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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 47

Für den ÖTV-Sportdirektor war die Daviscup-Begegnung mit Brasilien um den Erhalt der Zugehörigkeit zur Weltgruppe nicht nur als DC-Captain eine enorm wichtige Herausforderung; Innsbruck war in seiner Position als Sportchef auch die nächste Standortbestimmung unseres Herrentennis. Und jetzt kommt mit der USA-Begegnung im Februar 08 die ganz große Herausforderung!

Das Los hatte es mit Brasilien sicher gut mit uns gemeint; wenn man die anderen Relegationstreffen betrachtet, so waren einige schwere Kracher dabei. Aber jedes Match muss erst gespielt und gewonnen werden. Wir gingen als hoher Favorit in diese Begegnung, daher war ein Sieg für viele Tennisfans Pflicht, was den Druck auf die Spieler erhöhte.
Am Sonntag Abend war wie immer Treffpunkt für das Team, alle waren erschienen, nur einer sah zu diesem Zeitpunkt nicht sehr gut aus: Julian Knowle hatte Fieber und am nächsten Tag musste er auch das Training absagen.
Daher wurde kurzfristig der Tiroler Armin Sandbichler zum Training eingeladen und er machte seine Sache als Sparring- und Schlagpartner sehr gut.
Jeder im Team spielte am Montag zwei Einheiten. War am Vormittag ein erstes Herantasten an den Belag der Schwerpunkt, ging es am Nachmittag intensiv zur Sache. Der erste Tag verlief gut, abgesehen vom Ausfall des erkrankten Knowle war alles planmäßig.
Am Dienstag widmeten wir uns dann mehr dem Aufschlag und Return, auch der Volley und Passierschlagübungen standen auf dem Programm. Obwohl der selbe Belag wie zuletzt im Linzer Daviscupkampf gegen Argentinien aufgelegt wurde, war es hier in Innsbruck doch um einiges schneller. Sicher spielte die Höhenlage eine Rolle, wie man am Ballflug deutlich sah..
Am Abend meldete sich auch Julian zurück und spielte eine lockere Einheit. Nach dem Abendessen organisierten wir ein Billardturnier für das gesamte Team inklusive Betreuer. Es ging motiviert und lustig zur Sache - ein netter Abend, der den Mannschaftsgeist stärkte.
Am Mittwoch wurden sehr viele Punkte gespielt, Service und Return standen im Mittelpunkt. In der zweiten Einheit widmeten wir uns auch dem Doppel; Jürgen und Julian spielten einen sehr ausgeglichenen Trainingssatz gegen Stefan Koubek und Werner Eschauer.
Danach informierte ich Stefan und Werner über meine Entscheidung, wer am Freitag das zweite Einzel neben Jürgen bestreiten würde. Im Training konnte ich von den gezeigten Leistungen her keine klaren Favoriten erkennen, beide spielten sehr gutes Tennis. Was für Stefan den Ausschlag gab, war seine sehr gute Performance bei den US Open und das damit verbundene Selbstvertrauen. Und natürlich auch seine Erfahrung im Davis Cup - am Freitag unter Druck zu spielen, ist eine schwierige Aufgabe.
Die Auslosung am Donnerstag brachte für uns doch eine Überraschung: nicht den routinierten Andre Sa hatten die Brasilianer für Freitag nominiert, sondern den erst 20jährigen Tomaz Bellucci.
Dieser Spieler war uns vorerst fast unbekannt; nur Werner Eschauer konnte uns einige Informationen liefern, er hatte ihn heuer einmal auf Sand in drei Sätzen besiegt.
Das zweite Einzel war mit Stefan Koubek gegen Ricardo Mello erwartungsgemäß. Jürgen und Stefan trainierten je einmal, bei beiden lief alles glatt und wir fühlten uns für die Aufgabe bereit.
Freitag - Matchtag. Ich freute mich darauf, dass es losging, hatte auch ein gutes Gefühl, weil im Training alles sehr gut aussah. Aber das war ja auch schon vor dem Argentinien-Treffen der Fall gewesen.
Jürgen Melzer startete gegen den jungen Bellucci. Wie erwartet war es kein Spaziergang, aber trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass er das Match aus der Hand geben könnte. Ohne Serviceverlust siegte Jürgen souverän mit 3 mal 6:4.
Danach war Stefan dran: das erste Game versprach ein langes, hartes Match. Was danach kam, war jedoch über weite Strecken ein Feuerwerk von Stefan und ich genoss es, seine Leistung gleichsam aus der ersten Reihe zu bewundern. Der klare Sieg über Ricardo Mello war ein hochverdienter Lohn. Kompliment, Stefan hat direkt an seine starken Leistungen bei den US Open angeknüpft.
Das 2:0 nach dem ersten Tag war somit eine ausgezeichnete Ausgangsposition für das Doppel am Samstag.
Die Vorstellung unseres Paradeduos Jürgen Melzer / Julian Knowle war dann auch äußerst souverän. Ein etwas überforderter Guga Kuerten konnte nur fassungslos staunen, so wie unser Doppel das Spiel diktierte, gab es nie Zweifel über die Sieger.
Ein glatter Erfolg in drei Sätzen sicherte uns den Gewinn der Relegation. Wir durften unseren Wiederaufstieg in die Weltgruppe des Davis Cups feiern, was wir am Samstag auch kräftig getan haben.
Jürgen Melzer und Werner Eschauer bestritten die letzten Einzel. Jürgen gewann nach verschlafenem Beginn in drei Sätzen, Werner unterlag bei seinem Debüt dem stark spielenden Brasilianer Andre Sa in zwei. Aber seine Erfahrungen könnten in nächster Zeit noch sehr wertvoll sein.
Die gesamte Woche bis zu diesem 4:1-Sieg über Brasilien war sehr angenehm, es herrschte eine professionelle aber lockere Atmosphäre. Die Leistungen unserer Spieler waren stark, das Interesse des heimischen Publikums leider noch schwach
Das nächste Heimmatch (8. – 10.2.) gegen den Finalisten 07, die USA, ist ungemein attraktiv – wir haben unser Wunschlos gezogen und nun alle Voraussetzungen , zusammen mit starken Turnierleistungen unserer Spieler die Tennisfreunde zurück zu gewinnen.
Zuhause gegen einen so prominenten Gegner zu spielen, sehe ich als enorme Chance, die es in jeder Hinsicht zu nützen gilt. Ich habe mit Jürgen Melzer und Julian Knowle gesprochen und beide haben mir meinen ersten Gedanken bezüglich des Bodenbelages bestätigt: Sand. Ich werde schnellstmöglich auch mit unseren restlichen Teamkandidaten reden, aber es wird sich vermutlich nicht viel ändern. Wenn man von Andi Roddick und James Blake als Einzelspielern ausgeht, ist ein Sandplatz sicher die beste Lösung.
Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf diesen Hit und hoffe, dass die Entwicklung unserer Spieler weiter so gut verläuft wie zuletzt.
Bis zum Februar beim Daviscup!

Euer
Gilbert Schaller



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