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Davis CupATP

Erler erfüllt sich seinen Kindheitstraum

Der Tiroler tankte letzte Woche kräftig Selbstvertrauen und geht mit dementsprechend breiter Brust in seine Davis-Cup-Premiere.

© | GEPA pictures/ Patrick Steiner

Mit Lucas Miedler und Alexander Erler wollen dieses Mal gleich zwei Debütanten ihren Teil dazu beitragen, um Österreichs Davis-Cup-Team mit einem Erfolg in der Qualifikationsrunde in Südkorea in die Gruppenphase des Finalturniers zu hieven. Besonders Letzterer geht mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in dieses Unterfangen, denn Erler hat am letzten Samstag in Bengaluru, Indien, nach seinem Sensationstitelgewinn beim ATP-Turnier von Kitzbühel an der Seite von Miedler im letzten Sommer nunmehr seinen bereits vierten ATP-Challenger-Doppeltitel der letzten viereinhalb Monate geholt. Der Innsbrucker gewann das Finale des 53.120-US-Dollar-Hartplatzevents mit dem Einheimischen Arjun Kadhe gegen dessen zwei Landsleute Saketh Myneni und Ramkumar Ramanathan mit 6:3, 6:7 (4), 10:7.

Dabei wäre diese Erfolgskombination beinahe gar nicht zustande gekommen. „Wir haben erst 30 Minuten vor der Deadline vereinbart, dass wir diese Woche spielen“, erzählte Erler gegenüber oetv.at. „Sein Partner hat ihm abgesagt. Und ich hatte für diese Woche noch gar keinen.“ Die beiden setzten sich in ihren letzten drei Partien durchgehend gegen rein indische Gegner stets erst im Match Tiebreak durch. „Im Doppel ist es wirklich extrem“, befand der 24-Jährige. „Es entscheiden da meistens 1-2 Bälle über Sieg oder Niederlage – diese Woche war das Glück auf unserer Seite. Drei Mal im Match Tiebreak zu gewinnen, ist echt cool. Das gibt natürlich auch viel Selbstvertrauen für die nächsten Matches.“ Und diese könnten nun schon nächste Woche beim Davis Cup im Olympic Park Tennis Court in Seoul (4./5.3.) anstehen.

„Im Team zu spielen, taugt mir eh voll“

Zumindest im Doppel kann sich Erler vermutlich berechtigte Hoffnungen auf einen Startplatz machen – ist er seit diesem Montag als 104. im ATP-Doppelranking doch bereits Österreichs Nummer drei hinter dem zurücktretenden Oliver Marach (51.) und Philipp Oswald (62.), „und wenn sich die Rangliste dann um die Corona-Punkte bereinigt, haut es mich sicherlich nochmal um einige Plätze nach vor“, kann er also schon fest mit den Top 100 rechnen. „Diese waren heuer mein Ziel. Aber ich denke, im Doppel ist alles möglich – mal sehen, was da noch so kommt.“ Möglich scheinen gegen Südkorea, nach aktuellem Stand, durchaus alle drei Kombinationen aus den stärksten rot-weiß-roten Doppelkönnern im Mannschaftsaufgebot: Erler/Miedler, Erler/Oswald oder auch Miedler/Oswald.

Ob Erler nun zum Einsatz kommen wird oder nicht: Ein echter Kindheitstraum geht für ihn allein mit seiner erstmaligen Nominierung ohnehin bereits in Erfüllung. „Ich habe auch immer als Kind und Jugendlicher Davis Cup geschaut im TV und einmal sogar live in Kitzbühel – und dass ich jetzt dabei bin, macht mich sehr stolz und ich freue mich sehr.“ In diese aufregende Woche geht er mit breiter Brust und überaus zuversichtlich: „Im Team zu spielen, taugt mir eh voll, da kann man sich gegenseitig durchpushen. Normalerweise ist man ja meist alleine unterwegs auf der Tour.“ Am Donnerstag wird Erler jedenfalls definitiv nicht alleine sein – denn dann geht es für ihn nach drei Tagen zu Hause mit dem ÖTV-Team zum Länderkampf nach Asien.

„Bin im Einzel ja nicht komplett blind“

Wem Erler (abgesehen natürlich von seinem Coach Wolfgang Thiem, Manager und Onkel Markus Erler und der restlichen Familie sowie auch seinem Konditionscoach in Innsbruck, Roland Luchner) diesen sehr beeindruckenden Doppel-Höhenflug zu verdanken hat, weiß er allzu gut. „Dass es im Doppel so gut läuft, habe ich natürlich auch Lucas zu verdanken“ – gar keine Frage, holte er im Verbund mit Miedler doch nicht nur die Kitzbüheler Gams, sondern auch seine ersten drei Challenger-Pokale. „Ich glaube, wir sind ein starkes Team. Wir haben ein völlig unterschiedliches Spiel, aber ich denke, genau deswegen ergänzen wir uns so gut.“ Die Bestätigung dessen werden die beiden bei ihren womöglich relativ baldigen nächsten Chancen auf der ATP-Tour abliefern können, sollte die Entwicklung so weitergehen.

Erlers Fokus liegt jedoch prinzipiell nach wie vor auf dem Einzel: „Dort habe ich mir die Top 250 vorgenommen, um Grand-Slam-Qualis spielen zu können. Allerdings: Wenn ich die Chance bekomme, im Doppel ATP-Events zu spielen, dann werde ich dies auch tun. So eine Chance hat man nicht jede Woche.“ Andernfalls wolle er auf der Challenger-Tour Einzel und Doppel spielen. Eine Spezialisierung aufs Doppel käme für ihn mit seinen noch relativ zarten 24 Lenzen derzeit nicht in Frage: „Noch ist es zu früh, denke ich. Es ist ja nicht so, dass ich im Einzel komplett blind bin. Ich habe da ja auch schon sehr gute Spieler geschlagen.“

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