ITF

Erster Future-Sieg für Julia Grabher

Beim Ladies Future in Wien schlugen sich talentierte Österreicherinnen ganz ausgezeichnet. Die Vorarlbergerin Julia Grabher gewann im UTC La Ville ihr erstes Future-Turnier.

Ladies Future Vienna, presented by Schenker im UTC La Ville, Wien XXIII. Dotation: 10.000 Dollar. Erster Eindruck: Das Damentennis in Österreich ist besser als sein Ruf, der derzeit hoffnungslos von Platz 202 der Weltrangliste schreit.  Es war nicht zu erwarten, aber sechs rotweißrote Damen überstanden im Schatten des mächtigen Wohnparks Alt-Erlaa die erste Runde. Die Vorarlbergerin Julia Grabher schaffte sogar den Sprung ins Finale, wo sie sich gegen die Deutsche Katharina Gerlach mit 6:3, 3:6, 6:1 durchsetzte und ihr erstes Future gewann. Zu den Ergebnissen geht's hier.

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-) Caroline Ilowska, eben 17 geworden, bestritt ihr erstes Future und weist nach dem Erstrundensieg gegen die Israelin Lodzki eine 100-prozentige Erfolgsquote auf. „Eine riesige Erleichterung“, sagt die Wienerin, deren Eltern aus Polen stammen und ihr einziger Sponsor sind. Ilowska hat die reguläre Schule aufgegeben, um sich ganz dem Tennis widmen zu können. Extern lernt sie Russisch, Englisch, Spanisch. Sie trainiert bei Thomas Strengberger in Wiener Neudorf und hat vor, nach der Karriere bei den ITF-Juniors in der Damen-Welt Fuß zu fassen. Fernziel sei neben den Top-10 der Weltrangliste der Fed-Cup, „weil es eine Ehre ist, für sein Land zu spielen“. Ilowska übt vorrangig mit Burschen, weil die viel lockerer seien. „Es gibt keine Konkurrenz und keinen Neid.“ Zu Dominic Thiem  blickt sie selbstverständlich auf. „Die blonden Haare funktionieren!“

mira_antonitsch_01-) Mira Antonitsch, 16, trainiert ebenfalls mit Thomas Strengberger.  Wir fragen sie jetzt nicht nach dem Papa, weil das jeder tut, und notieren nur die Antwort, dass sie über das Finanzielle nicht Bescheid weiß. Grob dürfte eine Future-Saison inklusive Hotels, Trainer, Material, Flüge etc. 40.000 Euro pro Jahr kosten. Antonitsch, die sich beim WTA-Turnier in Bad Gastein in der Qualifikation versucht hatte, gewann in Wien ihr erstes Future-Match – nach zweieinhalbstündiger Arbeit. „Ich bin spielerisch sehr zufrieden, aber körperlich gibt es noch viel zu arbeiten. Ich muss fitter werden.“  Nach den Futures in Innsbruck und Graz wird sie versuchen, bei den US Open zu starten. „Dort die Atmosphäre kennen zu lernen, kann für später kein Nachteil sein“, sagt Antonitsch, die, wenn sie nicht mit Ilowska spielt, ebenfalls lieber mit Burschen trainiert. „Da gibt es keinen Zickenkrieg. Es geht freundschaftlicher zu, die Jungs sind mehr Freunde.“ Dominic Thiem kennt sie seit sechs Jahren. „Ein Wahnsinn, was er leistet.“ Freilich träumt auch Antonitsch davon, die Nummer 1 in Österreich zu werden und, wie Vorbild Barbara Schett, im Fed Cup zu spielen. „Aber das ist noch ein weiter Weg, den ich bereit bin, zu gehen.“

