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"Es gibt ein Ziel, das ich verfolge!"

Bei Österreichs größtem Damenturnier "Generali Ladies Linz" (5.10. - 13.10.) wird Österreichs Nummer 1, Yvonne Meusburger (Bild), mit hohen Erwartungen aber auch Respekt an den Start gehen. "Ich konzentriere mich auf die erste Runde, wobei Linz ein Turnier ist, bei dem viel von der Auslosung abhängt, da der Raster immer sehr gut besetzt ist. Trotzdem starte ich immer bei einem Turnier, also auch in Linz, um es dann auch zu gewinnen."



Das Generali Ladies Linz (5.10. - 13.10) steht vor der Türe, und du hast mit Platz 51 dein bisher bestes Ranking der WTA-Weltrangliste erreicht. Es ist zwar etwas überheblich, aber: Würdest du in Linz ein ähnliches Resultat wie bei deinem letzten heimischen Turnier (Sieg in Bad Gastein; Anm.) erreichen, könnten die Top 40 in Reichweite sein.
Wenn ich ehrlich sein soll, dann ist das nicht wirklich etwas, mit dem ich mich beschäftige. Viel wichtiger ist jetzt, dass ich mit einer guten Vorbereitung im "Gepäck" nach Linz komme: Diese Woche habe ich mich auf Hardcourt indoor vorbereitet, was nach der Freiluftsaison doch ein bissl Umstellung war. In Linz konzentriere ich mich jetzt erst einmal auf die erste Runde, wobei Linz grundsätzlich ein Turnier ist, bei dem viel von der Auslosung abhängt, da der Raster immer sehr gut besetzt ist. Trotzdem starte ich immer bei einem Turnier, also auch in Linz, um es dann auch zu gewinnen. 

Warum liegt dein letzter Linz-Start eigentlich schon zwei Jahre (2011) zurück? 
Letztes Jahr hab ich nicht in Linz gespielt, weil ich die Punkte für Australien gebraucht habe und mich deshalb entschieden habe, bei einem Challenger im Hauptbewerb anstatt in Linz in der Quali zu spielen. 

Bisher hat Linz nicht unbedingt zu deinen Lieblingsturnieren gezählt - zumindest, was die Resultate betrifft. Dein bestes Ergebnis war das Achtelfinale im Jahr 2007. 
Was mir vorerst einmal ganz wichtig ist: Linz sollte man auf keinen Fall mit Bad Gastein vergleichen, nur weil ich dort gewonnen habe. Bad Gastein ist ein Sandplatzturnier im Freien, Linz ein Hardcourt-Turnier in der Halle. Das sind komplett andere Bedingungen. Linz ist noch dazu ein Turnier, das - was die Qualität der Teilnehmerinnen betrifft - immer sehr stark besetzt ist. Deshalb spielt da die Auslosung eine große Rolle. Trotzdem glaube ich, dass ich in Linz immer gut gespielt habe, u. a. auch deshalb, weil mir der eher langsame Belag liegt. Und sollte ich doch einmal nicht so gut gespielt haben: Was spricht dagegen, dass ich das heuer nicht ändern könnte? 

2013 kommst du erstmals als Österreichs Nummer 1 zum größten Damenturnier Österreichs. Die Erwartungen bzw. Hoffnungen, die von außen an dich herangetragen werden, werden dementsprechend hoch sein. 
Das gehört zum Alltagsleben jeden Sportlers ganz einfach dazu. Ich sehe es auch als eine meiner Aufgaben als Profi, dass man damit gut umgehen kann. Deshalb hab ich heuer auch meinen Trainer (Joachim Kretz; Anm.) mit dabei, damit er mich unterstützen und mir helfen kann, damit wir das gemeinsam meistern.  

Auf einer Skala von 0 bis 10 - wie wohl fühlst du dich eigentlich vor der Kamera eines Fotografen oder eines TV-Teams?  
Würde ich jetzt ein oder zwei Jahre zurückgehen, würde ich definitiv sagen: Null! Ich hab mich in den letzten Jahren aber auch als Mensch weiterentwickelt - deshalb gehören "Sachen" wie Medienarbeit mittlerweile fast schon zum normalen Leben für mich. Ich bin aber noch immer nicht unbedingt der Typ Mensch, der gerne vor einer Kamera posiert, ich kann aber ganz gut damit umgehen. Die Gefühlslage zwischen 0 und 10 liegt daher jetzt vielleicht bei 5.

