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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 45

Sehr ereignisreiche, aber auch meist erfreuliche Tenniswochen liegen hinter uns. Leider keinen Erfolg gab es im FedCup, der Aufstieg in die A-Weltgruppe ist nicht geglückt. Die Ursachen, warum wir in Linz gegen Israel die große Chance nicht nützen konnten, stellt der ÖTV-Sportdirektor an die Spitze seiner „Gedanken“.

Die Gründe sind durchaus erklärbar: zum einen war der Ausfall von Sybille Bammer nur schwer zu verkraften, zum anderen muss man auch der Israelin Shahar Peer zu ihrer tollen Leistung gratulieren, sie hat in Linz wirklich sehr gutes Damentennis gezeigt. Trotz dieser Niederlage mache ich mir keine großen Sorgen um die Zukunft unseres Damenteams, die Ergebnisse in den diversen Turnieren zeugen vom großen Potential der Spielerinnen.
Einer der Höhepunkte unseres Tennisjahres war auch heuer das Turnier in Kitzbühel. Das Abschneiden der Österreicher ist nicht wunschgemäß, aber trotz des Ausfalls von Jürgen Melzer konnte sich die Dichte sehen lassen.
Wie bereits bekannt, wird Jürgen bei seiner anstehenden US-Tour von Jürgen Hager und von mir betreut und wir hoffen natürlich, dass sein Handgelenk keine Probleme machen wird. Das Training in den letzten Wochen verlief jedenfalls vielversprechend; wir konnten uns auf einige Details konzentrieren, und ich bin neugierig, ob Jürgen das im Wettkampf umsetzen kann.
Mit Blickrichtung Davis Cup gegen Brasilien im September kann ich im Moment sagen, dass für mich ein fitter Jürgen Melzer sowie im Doppel Julian Knowle fix sind. Werner Eschauer, Stefan Koubek und Alexander Peya sind derzeit die Spieler, die ich gern beim Daviscup dabei hätte; dass es sich für einen nicht ausgehen wird im Team zu sein, gehört leider dazu. In den Vorgesprächen haben wir uns auf einen Supreme ähnlichen Belag wie schon zuletzt in Linz geeinigt.
Ich würde heute gern ein wenig auf zwei österreichische Athleten eingehen, die bisher immer im Schatten gestanden sind, sich aber anschicken, endgültig aus diesem Schatten heraus zu springen. Gemeint sind Yvonne Meusburger und Werner Eschauer.
Vom Alter her liegen die beiden doch um einiges auseinander, aber beide mussten auf ihrem Weg unter die Top Hundert in gleicher Weise zahllose sportliche und wirtschaftliche Hürden, überspringen. Wie sie das – ich hoffe für längere Zeit - geschafft haben, ist bewundernswert und umso mehr freue ich mich über ihren Erfolg. Die Parallelen in den Karrieren von Yvonne und Werner sollen uns alle zum Nachdenken anregen. Ich denke, sie sind Vorbilder für zahlreiche Jungprofis, die von der harten, konzentrierten Arbeit und mentalen Stärke der beiden viel lernen können.
Was die beiden vereint ist sicher, dass ihnen die wenigsten den Vorstoß in diese Dimension der Weltranglisten zugetraut haben. Beide sind nicht für übermäßiges spielerisches Talent bekannt, beide haben dafür andere Vorteile, die Erfolg bringen: beide sind ruhig, bescheiden, fleißig, zielstrebig sowie dank ihrer Spielintelligenz bzw. Routine selten schwankend in ihrer Leistung.
Sowohl Yvonne als auch Werner hatten nie wirklich die volle Aufmerksamkeit der Medien und damit der Öffentlichkeit; leise aber zäh gingen sie ihre Wege, überwanden Rückschläge.
Und beide spielen nicht das spektakuläre, von Powerschlägen geprägte Tennis, sondern überzeugen durch Konstanz, Einsatz und den Willen zum Sieg.
Gerade wegen dieser Vorzüge war es ihnen meiner Meinung nach überhaupt möglich, diesen Weg zu gehen. Beide verstanden es, Schritt für Schritt ihre Fähigkeiten immer mehr als Waffe zu nutzen.
Ich bin überzeugt davon, dass beide sehr oft Zweifel an sich selbst hatten, sich die Frage stellten, ob ihre Fähigkeiten ausreichen würden, ihre selbst gesetzten Ziele zu verwirklichen. Aber im Unterschied zu vielen anderen waren sie konsequent genug, den eingeschlagenen Weg nicht vorzeitig zu verlassen. Hin und wieder haben auch sie sich in einer Seitengasse verirrt, aber sie haben immer wieder zurück gefunden und sind schließlich doch an ihr Ziel oder besser gesagt an eines ihrer Ziele gelangt.
Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten Ursachen für ihren Erfolg: die Beständigkeit sowie der Wille, persönliche Träume zu verwirklichen, die Bereitschaft, das Maximum aus sich herauszuholen.
Es ist nicht so schwierig oder gar unmöglich im Tennis Erfolg zu haben, wenn man zu harter Arbeit bereit ist und bereit, sich auch mit allen Details immer wieder auseinander zu setzen. Der Erfolg fällt auch den Talentiertesten nicht in den Schoß und vom vielen Jammern werden die Schläge auch nicht besser.
Daher meine herzlichen Glückwünsche an Yvonne und Werner zu ihren Erfolgen bis ins Finale und das erreichte Ranking.

Gilbert Schaller


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