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WTA

"Es macht alles einfach nur Spass!"

Ihr Lieblingsturnier, das "Nürnberger Gastein Ladies", startet für sie am Mittwoch (17.7.). Österreichs neue Nummer 1, Yvonne Meusburger (Bild), im großen Interview über die Vor- und Nachteile, beste Spielerin des Landes zu sein, über finanzielle Ups & Downs im Leben eines Tennisprofis außerhalb der Top 100 und weshalb sie trotz ihres finnischen Lebensgefährten Heikki "Schon bald zähle ich zu den besten 50 der Welt" nur auf Schwedisch und nicht auf Finnisch sagen könnte.


Du hast heuer bereits drei Titel (Grado, Wiesbaden, La Marsa) geholt, hast in Wimbledon die Qualifikation geschafft, bist in Versmold erst im Semifinale gestoppt worden und hast in Budapest deinen ersten WTA-Titel nur knapp verpasst. Von außen könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre dir ein Knopf aufgegangen. Täuscht das?
Nicht wirklich! Ich fühle mich momentan einfach nur gut. Es läuft alles super, Tennis macht im Moment enorm viel Spaß! All das kann ich derzeit gut auf dem Platz umsetzen. Was aber das Wichtigste ist für mich: Ich habe mich menschlich und als Tennisspielerin in eine Richtung entwickelt, die die richtige zu sein scheint. Da weiß man dann auf einmal ganz automatisch, weshalb man soviel Arbeit in's tägliche Leben als Tennisprofi hineinsteckt. Ich möchte lockerer an die Sache rangehen. Wenn man gewinnt, ist es immer was Schönes, aber wenn man verliert, sollte man nicht all zu lange traurig sein: Ich bin kein besserer Mensch, nur weil ich gewinne, und ich bin auch kein schlechter Mensch, wenn ich verliere. Es ist und bleibt ein Spiel. Die Liebe zum Sport und der Spaß sollen immer im Vordergrund sein.

Ist diese Weiterentwicklung als Mensch und Spielerin Bestandteil eines natürlichen Reifeprozesses?
Ich sehe das so: Jeder Mensch entwickelt sich anders. Bei dem einen kommt es früher, beim anderen etwas später. Ich akzeptiere es so, wie es bei mir gelaufen ist. Das Beste daran ist: Ich fühle mich überhaupt nicht wie 29, sondern fühle ich mich richtig jung! Deshalb macht alles derzeit auch soviel Spaß! Und solange das der Fall ist, genieße ich jede einzelne Minute und jeden Tag. Da ist es vollkommen egal, wie alt oder wie jung man ist. Wenn die Ergebnisse stimmen und man sich parallel dazu auch noch weiterentwickelt hat, freut man sich einfach nur darüber!

Seit Tamira Paszek nicht mehr die Nummer 1 ist, trägst du den Titel „Österreichs beste Tennisspielerin“ – für dich bloß eine Zahl auf weißem Papier oder doch etwas mehr?

Ich war ja schon einmal die Nummer 1 und freue mich schon, dass ich es jetzt wieder geworden bin. Auf der anderen Seite kann ich mir davon nicht großartig etwas "kaufen". Mir ist es viel, viel wichtiger, wenn ich mich jeden Tag als Mensch und als Spielerin weiterentwickeln kann, denn dann kommt ein positives Ranking fast automatisch.

Bisher war es so, dass du als Nummer 2 oder 3 in Österreich nicht wirklich im medialen Rampenlicht gestanden bist, weil eben entweder Sybille Bammer, Tamira Paszek oder Patricia Mayr-Achleitner vor dir waren. Eine für dich angenehme Situation?
Ichglaube, dass beide Seiten ihre Vor- und Nachteile haben. So, wie es bis jetzt war, war's für mich ganz okay. Ich hab in Ruhe arbeiten können und hab immer jemanden vor mir gehabt, der mich in gewisser Weise mitziehen konnte. Jetzt gerade ist es halt zufällig einmal anders, was auch seine Vor- und Nachteile hat. Ich versuch', nicht allzuviel darüber nachzudenken, sondern mich nur auf mich zu konzentrieren und meinen Weg zu gehen: Was dann kommt, das kommt sowieso!

Meusburger_Action

Wie schwierig ist es, mit Weltranglisten-Platzierungen knapp über 100 finanziell über die Runden zu kommen?

