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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN 36

Die Australian Open haben wieder gezeigt wie populär, spannend und hochklassig der Tennissport sein kann. Auch der ÖTV-Sportdirektor freut sich jedes Jahr wieder darauf, in der Früh sofort den Fernseher aufzudrehen und beim Frühstück hochklassiges Tennis zu sehen. Klar, dass das zusätzlich motiviert für den anstehenden Trainingstag.

Ein Wermutstropfen ist sicherlich, dass diese Matches weitgehend ohne österreichische Beteiligung über die Bühne gehen; aber ich bin überzeugt davon, dass sich das ändern wird. Über die zweite Runde der Einzel-Hauptbewerbe ist niemand von unseren SpielerInnen hinaus gekommen. Bei einigen wäre sicher mehr drinnen gewesen, waren die Ergebnisse vor den Australian Open doch sehr positiv - ich denke, das österreichische Tennis hatte einen guten Saisonstart.

Mit Blickpunkt auf den Daviscup war natürlich auch meine Aufmerksamkeit besonders auf die argentinischen Spieler gerichtet. Am erfolgreichsten war einmal mehr David Nalbandian, aber er hatte sicher mehr Mühe seine Matches zu gewinnen als ihm Recht war. Vielleicht war dies auch ein Grund für ihn, seinem Kapitän Alberto Mancini für den Daviscup abzusagen, ebenso wie zuvor schon Calleri und Chela. Ich bin - ehrlich gesagt - nicht sehr traurig darüber, die Chancen haben sich dadurch um einiges erhöht. Laut Berichten werden Jose Acasuso, Guillermo Canas, Juan Martin del Potro, sowie der erfahrene Doppelspieler Sebastian Prieto das argentinische Aufgebot bilden. Auch dieses Team wird schwer zu schlagen sein; Canas feiert ein gelungenes Comeback mit fünf Challengersiegen seit September letzten Jahres. Er bereitet sich in Zagreb auf den Supreme Court vor. Acasuso ist ein gefährlicher Spieler durch seinen Aufschlag und seine schnelle Vorhand, aber er hat einen hohen Ballabsprung sicher lieber und den wird er nicht bekommen. Der junge Del Potro hat bei den Australien Open einen gewissen Fernando Gonzales über 5 Sätze voll gefordert, ist also auch ein gefährlicher, wenn auch im Daviscup noch unerfahrener Spieler. Die Karten für Linz sind jedenfalls nach der Nalbandian-Absage gleichmäßig verteilt, der Druck auf unsere Spieler ist jetzt ein wenig höher, aber die Chancen weiter zu kommen stehen sicher gut. Mit einer 2:1 Führung in den Sonntag zu gehen bleibt mein erhofftes Ziel, und natürlich auch, dass es dann gelingt, den entscheidenden dritten Punkt zu holen. Mit Ihrer begeisterten Unterstützung, liebe Tennisfreunde, können wir es schaffen...

In Salzburg-Bergheim werden ja zur Zeit unsere ersten drei Future Turniere gespielt. Ich war bei den Erstrundenmatches des ersten Turniers, sowie bei der Qualifikation des zweiten Events dabei. Interessant war dabei die Tatsache, dass heuer drei Spieler bei den Australien Open im Hauptbewerb vertreten waren, die vor genau einem Jahr noch in Salzburg bei diesen Futures Qualifikation gespielt haben und dort teilweise auch unterlegen sind. Sehr erfreulich war aus österreichischer Sicht das Endergebnis des zweiten Turniers: ein Sieg von Martin Fischer und drei Österreicher im Halbfinale! Das zeigt doch ein ganz anderes Bild als im Vorjahr. Gratulation an die Spieler und Hut ab vor der souveränen Leistung von Martin, auch im Doppel sind Fischer und Philip Oswald nach zwei Future-Siegen hintereinander ein Versprechen für die Zukunft. Es würde mich freuen, wenn unsere Spieler in der dritten Woche dieses Niveau halten; natürlich hoffe ich auch auf gute Resultate aus Zagreb.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel sich innerhalb eines Jahres im Tennissport verändern kann und welche persönlichen Entwicklungen möglich sind. Der Hauptunterschied zwischen dem Topniveau und dem Future-Level ist sicher in der Konstanz und im Spielkonzept zu suchen. Das geht Hand in Hand, oft sogar unbemerkt für den Spieler selbst. Zumindest bei mir war dies auch der Fall.
Innerhalb eines Jahres ist es mir 1992 auch gelungen, von Position 500 auf 82 vorzustoßen. Hatte ich meine Schläge innerhalb dieses Jahres so eklatant verbessert, dass dieser Sprung nach vorn möglich war? Die Antwort lautet nein.
Es war viel einfacher. Ich hatte ein für mich funktionierendes Spielkonzept gefunden und dann zum einen auch die mentale Stärke, es konsequent durchzuziehen. Zum anderen auch die Kondition und die Kraft, einen Erfolgsrun und die damit verbundenen zahlreichen Matches körperlich zu verkraften.
Der geflügelte Ausspruch „denn sie wissen nicht was sie tun“ ist auf den Future-Turnieren durch die Bank bei sehr vielen Spielern zu beobachten. Im körperlichen Bereich sind bei den meisten Spielern, egal ob Österreicher oder nicht, kaum noch eklatante Schwächen zu erkennen. Sehr wohl aber scheitert es sehr oft daran, ein überdurchschnittliches Niveau über den gesamten Spielverlauf zu halten und ein sinnvolles Konzept durchzuziehen.
Natürlich ist es nur dann möglich ein Level zu halten, wenn man nicht andauernd mit sich selbst beschäftigt ist; wenn das eigene Spiel sozusagen automatisiert ist, man damit mehr Augenmerk auf die Schwächen des Gegners legen kann und dann auch noch mentale Reserven für die Big Points vorhanden sind.
Dies alles ist aber nur dann möglich, wenn man sich auf dem Platz wohl fühlt. Und so ein Gefühl kann man nur erreichen wenn man weiß, was dort zu tun ist. Dieses Wissen zu erarbeiten ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg.
Sobald ein Tennisspieler sein Spiel gefunden und verfeinert hat, sinkt automatisch die Zahl der Eigenfehler. Dies kann man auch logisch erklären: Es werden keine Gedanken mehr für Fehler oder Unsicherheiten verschwendet, die ganze Konzentration ist auf den Zweck des nächsten Schlages gerichtet, für Unsicherheiten und Ängste ist dann viel weniger Platz, alles passiert im Idealfall sozusagen automatisch und alle, die selbst Tennis spielen, haben dieses Gefühl sicher schon einmal gehabt.
Experimentierfreudigkeit ist gefordert, um Schritt für Schritt das persönliche Spielkonzept zu finden. Und in weiterer Folge dann sehr viel Konsequenz und Disziplin, um dies - auf dem möglichen Niveau - zu perfektionieren. Hat man das für sich selbst geschafft, dann weiß man am Ende einer Karriere, egal wie weit es schlussendlich gereicht hat, dass man aus seinem Potential das Maximum herausgeholt hat. Und das bedeutet Zufriedenheit für das weitere Leben.

Auf Wiedersehen in Linz!
Gilbert Schaller

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