WTA

Ein Feiertag für Sandra Klemenschits

Die Salzburgerin, die 2008 erfolgreich den Krebs besiegt hatte, beendete am Mittwoch in Linz ihre Karriere. Am Samstag wurde die 33-jährige Fed-Cup-Spielerin auf der großen Bühne der Generali Ladies verabschiedet.

Die 33-jährige Doppelspezialistin Sandra Klemenschits hat am Mittwochabend in Linz das letzte Match in ihrer langen Profikarriere auf der WTA-Tour gespielt. Am Samstag wurde für die Salzburgerin auf dem Center Court der Generali Ladies eine berührende Abschiedsparty inszeniert.

Viele Freunde und Wegbegleiter kamen in die oberösterreichische Landeshauptstadt, um mit Sandi, wie sie genannt wird, zu feiern: Von den Snowboard-Schwestern Manuela und Claudia Riegler über Rollstuhl-Rennfahrer Thomas Geierspichler, Yvonne Meusburger, Barbara Haas, ÖTV-Geschäftsführer Thomas Hammerl, Gerd Schramml, Michael Dalus, Michael Schwarz bis zu Ex-ÖTV-Masseur Kurt Waltl, der einst gemeinsam mit der WTA und Barbara Schett eine Spendenaktion für Sandra initiiert hatte.

klem1Der Grund für Sandras Entschluss, die Turnierkarriere zu beenden, klingt ebenso schmerzhaft wie die Tatsache, dass sie aufgehört hat: „Eine konstante Verletzung an der Ferse erlaubte es mir nicht mehr, mehrere Turniere in Folge zu spielen. Jedoch haben mich die vergangenen Jahre vor allem eines gelehrt: Dass nichts so wichtig ist wie die Gesundheit! Kein sportlicher Sieg kann mit dem größten Sieg in meinem Leben mithalten: Dem Sieg über meine Krankheit. Dies vor Augen ist es mir doch nicht ganz so schwer gefallen, die Entscheidung für den Tennis-Ruhestand zu treffen“, sagte Sandra Klemenschits. 
 
Hoch erfreut war Klemenschits über eine Videobotschaft ihres großen Idols Martina Navratilova („Sandra, genieße Dein neues Leben“). Yvonne Meusburger, die vor zwei Jahren in Linz die Karriere beendet hatte, sagte: „Ich kann mir vorstellen, wie Du Dich im Moment fühlst. Aber glaube mir, das Leben nach der Tenniskarriere ist auch schön.“ Turnierdirektorin Sandra Reichel meinte: „Sandi, Du bist der ehrlichste Mensch, den ich kenne und damit ein Vorbild. Ich hoffe, dass Du noch oft zu Gast sein wirst bei unserem Turnier in Linz.“
 
„Du hast Tennis gelebt, geliebt und geatmet“, sagte Turnierbotschafterin Barbara Schett. Ihr Tipp für Sandra Klemenschits: „Umarme das Leben!“ Sichtlich bewegt von dieser Zeremonie, die Stadionsprecher Erwin Gruber einfühlsam moderierte, bedankte sich Sandra Klemenschits mit den Worten: „Es ist schön zu wissen, dass Menschen hinter einem stehen, auch wenn es manchmal nicht so gut läuft im Leben.“

Sie weiß, wovon sie spricht.

Denn Sandra Klemenschits hat ein bewegtes (Tennis-)Leben hinter sich. 2007 erkrankten sie und Zwillingsschwester Daniela, mit der sie auch im Fed-Cup-Team ein blendend eingespieltes Doppel bildete, an einer heimtückischen Art von Unterleibskrebs. Für Daniela kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb am 9. April 2008. Sandra wurde zeitgleich geheilt. „Meine Schwester hätte nicht gewollt, dass ich aufgebe. Und wer weiß, vielleicht wäre ich dann ja in ein Loch gefallen.“

Sandra gab nicht auf, und fand bald darauf den Weg zurück auf den Tennisplatz. Auf einem solchen spielte das Turnier in Bad Gastein eine bedeutende Rolle. Schon im Juli 2008 feierte die Salzburgerin ihr Comeback, 2013 holte sie dort ihren größten Titel. „Und 40 kleinere Titel auf der Tour sind ja auch nicht so schlecht.“

Bis zuletzt blieb Sandra Klemenschits dem ÖTV-Fed-Cup-Team treu, der letzte Auftritt passierte im April 2016 in Kairo, als die 33-Jährige maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die Europa/Afrika-Zone 1 hatte. Die Bilanz fällt bei 21 Einsätzen mit 11:10 positiv aus. „Es ist natürlich schade, wenn eine so leidenschaftliche Spielerin wie Sandra verletzungsbedingt ihre Karriere beenden muss“, sagte Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber. „Sandra war viele Jahre eine Stütze unserer Mannschaft und hat immer mit vollem Einsatz für ihr Land gekämpft. Besonders dankbar bin ich ihr dafür, wie positiv und vorbildhaft sie sich in den letzten beiden Jahren als erfahrene Spielerin um ihre jungen Kolleginnen gekümmert hat. Ich wünsche ihr alles Gute.“

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