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ITF

Drei Sätze, die sprachlos machen

Dominic Thiem spielte gegen den Russen Medvedev seine Weltklasse aus, siegte 6:2, 7:6 (7), 7:6 (5) und rittert am Sonntag im Finale der US Open mit dem Deutschen Zverev um den Titel.

©GEPA-Pictures

Drei Sätze. Nur drei Sätze. Also abserviert!? Keineswegs.

Dominic Thiem erreichte nach einem Match auf Weltklasseniveau zum ersten Mal das Endspiel der US Open in New York. Der 27-jährige Weltranglisten-Dritte schlug den bärenstarken russischen Vorjahresfinalisten Daniil Medvedev nach 2:56 Stunden mit 6:2, 7:6 (7), 7:6 (5) und misst sich am Sonntag (22 Uhr, live Eurosport, Servus TV) in seinem vierten Grand-Slam-Finale mit dem Deutschen Alexander Zverev.

Thiem könnte somit der zweite Österreicher sein, der nach Thomas Muster (Paris 1995) einen Grand-Slam-Titel erobert.

Medvedev, der im Verlauf des Turniers bis zum Halbfinale keinen Satz abgegeben hatte, servierte in den Durchgängen zwei und drei auf den Satzgewinn, Thiem schaffte jeweils das Rebreak. Auch eine Verletzung an der Achillessehne konnte den Lichtenwörther nicht außer Tritt bringen.

"Ich bin unendlich erleichtert", sagte der Sieger beim Interview auf dem Platz, "wir haben beide hervorragendes Tennis gezeigt. Gegen Sascha wird es am Sonntag wieder eine Partie auf Augenhöhe. Wir sind seit 2014 befreundet, aber auch Rivalen. Es wird sicher eng."

Im Anschluss stellte sich Thiem per Videokonferenz den Fragen der Austria Presse Agentur.

Sie stehen nun zum vierten Mal innerhalb von neun Grand-Slam-Turnieren im Endspiel. Ist diese Erfahrung gegen den Finaldebütanten Zverev ein großer Vorteil für Sie?
"Ich würde jetzt nicht sagen, dass es ein großer Vorteil ist. Es ist eine unglaublich starke Statistik, sensationell ist das, aber es wird mir nicht wirklich helfen. Weil wir werden beide einen großen Druck am Sonntag verspüren. Es ist für uns beide eine Riesenchance. Wir beide haben alles dafür gemacht, dass wir in der Situation sind, dass wir den ersten ganz großen Titel holen. In dem Moment, wo ich den Platz betrete, werde ich sicher keinen Gedanken mehr daran verschwenden, dass das jetzt mein viertes Finale ist und ich bei den ganzen Grand Slams richtig gut gespielt habe, sondern meine ganze Konzentration darauf richten, dass ich das Match so gut wie möglich bestreite."

Sie hatten im Halbfinale auch Sorgen wegen der Achillessehne. Wird Ihr Physiotherapeut Alex Stober jetzt besonders viel zu tun haben?
"Der hat jeden Tag viel zu tun, dass er mich wieder gescheit auf die Beine kriegt (lächelt). Aber es war eigentlich gut im dritten Satz, mal schauen wie es nachher bei der Behandlung ist und wie es morgen ist, wenn das ganze Adrenalin weg ist. Aber ich glaube, es sollte nicht so schlimm sein. Ich bin auf den einen Stopp hingerutscht und ein bisserl überstreckt, ähnlich wie damals in Indian Wells, aber zum Glück bei Weitem nicht so schlimm. Ich habe jetzt gar keine Schmerzen, was ein gutes Zeichen ist. Alex wird das super machen und dann mit der ganzen Anspannung, dem Adrenalin, das am Sonntag wieder kommen wird im Finale, wird es gut sein, denk ich."

