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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 40

Wieder einmal ein erfreuliches Wochenende für das österreichische Tennis: der Fed- Cup in Dornbirn war ein voller Erfolg; unser Damentennis ist auf dem besten Weg zurück zur absoluten Spitze. Und bei den Herren ließ Vorarlberg durch Nachwuchshoffnung Martin Fischer aufhorchen. Dazu der ÖTV-Sportdirektor, der die Verbesserungen einiger SpielerInnen hervorhebt.

Sowohl sportlich als auch organisatorisch lief alles optimal, der Zuschauerrahmen war beeindruckend. Es war schön für mich, diese tolle Stimmung in der Messehalle zu genießen, vor allem auch, weil die Leistungen unserer Damen auf dem Platz sehr ansprechend waren und aufzeigt haben, dass wir uns von diesem Team noch einiges erwarten dürfen.
Sybille Bammer wirkte spielerisch sehr reif und abgeklärt; sie hat für mich bewiesen, dass ihre Rankingentwicklung auf jeden Fall in Ordnung geht. Eine Schlüsselszene war für mich das Match um den Sieg gegen Samantha Stosur. Den ersten Satz hatte Sybille 6:3 gewonnen und im zweiten Satz stand es 2:2. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass Stosur in der Partie leicht im Vorteil war. Sie war in den Ballwechseln geduldiger, spielte mehr Spin über die Rückhand von Sybille und schaffte es dadurch, die Österreicherin mehr zurück zu drängen. Sybille wurde dann kürzer in ihren Schlägen und Stosur konnte punkten. Genau in dieser Situation hat Bammer ihre mentalen und spielstrategischen Fortschritte bewiesen. Sie hat gemerkt, dass sie auf diese Schläge anders reagieren muss, und dies auch sofort umgesetzt. Sybille war bemüht, die Spin-Schläge näher an der Linie zu nehmen, hielt dadurch die Länge und konnte ihrerseits wieder besser aktiv werden.
Ich denke, dies ist eine der wichtigsten Fähigkeiten von TopspielerInnen. Situationen sofort zu erkennen und natürlich auch die Gabe zu besitzen, darauf richtig zu reagieren. Sie hat`s perfekt gemacht, Respekt.
Tamira Paszek hat für mich vor allem wieder gezeigt, wie mental stark dieses junge Mädchen jetzt schon ist. Der Druck durch die Erwartungen des Vorarlberger Publikums war hoch, das schien sie aber in keinster Weise zu beeindrucken. Souverän meisterte Tamira beide Aufgaben.
Das Tempo ihrer Schläge war wieder sehr hoch, die Fehlerquote gering, ich sah zwei souveräne Matches dieser jungen Dame.
Vielleicht auch noch ein Wort über die von manchen angesprochene Schwäche ihrer Vorhand. Für mich ist dieser Schlag keine Schwäche. Optisch wirkt er vielleicht nicht sehr kompakt und hin und wieder kommt halt einmal ein Misshit. Aber insgesamt ist ihre Vorhand für die Gegnerinnen ein sehr unangenehmer Schlag. Erstens ist er sehr flach und aggressiv, und zweitens sicher auch sehr schwer zu lesen. Die Taktik, ihr nur auf die Vorhand zu spielen, ist daher weder einfach noch besonders clever, weil Tamira es sehr wohl versteht, mit so einer Situation umzugehen. Noch gäbe es eine Taktik, die ihr vielleicht das Leben ein wenig schwer machen würde - aber die werde ich hier sicher nicht verbreiten. Und außerdem muss man schon sehr viel können, um dies auch umzusetzen. Ich bin überzeugt, dass Paszek heuer noch einen großen Sprung im Ranking machen wird; dass sie bereits jetzt ein Topspielerin ist, hat Tamira auf jeden Fall unterstrichen.
Aber nicht nur die Damen sorgten für positive Schlagzeilen, der Sieg eines Vorarlbergers, Martin Fischer, bei einem 15.000 $ Future-Turnier in Russland sicherte ihm eine weitere klare Verbesserung in der Weltrangliste - herzliche Gratulation von meiner Seite!
Sehr erfreulich präsentierte sich auch Werner Eschauer in den vergangenen Wochen, er unterstrich, dass er über dem Challengerlevel steht, und ich freue mich jetzt schon auf seinen Einstieg in die großen Turniere. Selbstvertrauen und das spielerische Können, sich dort zu behaupten, sind definitiv da.
Noch ein Wort zur Daviscup Auslosung:
Brasilien zuhause ist sicher ein gutes Los. Wir haben noch Zeit mit der Belagswahl und ich möchte mich erst festlegen, wenn ich mit allen Spielern gesprochen habe.
Der Joker der Gäste könnte Gustavo Kuerten heißen; wenn er sich von den körperlichen Rückschlägen erholt hat und fit ist, dann stellt er wohl wieder Weltklasse dar. Ich werde seine Ergebnisse und Leistungen jedenfalls genau beobachten und auch die Gelegenheit nützen, bei den French Open den Brasilianern auf die Finger zu schauen.

Nicht vergessen: am 5. Mai heißt es „Ganz Österreich spielt Tennis“! Ein herzliches Willkommen allen Interessenten, die wir auf mehr als 750 Anlagen zu Schnupperstunden begrüßen werden!

Gilbert Schaller

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