Zum Inhalt springen

ATP

French Open: Thiem und Ofner bleiben ohne Satzgewinn

Beide Österreicher im Hauptbewerb von Roland Garros können sich in ihren Erstrundenpartien keinen Breakball erspielen.

Hugo Dellien, Dominic Thiem ©GEPA pictures/ Patrick Steiner

Kein erfreulicher Tag in Paris: Die French Open 2022 sind aus rot-weiß-roter Perspektive schon nach dem ersten der 15 Hauptfeld-Spieltage im Einzel gelaufen. Zunächst lieferte Dominic Thiem an diesem Sonntag eine enttäuschende Leistung ab. Der US-Open-Sieger von 2020, nach seiner langen Verletzungspause nur noch die Nummer 194 der Welt, zog beim Sandplatz-Grand-Slam-Turnier in Frankreichs Hauptstadt gegen einen klassischen Sandplatzwühler, Hugo Dellien (ATP 87) aus Bolivien, glatt mit 3:6, 2:6, 4:6 den Kürzeren. Und am Abend musste sich letztlich auch Sebastian Ofner verabschieden: Der steirische Qualifikant (ATP 218) wehrte sich gegen den Weltranglistendritten Alexander Zverev mit all seinen Kräften, musste beim 2:6, 4:6, 4:6 aber doch die Überlegenheit des Deutschen anerkennen. Von einem Sieg waren beide Österreicher leider weit entfernt: Weder Thiem noch Ofner konnte sich in den jeweiligen Erstrundenspielen überhaupt eine Breakchance erarbeiten. Damit ruhen nun die letzten heimischen Hoffnungen in Roland Garros bei den Erwachsenen auf Philipp Oswald: Der Vorarlberger trifft im Herrendoppel gemeinsam mit dem Mexikaner Hans Hach Verdugo zum Auftakt sogleich auf eine gesetzte Paarung, die an zwölf gereihten Marcelo Arevalo (El Salvador) und Jean-Julien Rojer (Niederlande).

Thiem: „Es ist nichts Unerwartetes passiert“

Thiem bestritt bei den French Open sein siebtes Turnier im Rahmen seines Comebacks – an jener Stätte, an der er bereits zwei Finals (2018, 2019), zwei Halbfinals (2016, 2017) und ein Viertelfinale (2020) zu Buche stehen hat. Doch weder seine Erfolgshistorie, noch die größtenteils sehr wohlwollende Unterstützung der rund 4000 Zuseher auf dem Court Simonne-Mathieu konnten ihm zum erhofften, ersten Erfolgserlebnis bei seiner Rückkehr verhelfen. Während Dellien eine positive Winner-Eigenfehler-Bilanz von 15:14 verbuchen konnte und eine sehr kompakte, überaus solide Leistung bot, erlaubte sich Thiem mit 42 unerzwungenen Fehlern weiter klar zu viele, vor allem von der nach wie vor zu instabilen Vorhand, da halfen ihm auch 29 Winner am Ende nicht allzu viel. Auch die Körpersprache ließ keine Wende erwarten. Überraschend kommt das Aus für den Niederösterreicher, zu diesem Zeitpunkt seines Comebacks, freilich nicht: „Es war überhaupt kein gutes Match, aber so ist es nun einmal“, bekannte Thiem laut „APA – Austria Presse Agentur“. Er habe zwar wirklich sehr hart gearbeitet, aber die Zeit habe nicht gereicht. „Auch wenn es eine schmerzhafte Niederlage ist, es ist nichts Unerwartetes passiert.“ Alles andere wäre für ihn eine große Überraschung gewesen. Es tue dennoch „weh, ich bin sehr enttäuscht.“

