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Verbands-Info

Eine Legende wäre 80 geworden

Am 30. Oktober hätte Lance Lumsden den 80er begangen. Der gebürtige Jamaikaner war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der heimischen Medien- und Tenniswelt.

Lance Lumsden im Gespräch mit ÖTV-Ehrenpräsident Ernst Wolner ©GEPA-Pictures

Er lebte und liebte den Tennissport in allen seinen Facetten, setzte sich als Herausgeber von Österreichs einzigem Tennismagazin tennis sports für die Nachwuchsarbeit genauso ein wie für den Breiten- und Freizeitsport und stand selbst in jeder seiner freien Minuten auf dem Tennisplatz. Im Juni 2011 ging dieses so facettenreiche Leben für viele seiner Freunde und Bekannten völlig überraschend zu Ende: Lance Lumsden verstarb auf Jamaica in seinem 71. Lebensjahr an den Folgen einer Krebserkrankung. Am 20. Oktober 2019 wäre Lance 80 Jahre alt geworden.

Zurück bleiben Erinnerungen an einen der bis heute erfolgreichsten Tennisspieler Jamaikas (u. a. Sieg im Daviscup gegen Arthur Ashe). An einen Sänger ("I've got a felling"), der sich in seiner neuen Heimat, nachdem es ihn tausende Kilometer weit nach Österreich verschlagen hatte, einen Namen gemacht hatte. An einen Tennisexperten, der selbst in wirtschaftlich schlechten Zeiten sein "Baby" tennis sports mit aller Kraft am Leben erhielt und als Sprachrohr für TennisspielerInnen nutzte, deren Karrieren noch nicht richtig zum Laufen gekommen waren. An einen Enthusiasten, der bei Pressekonferenzen oft mehr zu Wort kam als die eigentlichen Tennisstars - und trotzdem hörte ihm jeder zu. ÖTV-Ehrenpräsident Ernst Wolner zeigte sich damals wie die gesamte österreichische Tennis-Familie vom Tod Lance Lumsdens tief betroffen: "Mit Lance ist ein liebenswerter Mensch und allseits geschätzter Experte von uns gegangen, den seine Leidenschaft und sein unermüdliches Engagement für das österreichische Tennis ausgezeichnet haben. Wir haben einen liebenswerten Menschen und guten Freund verloren. Ich darf im Namen des Österreichischen Tennisverbandes der Familie meine aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck bringen."

Am 28. Oktober 2010 war im Standard eines seiner letzten Interviews, die ausnahmsweise einmal er gegeben und nicht geführt hat, erschienen. Es war eines, das vieles über ihn als engagierten "Tennis-Freak", aber auch als liebenswerten Menschen aussagte.

Sie befassen sich ausgiebig mit den Strukturen im heimischen Tennissport. Was verhindert hierzulande eine breitere Spitze?
Um eine breitere Spitze zu schaffen, müsste man das Training der Jugendlichen umstellen. Man müsste Trainer mit Erfahrung finden, die vielleicht selbst auf einem hohen Niveau gespielt haben. Viele können in der Jugend zwar mithalten, schaffen aber nicht den Sprung zu den Profis, weil sie mit ihrer Technik dort nicht bestehen können. Eltern würden Ihre Kinder niemals zu einem Chirurgen ohne Erfahrung schicken, aber sehr wohl zu einem Trainer, der sein Handwerk nicht richtig beherrscht.

Erfolge wie jene von Jürgen Melzer müssen also als Zufallsprodukte betrachtet werden und nicht als Ergebnis geschaffener Strukturen?
Sie sind Produkte persönlicher Betreuung. Der Weg zum Erfolg beginnt aber nicht mit dem Zufall sondern mit dem Erkennen eines Ausnahmetalents, anschließend muss der Sportler in die richtigen Hände geraten. Melzer hat jahrelang Talent bewiesen und sehr gut gespielt. Aber eine klare Tendenz nach oben hat sich erst in der Zusammenarbeit mit Ronnie Leitgeb gezeigt.

Sie mussten in den 60er Jahren gegen Allzeitgrößen wie Arthur Ashe oder Rod Laver relativ empfindliche Einzel-Niederlagen einstecken. Was hat Ihnen damals zur Weltklasse gefehlt?
Ich war Student, kein Profi. Damals gab es wenig Spieler, die vom Tennis leben konnten. Ich hatte Spaß am Sport, mehr nicht. Ich war vier, fünf Monate auf Tour, wenn ich gerade Ferien hatte.

Und dennoch reichte es im Daviscup mit Partner Richard Russell gegen die USA zu einem legendären Doppelerfolg in fünf hart umkämpften Sätzen gegen Ashe/Pasarell. Daran erinnerte sich der englische "Guardian" dieses Jahr in einem Artikel über den jamaikanischen Profi Dustin Brown. Bereitet das Freude?
 Ja, es freut mich natürlich, dass dieser als Amateur errungene Höhepunkt meiner Karriere noch Erwähnung findet. Ich war kürzlich auf Jamaika in Urlaub und habe dort mit Russell Tennis gespielt, die alten Kontakte bestehen also noch.

Arthur Ashe ist leider bereits verstorben. Eine ihrer Begegnungen spielte sich 1968 im Byrd Park von Richmond in den USA ab, just in jenem Klub also, der dem jungen Ashe aufgrund seiner Hautfarbe den Zutritt verweigert hatte. Wie waren Ihre Erfahrungen mit Rassismus?
Ich wurde in den USA zu Veranstaltungen von Klubs eingeladen, die mir normalerweise den Zugang verweigert hätten. Bei Bewerben machte man aber eine Ausnahme. Als ich manche dieser Turniere überraschend gewann, haben sich nicht alle gefreut. Im folgenden Jahr wurde ich nicht mehr eingeladen.

Musik war auch immer Teil ihres Lebens. Mit Arthur Ashe wollten Sie angeblich eine Band gründen ...
Wir hatten ab und zu Musik gemacht. Ich nahm die Gitarre und steuerte den Gesang bei, Russell hat mit den Maracas Rhythmus gemacht und Ashe stand an den Percussions.

Ist dem Tennis-Zirkus diese gewisse Lockerheit durch die zwingende Professionalisierung der Spieler mittlerweile abhanden gekommen?
Das würde ich so nicht sagen. Aber damals ging es weniger um das Geld als um den Spaß am Spiel. Die hohen Dotierungen erzeugen natürlich auch Neid, und trotzdem sind nach wie vor viele Spieler untereinander befreundet - vor allem Sportler aus einer Nation, Spanien kann man hier als Beispiel anführen.

Sie haben in Roland Garros gegen Laver gespielt, der als letzter Profi den Grand Slam, also alle vier großen Turniere in einem Jahr, gewinnen konnte. Inwieweit ist dessen Leistung mit jener eines Federer oder Nadal vergleichbar?
Laver war sicher einer der größten Spieler aller Zeiten. Aber man muss auch den Kontext kennen: Damals waren die besten Spieler der Welt entweder aus Australien oder den USA, das waren die ganz klar dominierenden Nationen. Die Spitze war weniger dicht, das Level stark abfallend. Auch wenn Federer oder Nadal zum Auftakt eines Turniers kaum verlieren, werden Sie heute ab der ersten Runde von Vollprofis aller Nationen gefordert.

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