Die Profi-Karriere fest im Blick

David Pichler aus Oslip im Burgenland gilt als eines der größten Tennistalente im Land. Seit Oktober trainiert der 18-Jährige unter den Fittichen des ÖTV-Trainerstabs um Headcoach Michiel Schapers, Andreas Fasching und Florian Pernhaupt im nationalen Leistungszentrum in der Südstadt, wo er auch seine weitere Zukunft sieht. Im Interview spricht er über das tägliche Training und seine kurz- und langfristigen Ziele.

David, du bist seit Oktober im nationalen Leistungszentrum in der Südstadt und scheinst dich dort sehr wohl zu fühlen.

Das stimmt, mir taugt es dort sehr. Ich habe hier super Sparringspartner wie Lucas Miedler, Sebastian Ofner und Max Neuchrist und auch andere Spieler kommen immer wieder her. Wenn man gegen Bessere spielt, kann man sich am besten weiterentwickeln. Von der Technik lerne ich vor allem beim Aufschlag und der Rückhand sehr viel.

Kannst du dich all jenen, die dich noch nicht so gut kennen, etwas näher vorstellen? Wie hat deine Tennis-Karriere begonnen und was waren bisher deine größten Erfolge?

Ich habe mit vier Jahren zu spielen begonnen, regelmäßig mit sieben, am Anfang mit meinem Papa. Dann bin ich über den BTV-Kader zu Christian Kohl und Mario Haider-Maurer gekommen, dann ein Jahr in die Tennis-Hak in Oberpullendorf gegangen. Danach war ich ungefähr drei Jahre lang bei Mario und Christian in der Akademie in Oslip. In die Südstadt bin ich gekommen, weil ich etwas Neues machen wollte. Meine größten Erfolge waren sicher der u16-Staatsmeistertitel und ein paar Nachwuchs-Staatsmeistertitel im Doppel. International habe ich einen ITF-Titel im Einzel in Budapest geholt und mehrere im Doppel. Heuer habe ich beim Future in St. Pölten den ersten ATP-Punkt gemacht.

Was sind deine größten Stärken und Schwächen, wie würdest du deine Spielweise beschreiben?

Meine Spielweise ist eher von hinten, von der Grundlinie. Wir schauen aber, dass ich auch etwas öfter ans Netz vorkomme. Die größten Stärken sind meine Grundschläge, zu verbessern versuche ich mich derzeit beim Aufschlag und bei der Rückhand. Die spiele ich manchmal viel zu eng, da muss ich mit den Händen noch lockerer werden.

Hast du Vorbilder, Spieler, von denen du dir etwas abschaust?

Vorbilder gibt's sicher, vor allem Rafael Nadal und Novak Djokovic.

Charakterlich wirst du als eher ruhiger Typ beschrieben, wie siehst du das selber und was sind neben dem Platz deine Hobbies?

Sehe ich auch so, ich bin schon eher ruhig, zurückhaltend. Für Hobbies bleibt nicht allzu viel Zeit, weil ich nebenbei noch in die Abend-Hak in Oberpullendorf gehe - übrigens in die gleiche Klasse wie Karoline Kurz - und im Juni Matura mache. Neben Schule und Training bleibt da nicht sehr viel Zeit.

Klingt anstrengend. Wie gut lassen sich Training und Schule miteinander verbinden?

Es ist schon anstrengend. In der Südstadt trainiere ich von Montag bis Freitag fünf Stunden am Tag. Schule ist zum Glück nur zwei bis drei Mal die Woche, am Dienstag und Donnerstag von 18 bis 22 Uhr und am Freitag ungefähr jede zweite Woche. Dienstag und Donnerstag sind auch die extremsten Tage: Da stehe ich um 6 Uhr auf und fahre in die Südstadt. Dort machen wir um 7:45 Uhr Schnelligkeit, dann spiele ich von 8:30 bis 11:00 Uhr Tennis. Nach der Mittagspause geht's um zehn vor zwei weiter in der Kraftkammer mit Flo Pernhaupt. Von halb 3 bis 4 spiele ich wieder Tennis und dann muss ich wieder wegfahren zur Schule.

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Apropos Training, kürzlich hast du bei der ÖTV-Trainerfortbildung mit Nick Bollettieri trainieren dürfen. Etwas Besonderes für einen jungen Spieler?

Das war schon eine tolle Erfahrung, von Nick Bollettieri auch gelobt zu werden, wenn man etwas richtig gemacht hat. Es war zwar jetzt nicht so, dass ich viel Neues gelernt habe, aber es war auf jeden Fall eine spezielle Erfahrung, mit dem bekanntesten Trainer der Welt auf dem Platz zu stehen.

Wie du schon angesprochen hast, hast du heuer deinen ersten Weltranglistenpunkt gemacht. Was sind deine Ziele für das Jahr 2015.

Die Ziele sind, so viele ATP-Punkte wie möglich zu machen, damit ich in der Rangliste weiter nach vorne komme. Ich würde sagen, Top 1000 wäre ein Anfang, aber man muss schauen, wie es sich entwickelt.

Wie lang gibt man sich als junger Spieler Zeit für den Durchbruch? Gibt es einen Karriereplan oder schaut man von Jahr zu Jahr?

Ich würde schon sagen, dass man von Jahr zu Jahr schaut. Das Wichtigste ist, dass man sich technisch entwickelt, dann kommen die Erfolge meistens eh von selber. Das Durchschnittsalter bei den Profis geht immer weiter rauf, als junger Spieler ist es schwer, wenn man noch nicht ganz reif ist und die Erfahrung fehlt. Mit ungefähr 23 Jahren sollte man dann in der Weltrangliste schon schauen, wo man bleibt, auch wenn das immer schwer zu sagen ist. Das ist aber natürlich auch ein Grund, warum ich neben dem Training noch die Matura mache, als Absicherung.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Zukunft!


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