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WTA

"Ende des Jahres bin ich wieder Top 100!"

Mit einem neuen Trainerteam und noch mehr Fitness als bisher will Österreichs Nummer 3 bis Ende der Saison wieder „die Top 100, vielleicht sogar die Top 70" erreichen. Der Weg dorthin? „Ich denke, dass Glück und Gesundheit eine große Rolle spielen.“ Patricia Mayr-Achleitner im Interview über ihren "geplanten" Turniersieg in Bad Gastein, den Mangel an WTA-Turnieren im Kalender, eine Job-Option als künftiger Fed Cup-Captain und weshalb ihr „warme“ Turniere lieber sind als „kalte“.


Was zu Beginn jetzt einmal am Wichtigsten ist: Wie geht es dir nach deiner Schulterzerrung, die du dir beim Fed Cup im Spiel gegen Kroatien zugezogen hast? Kurzfristig war diese Verletzung ja so schlimm, dass du den linken Arm kaum heben konntest und z. B. eine Rückhand so gut wie unmöglich war.
Ja, das war schon sehr schmerzhaft, aber zum Glück hat es nicht lange gedauert. Schon in Israel hat die Behandlung von unserem Masseur Kurt Waltl sehr gut geholfen und somit konnte ich gegen Georgien wieder spielen und mein Match gewinnen.

Nach deinem letzten Turnier in Kuala Lumpur steht jetzt die Sandplatz-Vorbereitung auf dem Programm, bevor du am 18. März nach Amerika zu den Sandplatzturnieren aufbrichst. Wie ändert sich dein Trainingsalltag im Vorfeld der Sandplatzsaison? Ich werde jetzt noch gut eine Woche auf grünem Sand trainieren. Vom Trainingsumfang ändert sich eigentlich nichts. Einzig das Bewegen, die Beinarbeit am Platz ist einfach etwas anderes. Das Rutschen steht im Vordergrund. Diese Umstellung fällt mir recht leicht, da ich ja eigentlich eine Sandplatz Spielerin bin und mich dort einfach am besten fühle.

Das Training leitet seit kurzem nicht mehr dein Mann, sondern dein neuer Trainer Daniel Huber von Tennergy. Warum hat es diesen Wechsel gegeben? Nach meinem Weggang aus Seefeld waren wir auf der Suche nach einem passenden Team. Außer Jürgen Waber (im Bild unten rechts) gibt es für mich in Österreich aber kaum Alternativen. Ich hätte gerne mehr mit Jürgen gearbeitet, aber das war geografisch nicht möglich, da ich zu heimatverbunden bin und mich nur in Tirol wohl fühle. Und da ich nicht der Typ bin, der gerne sein Umfeld wechselt – bis jetzt hatte ich nur zwei Trainer – dauerte es entsprechend lang, das passende Team zu finden. Deshalb trainiere ich jetzt in der Tennergy Akademie in Stans. Dort hab ich die besten Bedingungen und mehrere Trainer. Daniel Huber ist der Head Coach von Tennergy und ein absoluter Fachmann, das merkt man sofort und davon profitiere ich sehr. Aber auch Clemens Merkl (Beinarbeitsexperte; Anm.) und Rainer Eitzinger, der ein super Tennisspieler mit jahrelanger Erfahrung auf der Tour ist, betreuen mich im Training optimal und sind wichtige Bestandteile des Teams.

PMA_Waber

Wer kümmert sich um die Fitness? Roland Luchner, der als Kondi-Coach einfach unfassbar ist. Ich hatte bis jetzt mit niemanden zu tun, der so gezielt Fitness in den Tennissport integriert. Und natürlich ist Roland verantwortlich dafür, dass ich gesund und fit bin und mich weiter im physischen Bereich verbessere.

Steht trotz des neuen Trainerteams noch immer Boxen regelmäßig am Trainingsplan oder hast du andere Möglichkeiten gefunden, Schnellkraft und Aggressivität zu pushen? Klar, Boxen ist weiterhin sehr wichtig für mich, das mach ich schon seit meiner Kindheit.