Es ist schon schwierig, wenn man ein Ranking nur ein bissl über 100 hat. Ich habe schon öfters einmal ein paar Wochen gehabt, in denen ich finanziell kämpfen musste. Vieles wird natürlich viel leichter, wenn man bei den Grand Slams im Hauptbewerb ist. Denn dann hat man vier Mal im Jahr ein bestimmtes Einkommen, das fix ist. Das erleichtert vieles um einiges. Ich finde aber, genau dieser "Kampf" - oft nicht zu wissen, wie die nächsten Wochen weitergehen sollen - hat mich geprägt. Darauf bin ich irrsinnig stolz, denn dadurch lernt man wahnsinnig viel, nicht bloß für den Sport, sondern auch für's eigene, "normale" Leben. Meine Familie und mein ganzes Team unterstützen mich auch wahnsinnig, wofür ich sehr sehr dankbar bin. Aber natürlich ist es viel leichter, konstant unter den Top 100 zu sein. Deshalb ist das natürlich auch das große Ziel.

In den letzten drei Jahren (2010, 2011, 2012) hast du inklusive Fed Cup immer genau 24 Turniere gespielt – ein purer Zufall oder doch Planung?
Das ist absolut nur Zufall. Es hat sich daran mittlerweile aber auch etwas verändert: Ich hab mit meinem Trainer für dieses Jahr einen Plan gemacht, bei dem die Qualifikation für den Hauptbewerb der US Open am Ende steht. Deshalb habe ich zuletzt relativ viele Turniere gespielt. Wir haben uns ein kurz- und ein langfristiges Ziel gesetzt und haben einen professionellen Plan gemacht, der mir sehr geholfen hat. Wir haben uns jene Turniere herausgesucht, die für mich am besten wären: Welcher Belag? Welche Kategorie? Deshalb war ich sehr viel unterwegs und hab mich auch mental durchkämpfen müssen. Jetzt bin ich stolz darauf, dass ich das geschafft habe. Es ist aber - auch wenn man Woche für Woche ein Turnier spielt - wahnsinnig wichtig, trotz einem derart vollen Terminkalender wichtige Trainingseinheiten unterzubringen. Man muss sich danach aber auch vom Reisen wieder erholen und Kraft tanken. Sonst würde es irgendwann einmal zuviel werden!

In einem Interview im Jahr 2005 hast du gesagt: „Ich lebe für meinen Beruf, arbeite extrem hart und höre auf meinen Körper.“ Hat sich daran mit dem – entschuldige dieses Wort – „Alter“ etwas geändert? Anders gefragt: Wie stark muss dir dein Trainer Joachim Kretz regelmäßig in den Allerwertesten treten?
(lacht) Meistens mach ich das bei mir schon selber! Ab und zu müssen mir aber auch meine Trainer in den Hintern treten. Ich bin nicht gerade die einfachste Person, aber das macht es ja auch spannend. Ich weiß, ich habe nun einmal ein Spiel, für das ich körperlich sehr gut beieinander sein muss. Deshalb ist es wichtig, dass mein Körper fit ist, ich immer wieder meine Regenerationswochen habe und Trainingseinheiten einlege, in denen nur an der Kondition gearbeitet wird.

Fed Cup-Bespanner Erwin Enziger, der dich auch bei WTA-Turnieren immer wieder sieht, hat zuletzt den Eindruck gewonnen, dass du derzeit so fit wie schon lange nicht mehr bist. Täuscht er sich?
Nein, damit hat er schon recht! In der Vergangenheit war das leider nicht immer der Fall. 2010 und 2011 war ja die rechte Schulter ein gröberes Thema. Nach einer Sehnenverletzung musste ich operiert werden und danach vier Monate lang pausieren. Im November letzten Jahres musste ich erneut operiert werden und drei Monate lang pausieren. 2013 konnte ich daher erst im Februar wieder einsteigen. Gott sei Dank hat sich da jetzt alles ins Positive gewendet. Ich muss auf Holz klopfen: Im Großen und Ganzen bin ich in meiner Karriere von Verletzungen verschont worden. Für mich auch ein Beweis, dass man richtig trainiert und man offensichtlich den richtigen Weg geht. Gerade bei einer wie mir, die ein Spiel hat, bei dem man weite Wege gehen muss, ist ein gut funktionierender Körper das Um und Auf.

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Wer aller zählt eigentlich zu deinem Team?
Joachim Kretz, Francesco Ceriani, Heikki Raevaara.

