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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 50

Mit dem neuen Jahr hat auch für unsere Jugendlichen die nächste Turniersaison begonnen. Der ÖTV-Sportdirektor beobachtete zu Jahresbeginn vor allem die Staatsmeisterschaften U 16 in Neudörfl genau. Schon deshalb, weil bei diesen Titelkämpfen sehr viele Jugendliche, die auch für die Südstadt ein Thema sind, am Start waren.

Bei den Mädchen und Burschen gab es einige interessante Begegnungen, natürlich auch wieder sehr viele Überraschungen. Der wichtigste Schluss aus dem Gebotenen für mich als ÖTV-Verantwortlichen: wo stehen unsere Jugendlichen im internationalen Vergleich?
Die laufende Saison wird diese Frage sicher neuerlich beantworten, aber bei leider sehr vielen gilt es, international Boden gut zu machen. Es gibt jedoch durchaus einige Lichtblicke; bei diesen Ausnahmen bin ich sehr neugierig wie sie sich gegen starke Ausländer präsentieren werden.
Sehr augenscheinlich war für mich vor allem eine Schwäche: die, mit Druck umgehen zu können. In einigen Matches war offensichtlich, dass manche SpielerInnen bei weitem nicht fähig waren, ihr persönlichen Potential auszuschöpfen.
Es ging sogar so weit, dass es von außen mehrmals so aussah, als wüßte die oder der Agierende nicht einmal mehr wie der Ball ins Feld zu spielen ist. Diese Hilflosigkeit zu beobachten war für mich wieder einmal erschreckend. Ich denke es ist nichts Neues wenn ich betone, dass die beste Technik und die besten körperlichen Voraussetzungen herzlich wenig helfen, wenn man - aus welchem Grund auch immer - vom Kopf her total überfordert ist.
Der wesentlichste Bestandteil im Tennissport ist die mentale Stärke im Wettkampf. Und wird es hoffentlich auch immer bleiben. Leider beobachte ich gerade hier bei vielen unserer Jugendlichen massiven Aufholbedarf.
Ist dieser Rückstand den überhaupt aufzuholen?
Meiner Ansicht nach definitiv ja. Aber dieser Aspekt benötigt am meisten Zeit und besondere Qualifikation der Trainer. Auch von der Spielerseite her ist dieser Aspekt der schwierigste, weil es eigentlich keine Frage des Trainings an sich ist sondern am besten mit einem Wort beschrieben werden kann: Persönlichkeitsentwicklung.
In den vergangenen Jahren hatte ich hautnah die Möglichkeit, sehr viele Jugendliche auf ihrem Weg zum angehenden Tennisprofi ständig zu beobachten. Wenn jemand einen echten Leistungssprung schaffte, war immer eine positive Entwicklung der Persönlichkeit zu beobachten. Was auch intern immer wieder von den Trainern angesprochen wurde. Diese positive Entwicklung machte sich gar nicht so sehr auf dem Tennisplatz bemerkbar; vielmehr waren es viele Situationen im alltäglichen Leben, die uns überraschten. Wir Verantwortliche hatten dann das subjektive Gefühl, dass mit diesem Jugendlichen etwas Positives geschieht.
Und dieses Gefühl hatte uns noch nie enttäuscht. Leider kann man nicht hinstellen und sagen „so jetzt trainieren wir Deine Persönlichkeit“.
Nur gutes und richtiges Zusammenspiel zwischen Eltern, Trainern aber auch Lehrern oder Erziehern garantiert eine zügige Entwicklung.
Bei vielen Jugendlichen habe ich sehr geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl beobachtet. Kein Wunder, weil sie nie gelernt haben selber Aufgaben zu bewältigen. Wenn Probleme anstehen sind immer andere da um sie zu lösen, wenn es irgendwo im Leben zu hart wird, gibt es meist jemanden der meint man könne dies nicht zumuten.
In einer Wettkampfsituation gilt es ununterbrochen, Probleme zu lösen, über seinen Schatten zu springen um erfolgreich zu sein, an und über Grenzen zu gehen. Dann sind die meisten dieser Jugendlichen überfordert und scheitern. Daher können sie in diesen Situation nur bestehen, wenn sie es im täglichen Leben lernen und ihren Charakter dementsprechend entwickeln.
„Ich habe so schlecht gespielt“, oder „ich habe keinen Ball getroffen“ sind typische Antworten von unseren Jugendlichen auf eine Niederlage.
Diese Antwort kann ich ehrlichgesagt nicht mehr hören. Es gehört eine gesunde Portion Selbstvertrauen dazu, sich die eigenen Schwächen einzugestehen. Es gehört Mut dazu, die eigenen Schwächen zu suchen, sie anzusprechen und aufzuarbeiten. Sehr wichtig ist dabei natürlich auch das Vertrauen zwischen dem Athleten und dem Trainer. Auf dem Platz ist der Akteur gefordert, unter Druck eine optimale Leistung abzurufen.
Das bedeutet man muss bereit sein Verantwortung zu übernehmen, man ist gefordert, auch Rückschläge zu verkraften, Mut zum Risiko gehört genauso dazu wie Flexibilität und Konstanz. Das Wissen um die eigenen Stärken aber auch Schwächen ist ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg. Aber nur dann wenn man gelernt hat, mit all diesen Faktoren umzugehen.
Jeder Tag, jedes Gespräch, jede Trainingseinheit und vor allem jede neue Aufgabe bringt für unsere Jugendlichen eine Chance an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten. Unsere Aufgabe als Trainer sehe ich darin, die Sinne für diese Entwicklung zu schärfen, den Jugendlichen aufzuzeigen wer sie sind, was sie leisten, wohin sie gehen wollen und vor allem, dass wir respektieren und schätzen was sie bereit sind zu leisten.
Ich hoffe sehr, dass ich bei kommenden nationalen Jugendmeisterschaften Spielerinnen und Spieler sehe, die erhobenen Hauptes bereit sind, ihre persönliche Leistung abzurufen und bis zum Schluss dafür gerade zu stehen. Dann sind wir international gesehen auf einem sehr guten Weg und haben die Saat für zukünftige Champions gesät.
Ganz nebenbei: sich richtig einzuschätzen, Selbstwertgefühl und gesundes Selbstvertrauen zu haben, ist Basis für alle, die im Sport Erfolg haben wollen.

Gilbert Schaller

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