Welche Funktion hat jetzt dein Mann Michael, der dich seit Februar 2010 – nach deiner Trennung Hakhan Dahlbo – betreut hat, jetzt noch in deinem Team? Das stimmt so nicht ganz. In Seefeld war mein Trainer Frederik Mansson und mein Mann wurde schon 2008 mein Betreuer und hat mich innerhalb von sechs Monaten von den Top 500 in die Top 100 geführt. Leider konnte ich mit Frederik Mansson nicht mehr weiterarbeiten, so dass wir ab 2010 ganz alleine weiter gearbeitet haben und das auch mit Erfolg. In den Top 100 war ich jetzt vier Jahre lang in Folge und habe 13 Grand Slam-Turniere im Hauptbewerb gespielt, was recht okay ist. Nach den vielen Verletzungen im zweiten Halbjahr 2012, in dem ich nur drei Turniere spielen konnte, haben wir uns entschieden das Team, zu vergrößern, um mein Ziel – Top 100, vielleicht sogar die Top 70 am Ende des Jahres und als Karriereziel die Top 30 – zu erreichen. Ich denke, mit 26 hat man noch sicher fünf bis sieben Jahre die Möglichkeit, gut Tennis zu spielen. Somit sollte man alles dafür tun.

Und dein Mann? Er bleibt auch weiterhin mein Coach. Es war auch sein Wunsch, das Team zu vergrößern, da für ihn all die Jobs auf Dauer nicht machbar waren – Organisation, Management, Training usw. sind für eine Person einfach zu viel.

Was für ein Trainertyp ist Daniel Huber? Charmant und nett oder einer, der dir – wenn’s nötig ist – auch mal in den Allerwertesten tritt? (lacht) Bis jetzt war er nett, er kann aber auch anders.

Wie oft wird er im Jahr mit dir unterwegs sein? Eigentlich immer.

Gleich bei eurem ersten gemeinsamen Turnier, Ende Februar in Kuala Lumpur, bist du ins Viertelfinale eingezogen. Wie groß ist der Anteil, den Huber daran hat? Wir arbeiten jetzt zwei Monate lang sehr gut zusammen. Das merkt man auch nach kurzer Zeit schon. Aber jeder im Team trägt seinen Anteil, und gemeinsam arbeiten wir auf unser Ziel hin. Am Ende hängt es von mir ab, ob ich die Hilfen annehme und umsetzte.

Mit seiner Verpflichtung ist im „Unternehmen“ Mayr-Achleitner ein zusätzlicher Budgetposten notwendig geworden. Wie erfolgreich musst du sein, um ihn dir auch langfristig leisten zu können? Vertragsdetails gehören nicht in die Öffentlichkeit. Dank meines Sponsors, der Firma Simacek, habe ich aber die Möglichkeit, mit so guten Leuten zusammenzuarbeiten.

Wie sieht derzeit eigentlich dein komplettes Team aus? Meine Trainer sind Michael Achleitner, Head Coach Daniel Huber, Clemens Merkl, Rainer Eitzinger und Kondi-Coach Roland Luchner. Meine Trainingspartner sind Johannes Ager und Hans-Jörg Fankhauser. Das Bespannservice übernimmt Erwin Enzinger. Die medizinische Versorgung leitet Dr. Christan Hoser von Sportsclinic Austria, und physiotherapeutisch werde ich vom PZI Burtscher (Physiotherapeutisches Zentrum Igls; Anm.) betreut.

Gibt’s keinen Mentaltrainer? (lächelt) Es hat einmal einen gegeben, nur ohne Erfolg. Ich glaube, ich bin einfach nicht der Typ dafür.

Du trainierst fast, wenn du daheim bist, fast ausschließlich mit Männern. Gibt es in Österreich zu wenige Spielerinnen auf hohem Niveau, mit denen du regelmäßig optimal trainieren könntest? Wirklich viele haben wir nicht.

Aufschlag und Vorhand sind längst zu einer Waffe geworden. Was fehlt noch? Die Vorhand ist tatsächlich eine Waffe, am Aufschlag muss aber noch viel gearbeitet werden. Es wird aber schon besser.