Dein Lebensgefährte Heikki ist gebürtiger Finne. Wenn du zu ihm sagen würdest "Pian laskea viisikymmentä maailman parhaan!" - würde er das blind unterschreiben?
(lacht) Was soll das denn bedeuten?

Das ist Finnisch und heißt: „Schon bald zähle ich zu den besten 50 der Welt!“
(lacht) Ich spreche kein einziges Wort Finnisch, er kann es mir aber auf Schwedisch sagen, dann verstehe ich es.

Woher kommt das?
Heikki ist mit seiner Familie in Schweden aufgewachsen, und seine Familie lebt immer noch in Schweden. Deshalb hab ich mir Schwedisch angeeignet.

Bist du denn eine Spielerin, die unter die Top 50 gehört?
Prinzipiell bin ich immer der Einstellung, das man dort, wo man gerade ist, auch hingehört. Mein bestes Ranking war 60 (2007). Ich glaube, dass ich - wenn alles zusammenpasst - das wieder schaffen könnte. Es ist logischerweise auch ein Ziel. Vom rein Spielerischen her und vom konditionellen Bereich würde ich mich schon in einem derartigen Bereich einschätzen. Dazu müsste noch ein bissl Glück kommen und ich gesund bleiben.

Das größte Ziel eines jungen Sportlers sind die Top 100. Du könntest diese Grenze mit 29 Jahren wieder einmal knacken. Warum hat es nach 2007 – als du mit Platz 60 dein Karriere-Highlight erreicht hattest und 2010 (94.) – wieder so lange gedauert?
Damals war ich zwei Jahre lang unter den Top 100 gewesen, bevor ich die Schulteroperation gehabt habe. Danach hab ich mir relativ schwer getan, wieder zurückzukommen. Dennoch hab ich mich all die Jahre immer kontinuierlich zwischen 100 und 150 gehalten. Auch das ist etwas, das nicht jedem gelingt. Trotzdem war das Comeback ein beinharter Kampf: Das Tennis hat sich in dieser Phase weiterentwickelt, und es gibt immer mehr Spielerinnen, die unter die Top 100 drängen. Dazwischen hatte ich auch noch einen Trainerwechsel (davor Håkan Dahlbo; Anm.). Auch eine Situation, die nicht einfach für mich war. Es braucht seine Zeit, bis man sich an ein neues Team gewöhnt hat und bis man das Gelernte umsetzen kann. Wir haben auch technisch einiges umgestellt und das braucht natürlich seine Zeit. Diese Zeit hab ich mir gegönnt, und jetzt ist scheinbar die Zeit da, wo alles hundertprozentig passt.

Mayr_Achleitner_Meusburger
Würde man dich nach deinem Lieblingsturnier fragen, würde höchstwahrscheinlich das „Nürnberger Gastein Ladies“, das in der kommenden Woche über die Bühne geht, als Antwort kommen: Bei sechs Teilnahmen ist jedes Mal zumindest das Viertelfinale herausgekommen, 2007 sogar der Einzug ins Finale.
Stimmt! Bad Gastein gehört definitiv zu meinen Lieblingsturnieren. Dort hab ich immer gut gespielt, ich hab super Erinnerungen. Die ganze Familie ist immer dabei. Noch dazu ist das ein Turnier daheim in Österreich - was will man mehr?

Bad Gastein liegt auf tausend Meter Meereshöhe. Um wie viel weiter fliegen die Bälle hier?
Diese Höhe muss dir wirklich liegen, denn die Bälle fliegen definitiv anders. Speziell wird es dann auch noch, wenn das Wetter schön ist und die Plätze sehr trocken sind - dann fliegen sie noch weiter. Das ist alles aber mehr eine Sache im Kopf: Stellt man sich darauf ein, dann funktioniert es auch! Für mich ist es aber sicherlich kein Nachteil, dass ich lange Zeit bei Håkan Dahlbo in Seefeld unter ähnlichen Bedingungen trainiert habe.

Du willst heuer noch unbedingt fix in den Hauptbewerb der US Open. Wie lautet dafür der Masterplan?
Ich denke, es schaut ganz gut aus, dass ich bei den US Open im Hauptfeld stehe, aber ich glaube es erst, wenn ich es am Dienstag sehe. Ich finde, dass ich es wirklich verdient hab, und es zeigt mir, dass wir absolut auf dem richtigen Weg sind.

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