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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 46

Heuer hatte der ÖTV-Sportdirektor Gelegenheit, die US Open ausführlich zu genießen. Mehr als zwei Wochen war er in New York, betreute Martin Fischer in der Qualifikation und trainierte mit Jürgen Melzer in Flushing Meadow schon in der Woche vor dem letzten Grand Slam des Jahres.

Besonders wichtig, dass auch der gesamte Davis Cup Kader bei den US Open spielte; für mich eine letzte Standortbestimmung und die Möglichkeit, unsere Spieler vor der Begegnung mit Brasilien in Best of five-Matches zu beobachten. Für mich ist auch die Teamentscheidung bei den US Open gefallen - ich habe in New York mit allen Spielern gesprochen und somit steht unsere Mannschaft fest.
Die Erfolge unserer Spielerinnen und Spieler waren mehr als sehenswert:
Sybille Bammer und Tamira Paszek boten bei den US Open Leistungen, auf die beide sehr stolz sein dürfen. Ihr Durchmarsch ins Achtelfinale und das Auftreten dabei waren aus österreichischer Sicht mehr als erfreulich. Beide Damen, die sich in dieser Weltsportart unter den Besten etabliert haben, werden den heimischen Tennisfans in Zukunft noch viel Freude machen.
Sybille Bammer zeichnete sich wieder einmal durch ihre Kompaktheit und durch ihre Fitness aus. Von der Grundlinie macht sie kaum unerzwungene Fehler und wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann sie sofort auf Angriff umschalten sowie das Tempo sehr gut variieren. Auch die vermehrten Netzangriffe und das damit verbundene Selbstvertrauen am Netz bewirkte eine weitere Entwicklung zur Weltspitze hin.
Tamira Paszek hatte schon seit Jahren ganz gefährliche Schläge. Jetzt versteht sie es immer besser, den Ball auch noch dazu aktiv anzugehen. Das erhöht natürlich die Effizienz ihrer Schläge noch weiter und erlaubt ihr auch, die Winkel besser zu nutzen. Im körperlichen Bereich sieht man, dass sie hart gearbeitet hat, und das hilft ihr nicht zuletzt auch in so schwierigen Matches wie gegen Patty Schnyder. Am beidruckendsten ist für mich nach wie vor ihre mentale Stärke in so jungen Jahren, ein Riesenvorteil und gleichzeitig auch Versprechen für eine großartige Zukunft der bis 6. Dezember Sechzehnjährigen.
Ich hoffe sehr, dass – gezwungen durch große Erfolge - auch das heimische Fernsehen wieder öfter die Spiele der ÖsterreicherInnen überträgt - verdient hätten sie es allemal. Ich kann auch jedem Tennisfan in Österreich nur empfehlen, dieses in vielen Dimensionen größte Turnier der Welt einmal hautnah zu genießen.
Großartig an der Seite des Schweden Simon Aspelin unser Julian Knowle im Herren-Doppel. Der Erfolgsrun der beiden, der sie sogar ins Masters bringen kann, hatte in dem Zweisatzsieg über die topgesetzten Bryan-Twins (auf Hartplatz!!) sein Glanzlicht.
Generell den Hype um Tennis vor Ort mitzuerleben ist ein sehr erhebendes Gefühl. Wenn eine Weltstadt wie New York vollends im Tennisfieber liegt, dann kann es mich nur wundern, wenn zuhause immer wieder in den Medien zu lesen ist, Tennis sei in der Krise. Allein bei meiner Abreise am New Yorker Flughafen bildeten sich Menschentrauben vor jedem Fernseher und im Gegensatz zu früheren Jahren wurden hier auch die entscheidenden Spiele der US Open anderen Programmen vorgezogen.
Leider hat keiner unserer Qualifikanten den Sprung in den Hauptbewerb geschafft. Martin Fischer scheiterte doch deutlich in Runde eins, Alex Peya gewann seine ersten beiden Spiele und verlor dann gegen Philipp Petzschner in der letzten Qualifikationsrunde. Vor allem der erste Satz war sehr eng und hätte auch an Alex gehen können, aber der Deutsche ist zur Zeit sehr gut in Form, wie er dann auch im Hauptbewerb bewiesen hat.
Jürgen Melzer gewann gegen Diego Hartfield in der ersten Runde, gegen Juan Martin del Potrowar jedoch in der zweiten Runde Endstation. Schade, ich hatte mir gegen den Argentinier mehr erwartet, aber Jürgen schaffte es bei dieser Begegnung nie, richtig ins Match zu kommen. Er spielte sehr verhalten und wirkte ängstlich; seinen Spielplan konnte er nie in die Tat umsetzen. Ich hatte das Gefühl, dass er vom Kopf her nicht frei war, jedenfalls fehlten die nötige Lockerheit und Aggressivität.
Sehr positiv präsentierte sich Stefan Koubek: Er erreichte die dritte Runde und spielte alle seine Matches auf sehr hohem Niveau. Besonders erfreulich ist für mich die Tatsache, dass er in den ersten beiden Spielen keine Schwankungen zeigte und die ganze Partie hindurch ein sehr hohes Niveau hielt. – auch im letztlich verlorenen Viersatz-Match gegen James Blake, nach dem es auch für Stefan sehr gute Kritiken gab. Für die kommenden Wochen ist das sicher ein enormer Schub für das Selbstvertrauen.
Werner Eschauer scheiterte in der ersten Runde an Florent Serra. Leider war er nicht ganz fit in diesem Match. Ein Darmvirus machte Werner in der Vorbereitung zu schaffen und mit Fortdauer der Begegnung wurde immer augenscheinlicher, dass die nötige Kraft einfach nicht vorhanden war. Ich hätte gern einen fitten Eschauer gesehen und ich hätte Werner dann auch favorisiert.
Für Yvonne Meusburger war die starke Griechin Eleni Daniilidou in der ersten Runde nicht zu überwinden.
Zum Abschluss möchte ich natürlich auch noch meine Entscheidung über das Davis Cup Team bekannt geben. Jürgen Melzer, Stefan Koubek, Werner Eschauer und Julian Knowle werden unsere Mannschaft bilden. Da ich davon ausgehen kann, dass Jürgen nach der US-Tournee keine Probleme mit dem Handgelenk mehr hat und daher auch das Doppel bestreiten wird musste ich Alexander Peya leider absagen, da er für mich der logische Ersatz im Doppel an der Seite von Julian Knowle gewesen wäre. Daher rückt Werner Eschauer erstmals ins Team, seine Erfolge und sein Ranking sprechen eine eindeutige Sprache.

Viel Erfolg bei den Klub-Meisterschaften und genießt den letzten Monat der Freiluft-Saison!
Die Hallen-Termine für den kommenden Winter habt Ihr hoffentlich schon gebucht...

Gilbert Schaller

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