Wie wichtig war es für Sie, das Halbfinale in drei Sätzen zu gewinnen?
"Für mich war das Match eigentlich auf Augenhöhe. Es war im ersten Satz diese kuriose Situation mit der Challenge. Keine Ahnung, ob der Ball gut oder out war. Wo er dann kurz aus dem Match draußen war. Das waren eigentlich die einzigen zwei Games, die er mir leichtfertig gegeben hat. Dann war es ein sehr gutes Match auf einem hohen Level und ich habe dann zum Glück mein bestes Tennis gespielt gegen Ende des Satzes, vor allem die Games, wo er auf den Satz serviert hat. Plus das eine große Schlüsselgame bei 5:5 im zweiten Satz, wo ich fünf Breakbälle teilweise echt gut abwehre und dann auch die zwei Tiebreaks echt gut spiele. Ich habe in den ganz engen Situationen immer das beste Tennis gespielt."

Was würde Ihnen ein Titel gerade in New York bedeuten, auch im Hinblick darauf, dass wohl Sie selbst immer vom ersten Grand-Slam-Sieg in Roland Garros geträumt haben?
"Ich würde sagen, der Titel dieses Jahr hier mit den ganzen Nebenerscheinungen ist echt für alle eine Bewährungsprobe. Mit der "Bubble" und mit allem ist es sehr viel wert. Hier weit zu kommen ist vielleicht sogar mental eine stärkere Leistung als wie alles noch normal war. Es bringt alle ein bisserl an die Grenzen plus den ganzen Stress, den man auch sowieso schon hat wegen der Matches. Plus fehlende Energie von den Zuschauern, die fehlende Atmosphäre - also der Titel wird einem von uns sehr viel bedeuten. Ich denke, mein Spiel hat sich Ende des letzten Jahres ein bisserl umgedreht. Ich sage jetzt nicht, dass ich mich auf Hardcourt wohler fühle, aber zumindest gleich wohl. Ich habe gesehen, dass der Belag meinem Spiel teilweise vielleicht sogar mehr entgegenkommt als Sand und ich fühle mich superwohl drauf."

Medvedev hat gesagt, Sie haben wie ein echter Champion gespielt. Was sagen Sie dazu und wie viel Energie ziehen Sie aus dieser Partie für das Finale?
"Die Aussage freut mich natürlich, ich kann sie nur zurückgeben. Ich habe auch mein absolut bestes Tennis gespielt und die Partien stehen immer an der Kippe, egal für wen. Wenn er den zweiten oder dritten Satz gewinnt, schaut die Sache ganz anders aus. Das sind diese großen Partien gegen die besten Spieler, wo einige Kleinigkeiten entscheiden, die Tagesverfassung entscheidet. Ich glaube, wir haben beide sehr gutes Tennis gespielt und heute ist es zum Glück für mich ausgegangen. Und Energie ziehe ich auch viel. Ich bin überglücklich gerade natürlich, spiele sehr gut, fühle mich körperlich sehr wohl, bis auf die kleine Schrecksekunde, was aber eigentlich okay sein sollte bis Sonntag. Ich genieße das jetzt, aber ich weiß, dass am Sonntag eine ganz hohe Hürde wartet. Ich werde alles dafür tun, dass ich mir den großen Traum erfülle."

Sie haben bisher einen Satz abgegeben, Zverev sechs: Kann das eine Rolle spielen?
"Vielleicht, aber er ist topfit, wenn man ihn anschaut. Unglaublich gut trainiert, Wahnsinnsausdauer - ich erwarte ihn am Sonntag topfit am Platz und ich weiß von mir selber, dass in einem Grand-Slam-Finale einfach die Anspannung, die Emotionen so hoch sind, dass man die Müdigkeit nicht spürt. Von dem her würde ich sagen, dass wir beide hundertprozentig reingehen."

Die Tatsache, dass Sie und Zverev auf ihren ersten Major-Titel losgehen: Wird das im Finale ein großer Faktor sein?
"Das wird definitiv ein Faktor. Ich glaube, es ist ein großer Druck für uns beide. Wir arbeiten beide seit einer sehr langen Zeit sehr hart, um diesen Titel zu holen. Einer von uns wird es am Sonntag schaffen. Der wichtigste Schlüssel wird für mich der Return seines Aufschlags sein, weil sein erster Aufschlag ist momentan einer der besten, wenn nicht der beste da draußen."

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