"Die Südstadt als Kompetenzzentrum"

Im Februar wurde der ehemalige holländische Tennisprofi und Ex-Davis Cup-Captain Michiel Schapers (li.) als neuer ÖTV-Headcoach präsentiert. Am 8. Mai brach er gemeinsam mit ÖTV-Sportdirektor Clemens Trimmel (re.) zu einer "Österreich-Tour" auf, "um gemeinsam die wichtigsten Leistungszentren und Trainingsstandorte mit den dort arbeitenden Trainern und den dort trainierenden Spielern kennenzulernen, die dem österreichischen Tennis in mittlererer oder naher Zukunft vielleicht einmal weiterhelfen werden" (Trimmel). Erstes Etappenziel war das Landessportzentrum Rif (Salzburg).



Am Donnerstag (8. Mai) hast du gemeinsam mit dem neuen ÖTV-Headcoach Michiel Schapers das Landesportzentrum Rif besucht und damit den Startschuss für eine "Österreich-Tour" gesetzt, in deren Verlauf ihr beide die wichtigsten Leistungszentren bzw. Ausbildungsstätten besuchen werdet. Was konkret ist der Anlass für diese Reise durch die Bundesländer?

Clemens Trimmel: Der Hauptfokus liegt darin: Der ÖTV hat mit Michiel Schapers jetzt einen neuen Headcoach, und das Trainerteam im ÖTV-Leistungszentrum Südstadt ist damit komplett. Es ist uns aber sehr wichtig, dass wir uns nicht nur auf die Südstadt konzentrieren, sondern uns künftig für das gesamte Tennisland Österreich öffnen werden. Aus diesem Grund werden Michiel und ich in den nächsten Wochen eine Österreich-Tour machen, um gemeinsam die wichtigsten Leistungszentren und Trainingsstandorte mit den dort arbeitenden Trainern und den dort trainierenden Spielern kennenzulernen, die dem österreichischen Tennis in mittlererer oder naher Zukunft vielleicht einmal weiterhelfen werden. Die Südstadt soll also auf keinen Fall eine "Stand-alone"-Variante sein: Wir wollen die Südstadt öffnen und aus ihr ein Kompetenzzentrum machen, in der hier einerseits fix SpielerInnen trainieren. Wir wollen die Südstadt aber auch für SpielerInnen öffnen, die jederzeit zu Trainings- oder Sparringtagen herkommen können. Gleichzeitig soll vom ÖTV auch Turnierbetreuung zur Verfügung gestellt werden. Es wäre schön, wenn dieses Angebot angenommen werden wird.

Bedeutet das, dass jede/r SpielerIn, der / die will, künftig im ÖTV-Leistungszentrum Südstadt trainieren kann?
Clemens Trimmel: Kurzfristig ja. Wir wollen ein Team sein, das sich öffnet und jedem anbietet: Ihr könnt gerne zum Training kommen, und wir schauen euch gerne auf den Schläger. Langfristig wollen wir aber mehr mit SpielernInnen arbeiten, bei denen wir das Potential sehen, dass diese Karrieren in Richtung internationales Spitzentennis gehen werden. Und hier liegt es dann in der täglichen Arbeit von Michiel mit seinem Team, um diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Ist das ein Angebot an die SpielerInnen, das mit dem holländischen System vergleichbar ist?
Michiel Schapers: In Holland ist in den letzten zwanzig, dreißig Jahren sehr viel passiert. Immer wieder hat es im Ausbildungssystem Änderungen gegeben. Wir haben seinerzeit im Leistungszentrum des holländischen Verbandes etwas organisiert, das dem Angebot, das wir jetzt auch in Österreich anbieten werden, sehr ähnlich ist. Die Situation in Holland und Österreich kann man also durchaus miteinander vergleichen, was natürlich sehr günstig ist. Es ist wichtig, dass im Leistungszentrum des ÖTV für soviele SpielerInnen wie möglich gute Arbeit geleistet wird. In ganz Österreich soll man künftig wissen, dass wir alle SpielerInnen unterstützen und wir versuchen werden, alles zu tun, um den SpielernInnen zu helfen, sich zu entwickeln.

Was kann SpielernInnen z. B. in Vorarlberg, Tirol, Kärnten oder der Steiermark konkret angeboten werden?
Michiel Schapers: Alles beginnt mit Gesprächen. Und im Verlauf dieser Gespräche stellt sich dann heraus, was der ÖTV anbieten kann. Im Prinzip wollen wir alle österreichischen TennisspielerInnen, die in der Lage sind, sich in der Weltrangliste zu verbessern, aktiv unterstützen.

An SpielerInnen welcher Altersklassen richtet sich dieses Angebot?
Clemens Trimmel: Durchgehend an alle. Im ÖTV-Sportkonzept wurde zwar definiert, dass bis zum Alter von 14 Jahren der jeweilige Landesverband zuständig ist. Im ÖTV-Leistungszentrum Südstadt finden aber auch jetzt schon immer wieder Lehrgänge für u10- oder u12-SpielerInnen statt, da diese SpielerInnen die übernächsten Generationen im heimischen Tennis sind und deshalb enorm wichtig sind. Unser Angebot richtet sich daher ebenso an diese Altersklassen wie auch an die 14-, 16- oder 18-Jährigen bis hinauf zum Erwachsenentennis. Eine wichtige "Masse" sind aber sicherlich SpielerInnen, aus denen künftig einmal Davis Cup- oder Fed Cup-SpielerInnen werden könnten.

Rechnest du bei dieser "Österreich-Tour" mit Überraschungen? Gibt es vielleicht Talente, von denen du noch nie etwas gehört hast?
Clemens Trimmel: Für mich wird es vielleicht nicht die großen Überraschungen geben. Es ist aber dennoch gemeinsam mit Michiel ein neuer Weg, den ich zu hundert Prozent unterstütze. Deshalb ist es mir wichtig, auf dieser "Tour" mit dabei zu sein und Michiel als unseren neuen Headcoach vorzustellen. Genau das ist - so wie es Michiel vorher gesagt hat - das Wichtigste am Beginn eines gemeinsamen Weges: Dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt und mit allen redet, die in Österreich tagtäglich im Bereich "Tennis" gute Arbeit leisten. Vielleicht kommt man dann ja auch darauf, dass im Leistungszentrum eines Landesverbandes die SpielerInnen sagen: Wir sind hier super versorgt! Diese SpielerInnen würden unsere Hilfe dann auch nicht brauchen. Vielleicht gibt es aber auch viele SpielerInnen, bei deren Karrieren man unterstützend mitwirken kann.

Michiel Schapers: Es gibt auch viele Themen im Umfeld der SpielerInnen. So gibt es sicherlich den einen oder anderen Trainer, der jetzt noch nicht genau weiß, was eigentlich meine Aufgabe ist. Solche offenen Fragen wollen wir klären.

Kann man jetzt schon konkrete Termine eurer "Österreich-Tour" nennen?
Clemens Trimmel: Da viele SpielerInnen und deren TrainerInnen logischerweise viel unterwegs sind, bin ich jetzt gerade dabei, Termine zu finden. Wir werden versuchen, einige Termine - wie z. B. in Salzburg und Oberösterreich - vor die French Open zu legen und die anderen dann danach. Ich gehe aber davon aus, dass ich mit Michiel bis Ende Juni in jedem Bundesland gewesen sein werde.

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