Probleme hast du hin und wieder mit Spielerinnen, die ähnliche Waffen einsetzen – starker Aufschlag, scharfe Vorhand. Ja, darum sind es ja auch Waffen. Gegen solche Spielerinnen ist es immer recht schwer zu spielen. Vor einem Jahr hab ich z. B. in der ersten French Open-Runde die ehemalige Weltranglistenerste Jelena Jankovic an den Rand einer Niederlage gebracht, am Ende hat sie sich aber doch in drei Sätzen mit 6:1, 1:6, 5:7 durchgesetzt. Schade, dass es nicht gereicht hat.

Die Top 50 waren schon immer ein erklärtes Ziel von dir. Derzeit bis du davon noch relativ weit entfernt, obwohl viele Experten und Insider dir das Potenzial dafür eingestehen. Sind derzeit die anderen zu stark oder du im Moment zu inkonstant? Ich steh jedes Jahr im Ranking in den Top 75, da wäre es ja nicht mehr weit zu den Top 50. Ich denke, dass auch Glück und Gesundheit eine große Rolle spielen. Letztes Jahr habe ich bis Mitte des Jahres sehr gut gespielt, dann hatte ich eine Schulterverletzung, die mir das ganze zweite Halbjahr genommen hat. Die Auslosung trägt dann auch noch ihren Teil dazu bei - vier meiner letzten sechs Grand Slam-Hauptbewerbs-Gegnerinnen waren in den Top 15 oder besser: Zwei Mal Radwanska, ein Mal Jankovic, ein Mal Lepchenko. Bei anderen Turnieren waren Stosur, Wickmayer, Cornet, Lisicki, Errani, Petrova, Pavluchenkova usw. meine Gegnerinnen. Das sind alles Top 20-Spielerinnen, und wenn man die in den ersten beiden Runden bekommt, dann wird es halt schwer. Aber ich denke: Hart weiter arbeiten und dann wird es sich schon drehen.

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Gibt es aus deiner Sicht zu wenige WTA-Turniere am Kalender und sind deshalb die meisten Turniere zu stark besetzt?
Absolut!

Der letzte Finaleinzug liegt über ein Jahr (Mai 2012: Cagnes-sur-Mer) zurück, der letzte Turniersieg (Juni 2011: Zlin) knapp zwei Jahre. Hast du dir ausgerechnet, was 2013 alles passieren müsste, damit du wieder an den Top 100 anklopfen könntest? Endlich gesund bleiben, dann sollte es im Sommer soweit sein. Im Moment steh ich um die 150 in der Weltrangliste und das mit acht bis neun Ergebnissen, das ist auch nicht so schlecht. Ab Juli bis Jahresende ist dann gar nichts mehr zu verteidigen. Die Ausgangsposition ist also so gut wie nie.

Wäre es zu Zeiten einer Barbara Schett leichter gewesen, in der Weltrangliste nach vorne zu kommen? Das kann sich jeder selbst überlegen. Ich denke aber, dass heute die Konkurrenz so gut ist wie nie.

Warum ist die Dichte an guten Spielerinnen, die sich in der Weltrangliste zwischen 150 und 50 bewegen, so hoch? Weil alle viel härter und besser arbeiten als noch vor Jahren. Ich würde sogar sagen, dass außer den Top 4-Damen alle sehr eng zusammen liegen. Oder, wer hätte sich gedacht, dass Angie Kerber es innerhalb eines Jahres vom Platz 130 in die Top 5 schafft. Es ist alles offen wie nie.

Man sagt ja gerne, dass man erst, wenn man sich konstant in den Top 100 aufhält, das Jahr mit einem Plus abschließen kann. Stimmt diese Rechnung? Das stimmt, daher waren die letzten vier Jahre finanziell erfolgreich.

Wie viele Flüge musst du alljährlich buchen und wie viele Autokilometer hinter dich bringen? Ich bin rund 25 Wochen mit dem Flugzeug unterwegs und 60.000 Kilometer mit dem Auto.

2012 hast du in 14 Ländern Turniere gespielt: Deutschland, England, Österreich, Amerika, Aserbeidschan, Schweden, Italien, Frankreich, Marokko, Dänemark, Mexiko, Kolumbien, Israel, Australien. Ist der Jetlag etwas, an das man sich irgendwann gewöhnt? Nicht wirklich, aber es gehört einfach dazu.

