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Davis Cup

Es ist vollbracht!

Österreich schafft die Sensation und gewinnt in Russland 3:1. Der großartige Jürgen Melzer steuerte zwei Punkte bei. Im September geht's um den Aufstieg in die Weltgruppe.

©GEPA-Pictures (4)

Als klarer Außenseiter war Österreich in der Moskauer Luzhniki-Arena gegen Russland gestartet, als glorreicher Sieger tritt die Mannschaft von Kapitän Stefan Koubek die Heimreise an. Im Gepäck: Das Ticket für die Relegation (14. bis 16. September), bei der es um die Qualifikation für die Weltgruppe geht. „Das war eine Team-Leistung vom Feinsten“, sagte Koubek, nachdem Jürgen Melzer den entscheidenden Punkt zum 3:1 geholt hatte. „Ich bin fast sprachlos. Jetzt wünsche ich mir ein Heim-Match und den Aufstieg. Das war mein Ziel, als ich als Kapitän angetreten bin.“

20 Jahre im Team, 74 Matches
Am ersten Tag der Zweitrundenpartie in der Europa/Afrika-Zone I hatte Dennis Novak gegen Rublev sensationell für das 1:0 gesorgt, im Anschluss verlor Sebastian Ofner glatt in zwei Sätzen gegen Medvedev. Am Samstag setzten sich die Routiniers Philipp Oswald und Jürgen Melzer im Doppel gegen die Miami-Finalisten Rublev/Khachanov mit 6:3, 7:6 (3) durch und stellten auf 2:1, schließlich übernahm Melzer die Verantwortung und lief auch im Single ein. Ohne sich die fast neunmonatige Verletzungspause anmerken zu lassen, schlug der 36-Jährige den Russen Evgeny Donskoy (ATP-85) dank einer kämpferischen Top-Leistung, garniert mit unzähligen Weltklasse-Schlägen, nach 1:47 Stunden 6:3, 3:6, 6:3. Für den ehemaligen Weltranglisten-Achten, der der Nationalmannschaft seit 20 Jahren angehört, war es das bereits 74. Spiel für Österreich.

Ein Märchen im Spätherbst
„Ein Märchen ist wahr geworden. Im Spätherbst der Karriere so etwas erleben zu dürfen, ist einfach schön“, sagte Melzer, der sich nach dem relativ kurzen Doppel bei Stefan Koubek fit gemeldet hatte für das Einzel. „Wenn man für sein Land spielt, dann gibt es kein müde sein. Ich habe gekämpft bis zum Umfallen.“ Die Hitze in der Halle setzte dem Routinier arg zu, in den Pausen schaffte er Abhilfe mit Eisbeuteln, um kühlen Kopf zu bewahren. „Im dritten Satz habe ich alles rausgeholt, war am Limit. Jetzt bin ich einfach nur überglücklich.“

Das Doppel hat "wenig Blödsinn gemacht"
Das Doppel hatte sich vergleichsweise einfach gestaltet. Oswald/Melzer vergaben bei 5:4 drei Matchbälle, mussten das Rebreak hinnehmen, fanden im Tiebreak aber wieder zu jener bestechenden Form, die sie zuvor gezeigt hatten. "Klar wird man da ein bisschen nervös, aber wir haben nicht lange nachgedacht und wirklich gut zu Ende gespielt", sagte Melzer. "Wir haben nicht viel Blödsinn gemacht, waren super drauf." Auch Oswald war happy: "Wir waren über das ganze Match die Besseren und haben uns eigentlich keine Blöße gegeben." Die vorarlbergerisch-niederösterreichische Gemeinschaft hatte bereits beim Daviscup in der Ukraine bestens funktioniert, in Moskau folgte das erst zweite gemeinsame Antreten. Man bleibt also ungeschlagen.

Rosen für das gesamte Team
Kapitän Koubek streute der gesamten Mannschaft Rosen. „Man darf nicht vergessen, dass die Russen mit drei Top-50-Spielern angetreten sind. Es ist lange her, dass wir als krasse Außenseiter wo hingefahren sind und gewonnen haben. Alle haben Top-Leistungen abgerufen gegen ein übermächtiges Team. Unsere Truppe versteht sich super, der Zusammenhalt ist enorm.“ Mit dem möglichen Relegationsgegner wollte sich der Kärntner noch nicht beschäftigen, er wartet ab bis Dienstag, dann wird ausgelost. Zuletzt hatte Österreich im Jahr 2013 im Konzert der Großen mitspielen dürfen.

Aufbruchsstimmung im Verband
Laut Werner Klausner, seit 18. März 2018 ÖTV-Präsident, passt dieser Sensationssieg genau zur aktuellen Aufbruchsstimmung im Österreichischen Tennisverband. „Diese Geschichten schreibt nur der Sport“, sagte der Salzburger. „Unsere Nationalmannschaft hat einen heroischen Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner abgeliefert. Laut Papierform hatten wir keine Chance. Diese haben wir aber genutzt. Einen schöneren Einstand als Präsident hätte mir das Team nicht bereiten können. Das ist Sport in seiner besten Form. Jetzt freuen wir uns auf das nächste Länderspiel im September.“

ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda, der in Moskau als Delegationsleiter mit von der Partie war, war „überwältigt“, gratulierte den Burschen zur „unglaublichen Leistung“ und Stefan Koubek zum Händchen bei der Aufstellung. Koubek merkte an: „Ich bin zwar verantwortlich, aber es waren immer Team-Entscheidungen. Wir haben alle Details gemeinsam besprochen und durchdiskutiert.“ Wie der Kapitän, wünscht sich auch Schweda ein Heimspiel. „Dann können wir wieder ein riesen Tennisfest organisieren."

Jürgen Melzer, ganz in seinem Element.
Philipp Oswald, in Top-Verfassung.
Ein Bild, lauter Sieger.
Dennis Novak, der Wegbereiter.

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