen Melzer nur einen Spieler im Hauptbewerb. Aber Jürgen schlug sich mit dem Erreichen der dritten Runde recht gut, ein klarer Aufwärtstrend war jedenfalls erkennbar. Das Verbessern der körperlichen Fitness sollte aber jetzt an erster Stelle stehen.

Auch für mich sind die Besuche der Grand Slam-Turniere natürlich immer wieder Highlights. Die Atmosphäre, das Niveau der Spiele und die spürbare Popularität des Tennissports vor Ort sind immer wieder motivierend für die kommenden Aufgaben zuhause.
Im Vorfeld von Paris hat mich Julian Knowle gefragt, ob ich ihm und seinem Partner Simon Aspelin bei der Vorbereitung auf Paris helfen könnte. Selbstverständlich habe ich zugesagt, auch weil Julian mit Blickrichtung Daviscup und auch Olympia ein sehr wichtiger Spieler ist. Außerdem ist es eine willkommene Abwechslung, mit zwei Top Ten Spielern dieser Qualität zu arbeiten. Trotz ihrer doch beachtlichen Erfolge als Team gibt es einige Reserven, die bei den beiden brach liegen. Da ich in regelmäßigen Abständen immer wieder mit Julian gearbeitet habe war es kein Problem, alte Fehler die sich eingeschlichen haben, wieder abzustellen und auch neue Ansätze hat Julian wie gewohnt konsequent und professionell umgesetzt.
Auch bei Simon Aspelin war sehr schnell ein akuter Schwerpunkt gefunden. Obwohl es doch ein kleine technische Änderung für ihn bedeutete, begann er sofort mit der Umstellung. Für mich war die Atmosphäre auf dem Platz sehr produktiv. Die Zeit die wir zur Verfügung hatten, wurden von beiden Akteuren von der ersten Minute an voll genützt, sodass auch für mich die zweistündigen Einheiten wie im Flug vergingen.
Ich hoffe natürlich, dass Julian durch Erfolge sein Top 10-Ranking halten kann, um mit Jürgen Melzer die Chance zu wahren, bei den Spielen von Peking ein Medaille im Doppel zu holen.

Heuer fand in Paris auch ein Davis Cup Captains-Meeting statt. Auf der Tagesordnung standen Erklärungen zu der Vergabe der ATP-Punkte für die Weltrangliste in der Weltgruppe, die zukünftigen Normen der Belagsauswahl waren ebenso ein Thema.
Besonders heiß diskutiert wurden Ideen, den Spielmodus eventuell zu verändern. Überlegt wird, dass die Teams ab dem Viertelfinale an nur einem Spielort den Pokal in 10 Tagen ausspielen. Natürlich würde es dadurch keine Heimmatches mehr geben, die doch ein ganz wesentlicher Aspekt des Daviscups sind. Für die Topspieler würde das andererseits eine Entlastung bringen, da der Kalender bekanntlich sehr dicht gedrängt ist. Die ITF gab eine Studie in Auftrag, in der alle Vor- und Nachteile ausgearbeitet werden sollen; nach Fertigstellung wird sicher noch sehr viel diskutiert werden.
Klar erkennbar waren auch die Wertigkeiten: mit Patrick McEnroe als Captain der USA oder Emilio Sanchez aus Spanien waren auch die Vertreter der Top-Nationen anwesend. Sie brachten sich sehr aktiv in die Diskussionen ein und es waren viele gute Ansätze dabei. Aber auch ziemlich blödsinnige Ansichten waren zu hören. Deutlich erkennbar war jedenfalls, dass die Verantwortlichen der ITF die Machtverhältnisse spürbar machten, und da ist Österreich nicht tonangebend. Eine bedauerliche Tatsache, die ich rückblickend auf die Qualität dieser Sitzung nur allzu gern ändern würde...

Für mich ist es nach den Erkenntnissen der letzten Jahre generell an der Zeit, weitere Veränderungen im österreichischen Tennis vorzunehmen. Ein adaptiertes Konzept dafür wird gerade ausgearbeitet und demnächst der Sportkommission vorgelegt. Ohne deren Meinung und Zustimmung will ich vorerst nichts verraten, aber wie im Sport an sich sollten auch wir als Verband ständig um Weiterentwicklung bemüht sein. Für mich gilt die Devise, noch zielorientierter und wenn notwendig kompromissloser zu arbeiten. Im Spitzensport wird man nur am Erfolg gemessen und auch mich interessiert nichts anderes.

Gilbert Schaller



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