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GILBERT SCHALLER - GEDANKEN (28)

Die Turnierergebnisse der US Open waren aus österreichischer Sicht enttäuschend. Immer öfter fragen Journalisten so wie andere Tennisinteressenten, ob und wann endlich wieder ein Top 10-Spieler aus Österreich kommen kann. Das zeigt, dass die Latte im Bewusstsein auch vieler Meinungsbildner immer noch sehr hoch liegt.

Wie es im Moment aussieht, können diese durch die großartigen Leistungen eines Thomas Muster (zu) hohen Erwartungen so schnell nicht erfüllt werden.
Das große Zauberwort, das in Gesprächen und Diskussionen immer wieder kommt, ist „das persönliche Potential ausschöpfen“.
Wenn Talente scheitern, dann wird ihnen nachgesagt, dass sie zwar hoch veranlagt waren, aber nie oder zu selten an ihre Leistungsgrenzen gehen konnten. Ich stelle mir dabei oft die Frage, warum sie dann als Talent bezeichnet werden. Ist die Fähigkeit, das Maximum aus sich herausholen zu können, für den Spitzensportler nicht die erste Voraussetzung für den Erfolg?
War nicht gerade deshalb ein Thomas Muster das größte Talent, das es je im österreichischen Tennis gegeben hat ? Ich beantworte diese Frage mit einem klaren Ja. Es ist ein ganz großer Unterschied zwischen einem Hoffnungsträger, der die in ihn gesetzten Erwartungen nie voll erfüllt, auch wenn er es vielleicht unter die Top 100 schafft, und einem Talent, das die Fähigkeit hat, das Maximum aus sich herauszuholen und die geforderte Leistung permanent zu bringen.
Die Frage, die sich aus dieser Sicht stellt: bleiben manche unserer Profis Hoffnungsträger oder sind sie wirkliche Talente? Auf möglichst viele solcher junger Spielerinnen und Spieler hoffe ich im Sinn des österreichischen Tennis.
Parallel zur ersten Woche der US Open fand in Wien beim Tennisclub La Ville ein 10.000 $- Future-Turnier für Damen statt. Der Termin war sicher nicht günstig, waren doch einige unserer jungen Hoffnungen noch in den USA bei den großen Jugendturnieren im Einsatz. Die Leistungen einiger österreichischer Spielerinnen waren ansprechend, aber gesamt gesehen fehlt uns doch die Dichte im Damenbereich, um wenigstens bei diesen Turnieren mehr Erfolge zu feiern. Aber es wächst eine neue junge Generation heran und vielleicht ist schon im nächsten Jahr ein anderes Bild gegeben.
2007 wird es nach den positiven Erfahrungen des heurigen Jahres noch mehr Future-Turniere als heuer geben. Mit Altenstadt und Irdning kommen bei den Herren zwei 15.000 $-Futures im Sommer dazu. Sollte, was wir alle hoffen, Kitzbühel im nächsten Jahr wieder stattfinden, fänden unsere Akteure mit dem Graz-Challenger und der Future-Serie die Möglichkeit vor, 10 Wochen lang in Österreich durchzuspielen. Sicher eine große Chance, durch Erfolge vor heimischem Publikum Punkte wie Erfahrung zu sammeln, die auch von vielen genützt werden sollte.
Zum Abschluss noch ein paar Zahlen zu den gespielten 8 Herren-Futures in Österreich:
Insgesamt wurden von den Österreichern 152 ATP Punkte bei diesen Turnieren erobert. Es gab drei Turniersiege im Einzel (Andreas Haider-Maurer, Thomas Schiessling, Martin Fischer) sowie vier Siege im Doppel mit österreichischer Beteiligung. 24 Österreicher haben im Einzel gepunktet, die meisten ATP-Points hat Martin Fischer mit 25 erzielt.

Viel Freude mit dem Tennis-Herbst!
Gilbert Schaller

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