Als Hausfrau und Mutter hättest du einen ruhigeren Alltag. Das kann ich noch nicht beurteilen. Bis es soweit ist, dauert‘s noch.

Auf deinem Facebook-Account hast du u. a. Gregor Schlierenzauer, Marcel Hirscher, Ted Ligety und Lindsay Vonn mit „gefällt mir“ markiert. Würdest auch du auch als Tennisspielerin gerne einmal so ein exzessives Sportlerleben leben dürfen? Hunderte Interviewanfragen. Sponsoren, die sich um dich reißen. Fans, die dich auch im Privatleben nicht in Ruhe lassen. Ich denke, damit befasse ich mich, sollte auch ich in diese Situation kommen. Aber als Tennisspielerin ist das in Österreich ohnehin kaum möglich.

Stichwort „Sponsoren“: Seit 1. Jänner wirst du nicht mehr von adidas, sondern von Nike ausgestattet. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen? Das war schon lange geplant, ist auch ein Teil meiner gesamten Veränderung. Was mir logischerweise auch sehr gut gefällt: Nike trägt auch mein Vorbild Nadal.

Der ÖTV hat in den letzten Wochen gemeinsam mit der BSPA Innsbruck aktuellen und ehemaligen Davis Cup- und Fed Cup-SpielernInnen die Ausbildung zum „Tennislehrer für Hochleistungssportler“ angeboten. Alexander Peya hat die Prüfung schon hinter sich, Julian Knowle wird sie noch machen. Dass du dafür derzeit keine Zeit hast, liegt auf der Hand, aber wäre eine derartige Karriere eine mögliche Option für die mittelfristige Zukunft? Damit beschäftige ich momentan noch nicht wirklich, aber das ist sicher später eine interessante Aufgabe. Auch die Position als Fed Cup-Captain würde mich reizen, wenn ich nicht mehr aktiv bin.

Wird’s irgendwann einmal eine Mayr-Achleitner-Academy geben, in der nationale und internationale Spieler auf das harte Leben auf der Tour vorbereitet werden? Warum nicht?

Dein liebstes Turnier? Bad Gastein. Ich liebe es in Österreich zu spielen.

Wie würdest du die Tennisspielerin Patricia einem blinden Menschen beschreiben? Eine Spielerin mit viel Kampfgeist und aggressivem Spiel.

Und wie den Menschen Patricia? Nett und ehrlich.

Deine „Angstgegnerin“? Deine Lieblingsgegnerin? Dein liebster Sparringspartner? Angstgegner gibt´s nicht wirklich, Lieblingsgegnerin ist Xenia Pervak, und am liebsten trainiere ich auf der Tour mit Yvonne Meusburger (im Bild unten links).

Mayr_Achleitner_Meusburger

Die Highlights für dich in diesem Jahr? Wenn man eigentlich immer im Hauptbewerb bei Grand Slams war, wäre z. B. die French Open-Quali nicht unbedingt ein Highlight. Daher wird eher Bad Gastein der Höhepunkt sein, da möchte ich heuer das Turnier gewinnen, ich war ja schon mal knapp dran.

Was war der bisher schlimmste Turnierort, an dem du spielen musstest? Was der schönste? Schlimm war alles in Russland. Acapulco war toll.

Wie kommt es eigentlich, dass du dich als Tirolerin v. a. bei heißen Temperaturen so wohl fühlst? In Kuala Lumpur musstest du bei 35 Grad und neunzig prozentiger Luftfeuchtigkeit spielen. Keine Ahnung, vielleicht weil ich fit bin und mir bei der Hitze die Schulter am wenigsten Probleme bereitet.

Mit welchem Tennisstar – wenn du es dir aussuchen könntest – würdest du am liebsten einmal am Court stehen? Thomas Muster und Rafael Nadal.

Wo bist du am Ende von 2013? Und wo in zehn Jahren? In den Top 50 und in zehn Jahren das ganze Jahr zuhause.

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