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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 39

Diesmal befasst sich der ÖTV-Sportdirektor vor allem mit Reformen bzw. der Situation im Tennis-Lehrwesen. Zuvor aber gilt es, die Aufsehen erregenden Erfolge von Sybille Bammer zu würdigen.

Es gab ja wieder mehrere recht gute Ergebnisse österreichischer Spieler, aber die Siege, die Sybille bis ins Semifinale von Indian Wells geführt haben, muss ich besonders hervorheben. Einen Erfolg dieser Art haben ihr wahrscheinlich die wenigsten zugetraut, umso mehr freut mich, dass sie uns beweist, was mit Zielstrebigkeit und konsequenter Arbeit erreicht werden kann. Respekt!

Vergangenes Wochenende wurde in Kärnten die ÖTV-Generalversammlung abgehalten. Es wurde viel diskutiert, die Referenten berichteten über die aktuelle Situation in ihren Aufgabengebieten, die Stimmung war gut und ich hatte den Eindruck, dass sich einiges bewegt.

Ein ganz wichtiges Thema waren Reformen im Lehrwesen, die mir sehr wichtig sind und die ich gern erläutern möchte: die Inhalte der Ausbildungen müssen zukünftig vermehrt in Richtung Leistungs- und Spitzensport abgestimmt werden - und die Trainerausbildung gehört in die organisatorische Hand des ÖTV.

Von Frühjahr bis Herbst des vergangenen Jahres habe ich in Innsbruck die Instruktorenausbildung, geleitet von ÖTV-Lehrreferent Mag.Harald Mair, absolviert und dabei auch begutachtet. Positiv aufgefallen sind mir neben der fachlichen Kompetenz vor allem der persönliche Einsatz und das Engagement von Harald Mair. Auch wie die Inhalte mit innovativen didaktisch-methodischen Ansätzen und Strukturen vermittelt werden, hat mich beeindruckt. Diese neue Ideen müssen in sämtlichen Ausbildungsstätten mit Vorrang umgesetzt werden.
Der ÖTV-Lehrreferent versteht es, bestehende Lehrinhalte der Zeit anzupassen; was früher nicht immer der Fall war. Dabei wird vor allem auch auf zukünftige Entwicklungen des Tennissportes eingegangen.

Wurde früher nach einem starren Konzept gelehrt, so ist es uns jetzt ein Bedürfnis, mehr Individualität in die Ausbildung zu integrieren. Ganzheitliches Lernen von Bewegungen muss vor dem Lernen mittels Teilmethoden stehen. Es sollte mehr Rücksicht auf energetische Abläufe innerhalb des Körpers gelegt werden als auf die Form der technischen Bewegungsausführung. Die Technik sollte so gesehen werden , dass sie nicht zum „Selbstzweck“ wird, so wie teilweise beim morphologischen Weg, sondern wirklich als „Mittel zum Zweck“ eingesetzt wird.

Aus persönlicher Erfahrung bin ich überzeugt, dass die Zukunft mit Sicherheit im funktionalen – oder besser ausgedrückt, im „differenziellen Bewegungslernen“ zu suchen sein wird. Durch dieses Vorgehen wird stets eine individuelle sinnvolle, situativ variable Bewegungstechnik gewährleistet.

Die Schuld bei Misserfolgen wird häufig bei den Kindern und Jugendlichen selbst gesucht, obwohl ein Spieler gerade am Beginn seiner Laufbahn nur so gut sein kann wie sein Trainer arbeitet. Darauf muss bei den Ausbildungen von Anfang an besonders geachtet werden. Dies gilt neben dem methodischen vor allem auch für den konditionellen Bereich. Zwischen dem fünften und dem zehnten Lebensjahr wird der Grundstein im konditionell-koordinativen Bereich gelegt. Was hier verabsäumt wird, kann später nur noch schwer aufgeholt werden. Dies muss in den Ausbildungen vermehrt Berücksichtigung finden, wollen wir hier eine Trendumkehr schaffen. Gerade dieses Problem zeigt sich immer wieder bei den Aufnahmeprüfungen für das Leistungszentrum Südstadt. Die „Stars von morgen“ haben konditionelle Werte von gestern! Und nicht zuletzt, weil sie keine Basisausbildung in Kinderjahren hatten. Ich habe Harald Mair dazu angeregt, entsprechende neue Strukturen auszuarbeiten. Der Weg muss hierbei aus meiner Sicht künftig noch viel mehr in Richtung Leistungs- und Spitzensport gelegt werden.
Auch im Breitensport müssen neue Akzente gesetzt werden, die bislang in den Ausbildungen keine Berücksichtigung gefunden haben.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde bereits eine neue Expertenkommission gegründet, der neben Alfred Tesar auch ich angehören werde. Hauptaufgabe der Kommission wird es sein, neben neuem breitensportorientierten nun vor allem leistungsorientiertes Gedankengut in die diversen Ausbildungen zu integrieren und diesen Ausbildungsstandard in ganz Österreich zu vereinheitlichen.

Als Spitzensportdirektor finde ich es enorm wichtig, der höchstrangigen Ausbildung in Österreich, der zum Trainer, große Bedeutung zukommen zu lassen. Daher habe ich seit längerem gefordert, dass die Verantwortung für diese wichtigste Ausbildung - in Kooperation mit der Bundessportakademie Innsbruck - beim ÖTV-Lehrreferenten selbst zu liegen hat. Nur dadurch kann zu hundert Prozent sicher gestellt werden, dass alle neu geforderten Inhalte der Expertenkommission auch ihre Umsetzung finden werden.

Viel Spaß zum Outdoor-Saisonbeginn!

Gilbert Schaller

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