Meusburger_Action

Du bist nach deinem Turniersieg in Bad Gastein für fünf Wochen "abgetaucht", hast pausiert und trainiert ... 
... und Dinge gemacht, die man als Frau so macht: Schwimmen, Relaxen in der Sauna, Shoppen in München. Es war zwar nicht so, dass die Batterien so leer gewesen wären, dass ich zu nichts mehr fähig gewesen wäre. Der Akku musste aber doch wieder neu aufgeladen werden. Es ist wichtig, dass man dem Körper die Regeneration gönnt, die er haben will. Ich war davor sehr viele Wochen am Stück unterwegs. Deshalb haben wir uns entschieden, zunächst einmal eine Woche komplett zu pausieren. Was aber tatsächlich herausgekommen ist: Die ersten vier Tage nach Bad Gastein hatte ich fast durchgehend Termine mit Journalisten, musste Interviews geben, hatte Fotoshootings. Aufgrund dessen haben wir uns dann entschieden, dass ich eine weitere Pausenwoche anhänge, da ich mich davor nicht wirklich gut erholen konnte. Nach dieser zweiwöchigen Pause ist es dann mit der Vorbereitung auf die US Open losgegangen, und dann war ich sofort wieder drinnen in meinem "normalen" Leben. 

Nach dem Erstrunden-Aus bei den US Open gibt es jetzt zumindest auf dem Papier eine ständige Steigerung: Viertelfinale in Tashkent, Semifinale in Guangzhou, Semifinale in Ningbo. Sowohl in Guanzhou als auch in Ningbo hast du dich allerdings der Chinesin Shuai Zhang ziemlich klar geschlagen geben müssen. Eine neue Angstgegnerin?
Beim ersten Match in Guangzhou hat sie extrem gutes Tennis gespielt. Sogar ihr Coach hat nach der Partie gesagt, dass er sie noch nie so gut erlebt hätte. Es soll jetzt keine Ausrede sein, aber: Ich hab da das erste Mal unter Flutlicht gespielt, die Tage davor waren meine Partien immer am Nachmittag angesetzt gewesen. Deshalb hab ich mir schwer getan, in das Match hineinzufinden. Trotzdem hat sie verdient gewonnen. Beim zweiten Match gegen sie hab ich viel, viel besser gespielt. Hab bei ihrem Service gleich zu Beginn drei Breakbälle gehabt, hab's aber leider nicht gemacht. Danach bei 15:40 wieder Breakchancen zum 2:1, hab's wieder nicht gemacht. Rein theoretisch hätte es also 3:1 stehen können, ich hab aber meine Chancen nicht nutzen können. Und im zweiten Satz ist mir dann etwas die Energie ausgegangen.

Meusburger

Bei den US Open war es mit Shuai Peng in der ersten Runde ebenfalls eine Chinesin, an der du gescheitert bist. Bekommt man während der Turniere in China eigentlich mit, welche Bedeutung diese Nation vielleicht schon in wenigen Jahren im Damentennis weltweit haben könnte? 
Dass die Chinesen am Kommen sind, darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Alleine aufgrund ihrer großen Anzahl wäre es ein Wunder, wenn dem nicht so wäre. Trotzdem sind Zhang und Peng Spielerinnen, die auch bloß mit Wasser kochen. In Guangzhou hatte Shuai Zhang noch dazu Heimvorteil, sie kannte die Bedingungen vor Ort sehr gut.

Die Erfolge, die du in diesem Jahr gefeiert hast oder vielleicht noch feiern wirst, haben auch einen kleinen "Nachteil": All das sind Punkte, die es 2014 zu verteidigen gilt.
Im Moment denke ich über so etwas überhaupt nicht nach, sondern bin froh, dass ich das Alles schaffen konnte in diesem Jahr. Logisch, dass das Punkte sind, die ich in der kommenden Saison verteidigen muss. Deshalb werde ich mich mit meinem ganzen Team schon in wenigen Wochen zusammensetzen und einen ordentlichen Saisonplan machen, wie wir das Ganze angehen werden. Es gibt selbstverständlich ein Ziel, das wir alle gemeinsam verfolgen und erreichen wollen und deshalb dafür auch alles tun werden. Es wäre viel zu einfach, wenn man bloß sagen würde: Ich will unter die Top 40 kommen! Um das tatsächlich zu erreichen, muss man auch einiges investieren. Auf der anderen Seite muss man froh darüber sein, dass man überhaupt in eine solche Situation kommt, viele Punkte verteidigen zu müssen, da das ein Spiegelbild deiner Leistungen in der vorherigen Saison ist.

Wann wird für dich die Saison zu Ende gehen?
Nach Linz werde ich noch in Luxenburg spielen und danach höchstwahrscheinlich aufhören. Danach mach ich eine zweiwöchige Pause und einen ordentlichen Aufbau für 2014. Wahrscheinlich werden wir schon vor Weihnachten nach Australien reisen. Das ist aber noch nicht so wirklich fix beschlossen.

Anfang Februar 2014 wird die erste Fed Cup-Runde zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht in Israel, sondern in Budapest ausgetragen. Eine Location, über du dich freust?
Ich bin total happy, dass der Fed Cup jetzt in Ungarn gespielt wird. Endlich gibt's wieder eine neue Umgebung und einen neuen Belag und damit auch eine neue Motivation.   


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