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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 53

Man musste täglich damit rechnen; dennoch war der Tod von Daniela Klemenschits ein Schock. Vor allem für ihre Familie, besonders die Zwillingsschwester Sandra, die Gott sei Dank auf dem Weg der Besserung ist. Für Kurt Waltl, der bis zur Selbstaufgabe gekämpft hat, aber auch für die gesamte österreichische Tennisfamilie, hier vertreten durch Sportdirektor Gilbert Schaller.

Daniela Klemenschits hat ihren Kampf gegen die furchtbare Krankheit verloren, mein tiefes Beileid der Familie. Ich durfte Daniela als einen aufrichtigen, ungezwungenen Menschen kennen lernen; sie war gemeinsam mit Sandra eine Bereicherung für das österreichische Tennis, ich werde sie als blonden Wirbelwind auf dem Platz in Erinnerung behalten.

Nun zum Sport, zur aktuellen Situation unseres Tennis: Langsam aber sicher wird es wieder interessant für die internationalen Teambewerbe..
Ende April spielen unsere Damen in Dornbirn gegen die Schweiz um den Verbleib in der FedCup-Weltgruppe 2. Wir hoffen natürlich, dass unser Team diesmal in der stärksten Besetzung antreten kann. Die Schweiz mit Patty Schnyder (WTA 11) an der Spitze wird ein sehr schwerer Gegner werden, aber sowohl Sybille Bammer als auch Tamira Paszek können sie bezwingen, wenn sie zeitgerecht fit und in Bestform kommen. Es wird ein spannender Wettkampf werden; die Chancen sind absolut ausgeglichen.
Verletzungen sind leider zur Zeit ein verbreitetes Thema im österreichischen Tennis; deshalb bin ich nicht unglücklich darüber, dass die nächste Davis Cup-Begegnung erst im September stattfindet. Unser Gegner für die Weltgruppen-Relegation im September wird diese Woche ausgelost und diesmal wird wahrscheinlich ein harter Brocken auf uns warten. Umso mehr hoffe ich, dass unsere Spieler, allen voran Stefan Koubek, ihre Verletzungen in den Griff bekommen.
Ich war in den vergangenen Wochen viel unterwegs, ob bei Future-Turnieren in Kroatien, einem ITF- Jugendturnier der Kategorie 1 oder bei der ÖTV-Generalversammlung in Krems - die Entwicklung unsere Nachwuchsspieler war stets das zentrale Thema.

Wie steht es um die Entwicklung unserer jungen Spielerinnen und Spieler?

Bei den Mädchen fallen mir zuerst die Namen Melanie Klaffner, Niki Hofmanova, und Janina Toljan ein. Auch Jeannine Prentner hat bei den Österreichischen Hallenmeisterschaften gegen Toljan im Halbfinale ein gutes Match geliefert und ist sicher ebenfalls ein Thema für die Zukunft. Magdalena Österle unternimmt in der Südstadt jetzt einen konsequenten Versuch, ihre Verletzungen in den Griff zu bekommen. Sollte ihr das gelingen, so hat auch sie Potential.
Wie es mit den jüngeren Mädchen danach aussieht, ist im Moment noch schwer zu beurteilen. Es gibt da sicherlich mehrere Namen, die mir spontan einfallen und auf deren Entwicklung ich sehr neugierig bin. Aber in diesem Alter kann sich innerhalb eines halben Jahres sehr viel tun, positiv wie natürlich auch negativ.
Bei den Herren und Burschen wird es immer dringender, die Lücke nach den arrivierten Spielern zu schließen. Mein Ziel ist es, heuer zumindest einen Spieler ab den Jahrgängen 86 in die Top 200 der ATP-Weltrangliste zu bringen. Natürlich gibt es immer wieder schwächere Jahrgänge die das nicht ermöglichen, aber trotzdem muss es das vorrangige Ziel bleiben. Wir haben Martin Fischer, Philipp Oswald bei den 86igern, Andi Haider- Maurer als 87iger. Dann leider eine Lücke bei den 88igern, wobei ich mich gern täuschen würde und vielleicht explodiert ein Spieler aus diesem Jahrgang ja noch.... Nico Reissig, Mathias Feitsch bei den 89igern, Niki Moser und Philip Lang bei den 90igern bis hin zu den 91igern Sam Weissborn, Dominik Wirlend und Max Neuchrist sind bei den nächsten Jahrgängen vorrangig zu nennen. Mir ist klar, dass einige darunter die Erwartungen wahrscheinlich nicht erfüllen werden können; andererseits wird sich hoffentlich der eine oder andere, der jetzt nicht erwähnt wurde, noch ins Rampenlicht spielen.

Um den Nachschub an Talenten weiter zu fördern, veranstalteten wir in der Südstadt eine Trainer-Fortbildung. Die Resonanz auf die Einladung war sehr gut, es kamen immerhin 33 Tennisengagierte aus ganz Österreich. Für mich waren viele neue Gesichter darunter, aber sie wirkten in den Diskussionen sehr kompetent und engagiert.

Im Rahmen der Generalversammlung des ÖTV fand auch wieder eine Sportkommissionssitzung statt. Wie immer wurde sehr kritisch hinterfragt, konstruktiv diskutiert und meine Ansicht bestärkt, dass unser Ausbildungssystem weiter zu adaptieren ist. Ich arbeite daran, ein adaptiertes Konzept etwa im September 2009 vorlegen zu können, auch wenn zu diesem Zeitpunkt mein Vertrag als Sportdirektor des ÖTV ausläuft.
Bei den Mädchen müssen wir jedenfalls schon in einem früheren Alter unterstützend auf unsere Talente einwirken. Dass dies dann auch zum Teil dezentral geschehen muss, schon allein des Alters wegen, scheint logisch.
Bei den Burschen gilt es meiner Meinung nach, die Qualität der Arbeit noch weiter zu erhöhen. Auch hier habe ich eine Vision, die ich zu Papier bringen werde.
Nach wie vor ist es eine im Vordergrund sehr spannende Aufgabe, für den österreichischen Tennissport zu arbeiten. Nicht einfach, auch die Geduld wird immer wieder strapaziert. Aber auch nach einem der wenigen freien Wochenenden freue ich mich nach wie vor auf meine Aufgaben. Wohl auch weil ich weiß, dass es im österreichischen Tennis viele ähnlich Verrückte wie mich gibt.

Also ihr Tennisverrückten da draußen, genießen wir jetzt die Freiluftsaison. Viel Erfolg!

Gilbert Schaller


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