Thiem übte sich einmal mehr in dieser so schwierigen Phase im Zuge seiner Laufbahn in Durchhalteparolen: „Ich habe gewusst, dass es seine Zeit dauern wird, der Level ist sehr hoch von allen Spielern. Ich bin noch nicht dort, wo ich sein will“, musste der 28-Jährige wieder enttäuscht festhalten. Und so wird sich der Lichtenwörther demnächst auch auf ein anderes, niedrigeres Level begeben – um endlich erste Siege und Selbstvertrauen zu sammeln. Er bleibt zunächst auf Sand und möchte im Juni zwei ATP-Challenger-Turniere in Italien, in Perugia und Parma, bestreiten, bis er nach seiner vor elf Monaten erlittenen Handgelenksverletzung ein erstes Protected Ranking dazu nützen will, um in Wimbledon zu starten. Auf dem herkömmlichen Weg wäre Thiem für den Rasen-Klassiker nicht mehr qualifiziert – und wird nach den French Open noch weiter davon entfernt sein. Ihm fallen nämlich in zwei Wochen weitere 180 Punkte vom Paris-Viertelfinale 2020, das aufgrund der Corona-Sonderregeln noch immer in der Wertung ist, raus. Dann wird er sich im ATP-Ranking nur noch um Platz 370 finden. Immerhin: Thiem versicherte, weder ein mentales noch ein körperliches Problem mit der Vorhand zu haben: „Bei einem Grand Slam ist man nervöser, der Körper ist auch angespannter, und das ist toxisch für meine Vorhand. Und wenn das der Fall ist, passieren sehr viele Fehler.“ So auch an diesem 22. Mai 2022.

Ofner: „Finde, ich habe mich gut verkauft“

Ofner verbuchte gegen Zverev zwar nur einen Spielgewinn mehr als Thiem gegen Dellien, in seinem Fall war die Dreisatz-Niederlage gegen den deutschen Olympiasieger dagegen keine Überraschung. Der St. Mareiner spielte mit seinem hochfavorisierten Kontrahenten vor allem im zweiten und dritten Satz über weite Strecken recht gefällig mit, jeweilig ein eher misslungenes Aufschlagspiel war auch hierbei jedoch schon eines zu viel, da er den 25-Jährigen bei dessen Service nie ernsthaft gefährden konnte. Nach 1:49 Stunden war der Auftritt auf dem Court Suzanne-Lenglen dann zu Ende. Für Ofner war freilich bereits das Erreichen des Hauptbewerbs, dank drei Siegen in der Qualifikation, als großer Erfolg zu bewerten – der ihm erst einmal zuvor gelungen war, in Wimbledon 2017. Dort war der seit 12. Mai 26-Jährige letztlich gar sensationell bis in die dritte Hauptrunde gekommen, wo er damals gleichfalls an Zverev gescheitert war – mit dem fast identen Ergebnis 4:6, 4:6, 2:6. Umso erfreulicher ist Ofners Abschneiden, wenn man bedenkt, dass der in Paris von Stefan Rettl betreute zweifache österreichische Davis-Cup-Spieler, der wie Thiem in der ATC-Akademie von Dominics Papa Wolfgang Thiem trainiert, erst vor rund eineinhalb Monaten auf die Tour zurückgekehrt war, nach siebenmonatiger Zwangspause.

„Wenn man gegen die Nummer drei in der Welt spielt, was das zweite Mal der Fall war – damals hatte ich gegen Dominic (Thiem; Anmerkung) in Kitzbühel gespielt –, dann kann das schon einmal passieren, dass man keinen Breakball hat. Zverev ist fast zwei Meter groß und serviert wie ein Henker. Auf dem großen Platz ist man vielleicht auch ein wenig nervös“, meinte Ofner gegenüber dem ÖTV. Dass jeweils ein Schwächeln im zweiten und dritten Satz schon jeweils eines zu viel war, verwunderte ihn nicht: „Wenn ich mir so ein schwächeres Aufschlaggame nicht leisten würde, wäre ich ja wahrscheinlich in den Top 20. Wenn man aber dann gegen die Nummer drei der Welt spielt und diese returniert wie ansonsten keiner, gegen den du jemals gespielt hast, ist’s auch ein bisschen schwierig.“ In einem der großen Stadien gegen Zverev zu spielen, das sei trotzdem „mega gewesen. Das ist der größte Platz, auf dem ich jemals gespielt habe. Es war eine Top-Atmosphäre, es war geil. Ich habe mich gut gefühlt und finde, ich habe mich gut verkauft.“ Er sei sehr zufrieden, sich für den Hauptbewerb qualifiziert zu haben, „gegen so einen Gegner ist es dann halt taff, aber da muss man damit rechnen.“

Hier alle Ergebnisse und Auslosungen von den French Open in Paris bei den Herren: Hauptbewerb, Qualifikation, Doppel.

Hier alle Ergebnisse und Auslosungen von den French Open in Paris bei den Damen: Hauptbewerb, Qualifikation, Doppel.

Ähnliche Nachrichten

Top Themen der Redaktion