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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN (29)

Mit 15 Jahren im Endspiel des US Open-Jugendturniers (bis 18!) - dass der ÖTV-Sportdirektor von der tollen Leistung Tamira Paszeks begeistert ist, versteht sich von selbst. Die Betreuung der Vorarlbergerin ist vorbildlich – und idealer Weise ganz auf ihre Person zielgerichtet. Es gibt ja im internationalen Tennis viele Wege, die ans Ziel führen können. Ein interessantes Thema rücken gerade jetzt mit großem Erfolg auch einige Deutsche in den Blickpunkt: „Collegetennis“.

Einmal mehr hat Tamira Paszek ihr Versprechen für die Zukunft eindrucksvoll unterstrichen. Das Erreichen des Finales beim Juniorinnenbewerb der US Open ist ein Riesenerfolg, Tamira zählt zu den weltweit größten Nachwuchshoffnungen des Damentennis - ich freue mich auf ihre weitere Entwicklung.
Jetzt zum Collegetennis: schon beim Grazer Challenger sind mir einige deutsche Spieler mit einem Ranking um die Top 200 aufgefallen, die gutes Tennis gezeigt haben, gar nicht mehr die jüngsten sind, aber trotzdem eigentlich international unbekannt. Ich stellte mir natürlich die Frage, woher kommen diese Deutschen namens Tobias Clemens, Benedikt Dorsch oder Dominik Meffert auf einmal her, die zwischen 23 und 26 Jahre alt sind und auf wirklich gutem Niveau spielen?
Sie haben den gleichen Weg beschritten wie ihr bis vor zwei Wochen international auch fast unbekannter Landsmann Benjamin Becker. Alle sind nach Amerika gegangen, haben dort studiert, Collegetennis gespielt und danach relativ schnell im Herrentennis Fuß gefasst.
Dies zeigt doch auch wieder auf, dass es möglich ist später einzusteigen, sofern man sich eine gute Basis erarbeitet hat. Wichtig ist definitiv auch, dass sie sich die Möglichkeit erarbeitet haben, viele Matches auf gutem Niveau zu spielen. Anscheinend funktioniert das recht gut im Collegetennis.
In Gesprächen mit Trainern, Eltern und den Jugendlichen wird oft darüber diskutiert, wie weit manch andere schon in jungen Jahren sind, und wie schwierig es sei, diesen Rückstand aufzuholen. Ich denke, dass gerade der oben angeführte Weg auch aufzeigt, dass es sehr wohl möglich ist, schulische Ausbildung mit einer angestrebten Tenniskarriere zu verbinden. Bedeutendste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man während dieser Zeit konsequent und zielgerichtet trainieren kann. Und ganz wichtig, dass eine Wettkampfmöglichkeit auf hohem Niveau besteht, denn die Matchpraxis ist eine wesentliche Voraussetzung, international bestehen zu können. Mich hat das Auftreten des Deutschen Benjamin Becker bei den US-Open sehr beeindruckt, speziell gegen Agassi hat er eine Coolness an den Tag gelegt, die ich selten gesehen habe. Und die bekommt man nur durch Matchpraxis und eine damit verbundene gute psychische Basis.
Ich hoffe, dass dieser Weg auch einigen österreichischen Talenten vorzeigt, welche Möglichkeiten es für sie gibt. Was spricht dagegen, erst mit 20 in die Tour einzusteigen? Es gibt jetzt auch genug Future-Turniere in Österreich und diese können als Standortbestimmung genutzt werden.
Dass es möglich ist, sich auch über 30 wieder in der Rangliste nach vorn zu spielen, beweist uns sehr eindrucksvoll Werner Eschauer. Ich wünsche ihm, dass er es zurück in die Top 100 schafft und gratuliere auch auf diesem Weg zu seinen jüngsten Erfolgen.
Zu den für mich unangenehmsten Aufgaben zählt es, über den Weiterverbleib der jungen SpielerInnen in der Südstadt zu entscheiden. Da aber unsere Aufgaben hier klar definiert sind, nämlich Jugendliche auf internationales Niveau zu bringen, bleibt es nicht aus, dass wir immer wieder nach einer gewissen Zeit selektieren müssen. Ich hatte letzte Woche Gespräche mit Spielern aus der Weindorfer-Gruppe und stellte klar, dass sich eventuell der eine oder andere nach Abschluss dieser Saison eine Alternative suchen muss.
Diese Woche gab es eine Aussprache mit einem Elternteil eines Spielers aus meiner Gruppe; Aus verschiedenen Gründen ist es mir nicht mehr möglich, diesen Jugendlichen länger in der Südstadt zu behalten. Es tut mir umso mehr leid, weil es vom Einsatz beim Training und vom Auftreten her keinerlei Probleme gab. Jedoch muss ich allein die Leistung beurteilen und die war für den anstehenden Zeitraum einer Verlängerung nicht ausreichend. Auch für die Eltern ist das sicher nicht einfach, aber das Gespräch war sehr korrekt und konstruktiv – ich respektiere die Konsequenz, die diese Eltern bewiesen haben.
Ansonsten zeigte die erste Trainingswoche in der Südstadt auf, dass die Jugendlichen bereit sind, auf hohem Niveau zu arbeiten. Das Trainerteam geht motiviert und zielstrebig an die kommenden Aufgaben heran. Wir müssen auch im organisatorischen Bereich sehr gut arbeiten, damit die einzelnen Rädchen ineinander greifen und das optimale Umfeld für unsere Talente gegeben ist.


Viel Freude mit Eurem Tennis!
Gilbert Schaller

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