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-) Julia Grabher, 19, weiß, wie sich der Fed Cup anfühlt. Die Vorarlbergerin war heuer nach einigen verletzungsbedingten Absagen Fixstarterin. „Eine Erfahrung, die man ein Leben nicht vergisst.“, sagt Grabher, die nach der erfolgreich abgelegten Matura „Tennisspielerin“ ist. „Jetzt kann ich mich total auf die Karriere konzentrieren. Davor war das ein unangenehmes Mittelding.“ Heuer will sie noch in die Top-300 vorstoßen und die Futures Vergangenheit sein lassen. „Über die Challengers will ich es auf die WTA-Tour  schaffen.“ Weil die Trainerfrage die wichtigste sei in der Karriere, vertraut Grabher seit zehn Jahren auf den Neuseeländer Matt Hair, den ehemaligen ÖTV-Verbandscoach in Vorarlberg. „Er leitet  die Akademie in Bregenz, die Zusammenarbeit ist perfekt.“  Vor Dominic Thiem zieht auch sie das Kapperl. „Wahnsinn! So einen bräuchten wir auch bei den Damen. Leider ist Tamira Paszek oft verletzt, sie hätte das Zeug, ein Aushängeschild zu sein.“

yvonne_neuwirth_01 -) Yvonne Neuwirth, seit 4. August 23, wäre wohl längst in höheren Sphären unterwegs, wenn nicht ein Gleitwirbel im Rücken verrutscht und sie nicht zu einer einjährigen Pause gezwungen worden wäre. Die Wienerin war bereits unter den Top-300, heute ist sie vierstellig und auf dem Weg zurück. „Ich will und werde mich durchkämpfen. Es ist meine letzte Chance. Bis Dezember will ich dort stehen, wo ich schon war. Dann werden hoffentlich auch die Sponsoren wieder kommen. So muss ich auf meine Eltern zählen. Die unterstützen mich super.“ Auch der ÖTV hat Neuwirth in den letzten Jahren unterstützt. Nach der Zusammenarbeit mit Barbara Schwartz trainiert Neuwirth seit fünf Monaten mit Rene Lackner, der ihre Stärken forciert. „Ich spiele eigentlich Herrentennis. Mit Mädchen hat das nichts zu tun.“ Logisch, dass Neuwirth an den Fed Cup denkt. „Das Damen-Nationalteam ist für alle Jungen ein Ziel, das auch ich verfolge." Ebenso, wie sie die Karriere von Dominic Thiem verfolgt. „Österreich kann echt stolz sein auf den Burschen. Ein richtiger Fighter, der sich alles hart erarbeitet hat. Und aufgepasst: Das ist erst der Anfang!“

marlies_szupper_03 -) Marlies Szupper, 20, sieht jetzt schon aus wie ein WTA-Star und hat das Ziel, „eine Figur“ zu werden. Wie Dominic Thiem. „Der Tennissport in diesem Land erlebt dank ihm einen enormen Aufschwung. So einen Typen bräuchten wir bei den Damen auch.“ Szupper schlägt die Vorhand wie Mike Tyson und serviert wie die Mitarbeiterin des Monats bei McDonald’s. „Aber erst, seit ich bei Christian Kohl in Stockerau trainiere. Er hat mein Spiel in der Akademie umgestellt.“ Szupper, die bei der Grazer Agentur emotion unter Vertrag ist, wird von Güssinger und Wilson unterstützt. Hauptsponsoren sind aber die Eltern. „Ohne diesen umwerfenden Idealismus wäre meine Karriere schon vorbei“, sagt die Wienerin, die sich nach der Matura auf eben diese konzentriert. Kurzfristiges Ziel sind die Top-700, längerfristig will sie sich in den beste 100 der Welt etablieren und im Fed Cup für Österreich spielen. „Das wäre eine besondere Ehre und ein super Erlebnis.“

karoline_kurz_02 -) Karoline Kurz, 19, hat soeben die Matura erfolgreich abgelegt und konzentriert sich jetzt voll aufs Tennis. Seit drei Jahren arbeitet die Burgenländerin aus Oberpullendorf in der Südstadt mit Günter Bresnik und Wolfgang Thiem. Die beiden wissen prinzipiell, wie man einen Star produziert. Vielleicht auch einen weiblichen? "Schön wär's", sagt Kurz, "ich habe großes Vetrauen in die beiden. Das ist nach Dominics Erfolgen noch größer geworden." Bresnik sei eine Autoritätsperson, die genau wisse, was sie tut. "Aber er hat auch eine menschliche Seite, die schwer in Ordnung ist." Primär sind die Top-100 das Ziel, die automatisch den Startplatz bei Grand-Slam-Turnieren garantieren. "Dann muss man sich neu orientieren." Der Fed Cup ist natürlich ein Thema, der Startplatz ergibt sich bei entsprechender Leistung von selbst. Klingt irgendwie nach Günter Bresnik, oder?

Bilder: Hilde Kutschera

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