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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 51

Die Australien Open sind regelmäßig ein besonderes Highlight. Immer wieder treten Newcomer in beeindruckendem Stil ins Rampenlicht – so wie auch heuer. Der ÖTV-Sportdirektor kommentiert das erste Grand Slam-Turnier des Jahres natürlich vor allem aus österreichischer Sicht.

Mit Maria Sharapova und Novak Djokovic durften zwei Athleten jubeln, mit denen vor Beginn des Turniers durchaus zu rechnen war, als klare Favoriten aber wurden andere gehandelt. Doch im Verlauf dieser zwei Wochen haben sich die beiden definitiv als würdige Sieger empfohlen.
Die ganz große Überraschung dieser Australien Open war sicherlich der Franzose Jo- Wilfried Tsonga, der tatsächlich frappant an den jungen Muhammad Ali erinnert. Sein attraktives Angriffsspiel, gepaart mit sympathischem Auftreten war beste Werbung für das Herrentennis. Endlich wieder ein Typ, den man sehen will, ein Ticketseller, einer, der nicht nur die Insider in die Tennisstadion lockt! Ich bin sehr neugierig, wie er sich im Lauf der gesamten Saison präsentieren wird; dass er dieses Top-Niveau wirklich halten kann, wage ich zu bezweifeln. Schließlich haben wir zum Beispiel auch mit Baghdatis als Finalisten oder Thomas Johansson als Champion Spieler erlebt, die es dann nicht bzw. noch nicht ganz nach oben geschafft haben.
Aus österreichischer Sicht war der Auftritt von Stefan Koubek sicherlich am positivsten zu bewerten. Er kämpfte sich nach einer schwierigen Auslosung bis in die dritte Runde und verlor gegen Paul-Henri Mathieu hauchdünn in fünf Sätzen. Ich habe das Match gesehen und es war bitter, den besseren Spieler verlieren zu sehen. Tatsächlich hat Stefan den Franzosen über weite Strecken beherrscht, hat insgesamt mehr Punkte gemacht, auch wenn er letztlich an der Kampfkraft von Mathieu gescheitert ist. Erfreulich war vor allem, dass Stefan wieder auf dem Niveau spielt, das er vergangenen Herbst ab den US Open gezeigt hat, und somit kann es meiner Meinung nach im Ranking nur nach oben gehen.
Auch Tamira Paszek hatte gegen Jelena Jankovic (die Nummer 3 der Welt!) die besseren Karten schon in der Hand, leider reichte es nicht zum Sieg, Ich habe ihre drei vergebenen Matchbälle gesehen und sowohl beim zweiten als auch beim dritten war Tamira die dominierende Spielerin, die leider den Sack nicht zumachen konnte. Aber sie hat bewiesen, dass sie mit der Weltspitze auf Du und Du steht - somit sind Siege über Spielerinnen dieses Kalibers nur noch eine Frage der Zeit.
Auch auf einen gewissen Marin Cilic muss man, denke ich, in Zukunft aufpassen. Der junge Kroate besiegte Jürgen Melzer in der zweiten Runde; sein aggressives Grundlinienspiel gepaart mit einem gefährlichen Aufschlag wird noch für Aufsehen im internationalen Tennis sorgen.
Jürgen hatte sich mehr erwartet, die Niederlage gegen Cilic ist für mich aber kein wirklicher Dämpfer seiner Ambitionen. Wichtig werden der Daviscup sowie danach die Turniere in den Vereinigten Staaten sein. Dort hat er die Chance, seine Verbesserung im spielerischen Bereich unter Beweis zu stellen.
Mit Martin Slanar spielte sich fast heimlich, still und leise ein für viele bisher unbekannter Österreicher in den Hauptbewerb eines Grand Slam Turniers: Martin hatte sich im letzten Jahr beständig in der Weltrangliste verbessert, es war ihm gelungen, auf Challengerlevel Fuß zu fassen. Vielleicht war dieser Erfolg in Australien schon das erste Anzeichen, dass er für den nächsten Schritt bereit ist. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf seine weitere Entwicklung und werde ihn weiter im Auge behalten. Zu gemeinsamen Trainingseinheiten der Elite in der Südstadt ist er immer willkommen.
Die Ergebnisse der restlichen Österreicher bei den Australien Open waren teilweise zu erwarten, teilweise auch ein wenig enttäuschend. Aber bei einem Grand Slam-Turnier in dieser Dichte vertreten zu sein, ist für ein Land wie Österreich sicher ein gutes Zeugnis.
Jetzt stehen die internationalen Cupbewerbe für Damen und Herren auf dem Programm:
Im Fedcup ist die Aufgabe ohne die beiden Bestplatzierten fast unlösbar, obwohl Argentinien auch ohne die Nummer 1, Gisela Dulko, sogar auswärts sicher schlagbar gewesen wäre. Aber Sybille Bammer muss wegen einer Virusinfektion daheim bleiben und die kurzfristige, verletzungsbedingte Absage von Tamira Paszek war ein richtiger Schock. Für das junge Team mit Yvonne Meusburger an der Spitze ein sportliches Himmelfahrtskommando...
In der ersten Daviscup-Runde steht unseren Herren die ganz große Herausforderung gegen die Tennisgroßmacht USA bevor. Aber wir haben Heimvorteil, der gewählte Bodenbelag Sand sollte ein Vorteil für uns sein, denn die Amerikaner fühlen sich traditionell auf Hartplatz am wohlsten. Die Spieler brennen darauf, die Fans in Wien mit starken Leistungen zu begeistern und ich freue mich schon auf die tolle Stimmung im Dusika Stadion. Die Tribünen sind sehr nahe an den Center Court gebaut und ich denke, dass dies den Heimvorteil bei entsprechender Unterstützung durch das Publikum massiv erhöht.
Von den Ranglistenpositionen der einzelnen Spieler aus betrachtet, sind wir klarer Außenseiter. Wir haben kein Problem damit; vor einem Jahr gegen die ersatzgeschwächten Argentinier sind wir von der Erwartungshaltung her sogar ein wenig zum Favoriten avanciert und das Resultat ist bekannt. Gegen die USA wird dieser Druck nicht auf unseren Spielern lasten.
Die Amerikaner kommen als Pokalverteidiger nach Österreich, daher ist es Prestigesache für sie, nur ja nicht zu verlieren. Wir wiederum wollen als Team mit möglichst gewinnendem Auftreten überzeugen.
Drückt uns bitte die Daumen - am besten live im Dusika-Stadion!

Gilbert Schaller

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