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Fed Cup

Der Kurtl und der Enzi

Für die Erfolge sorgen Österreichs Nationalmannschaften am Court. Darum, dass Siege übehaupt möglich und Niederlage rasch wieder vergessen werden, kümmern sich mit Physiotherapeut Kurt Walt (links) und ÖTV-Bespanner Erwin Einzinger zwei Legenden im heimischen Profitennis.


Der eine (Erwin Enzinger) sorgt für Spannung, der andere (Kurt Waltl) für Entspannung. Beide sind aus der rotweißroten Tenniswelt nicht wegzudenken und kümmern sich bereits seit vielen Jahren auch um gute Stimmung im ÖTV-Team: Als etwa Erwin Enzinger am vergangenen Sonntag zur Abreise des Fed Cup-Teams im Büffet des ÖTV-Leistungszentrums Südstadt auftauchte, wurde dem 1,68 Meter großen "Enzi" ("So groß war ich zumindest einmal beim Bundesheer) von einem der Köche sofort ein Kindersessel zum Tisch gebracht: "Damit'st überhaupt über die Tischkante schauen kannst." Den Mädels hat's gefallen, "und mir war's wurscht, weil wir beide uns ständig vera...en." Erwin Enzinger (5.7.1954) hat als Bespanner des Davis Cup-Teams (seit 1990) und des Fed Cup Teams (seit 2002) alle Höhen und Tiefen des österreichischen Tennis in den letzten Jahren live miterlebt. Wenn er nicht gerade die Nationalteams betreut, ist er als Servicemann und Spielerbetreuer bei nationalen und internationalen Turnier-Highlights anzutreffen. "Mein erster Ausritt war der Davis Cup in Spanien (1990) mit Thomas Muster, Horst Skoff und Alex Antonitsch, die gegen Emilio Sanchez, Sergio Bruguera und Sergio Casal gespielt haben." Im September 2013 hatte er im Weltgruppen-Playoff auswärts gegen Holland in seinem bereits 24. "Dienstjahr" dafür gesorgt, dass die Rackets von Jürgen Melzer & Co genauso "spannend" wie die Duelle der Spieler mit ihren Gegnern waren. Beim Duell gegen die Slowakei im April wird er damit seine silberne "Hochzeit" feiern.

Enzinger

Erwin Enzinger: "Bombenalarm", wenn er einreist!
Auf die Einreise in Österreichs Nachbarland freut sich Enziger bereits jetzt, da hier kaum jene Probleme auftreten werden, mit denen er sonst immer wieder zu kämpfen hat. Als es im Vorjahr für das Davis Cup-Team in Richtung Kasachstan ging, "haben wir mit dem Übergepäck Probleme gehabt und "Strafe" zahlen müssen. Inklusive Alubox hatte die (Spann-)Maschine fünfzig Kilogramm. Damit nicht genug, hat dann auch noch ein Kontrollor beim Ausgang Schwierigkeiten gemacht. Er wollte wissen, ob ich deshalb nach Kasachstan eingereist bin, um hier die Maschine zu verkaufen. Nach zehn Einwänden von uns und etlich langem Hin-und-Her hat er uns endlich einreisen lassen." Ebenso heikel waren in den vergangenen Jahren immer wieder auch die Fed Cup-Einsätze in Eilat. "Beim israelischen Zoll sehen sie das elektronische Innenleben der Maschine, alle Alarmglocken beginnen zu schrillen, und auf einmal stehen fünfzehn Personen um mich herum." Derartige Auslandseinsätze machen ihm zwar noch immer "unheimlich viel Spaß, bedeuten aber altersbedingt auch sehr viel Stress", hatte vor genau einem Jahr gesagt und angekündigt, auf die Bremse treten zu wollen. "Da ich für Isospeed auch sehr viel im Ausland unterwegs bin, sollte ich mich nach meiner Herzoperation (vierfacher Bypass im Juli 2011; Anm.) nicht mehr allzu viel spielen. Deshalb hab ich mir vorgenommen, meine Termine etwas zu reduzieren und mir zu überlegen, wie's weitergehen soll." Und wie ist es tatsächlich weitergegangen? Im Jänner war er in Australien ("War wieder einmal unglaublich"), im Februar in Budapest, im April wartet der Davis Cup in Bratislava. "Ich hab's zwar vorgehabt, ein bissl zurückzuschrauben. Es geht aber nicht immer so, wie man will. Außerdem geht's mir körperlich im Moment richtig gut. Ich geh laufen, mach viel Sport. Und dann ist da noch etwas: Ich kann mir ein Leben ohne Tennis einfach nicht vorstellen."

Waltl_PMA

Kurt Waltl: Der Kurtl, eine entspannende Legende
Der langjährige Physiotherapeut und „gute Geist“ der ÖTV-Nationalteams Kurt Waltl war zu trauriger Berühmtheit gekommen, als er sich vor sechs Jahren monatelang unentgeltlich um die Betreuung von Sandra und Daniela Klemenschits kümmerte, als bei den Zwillingsschwestern ein bösartiger Tumor im Unterleibsbereich diagnostiziert worden war. Der heute 72-jährige Davis Cup- und Fed Cup-Betreuer hatte zusätzlich dazu auch die Kooperation zwischen der Familie und mehreren Pharmafirmen übernommen, die die lebensnotwendigen Medikamente – oft kostenlos – bereitstellten. Seit damals "ist der Kurtl, ohne den ich vielleicht nicht mehr auf der Welt wäre" (Sandra), aus der Klemenschits-Welt nicht mehr wegzudenken. Das ist aber nur ein Waltl-Kapitel in einem langen Lebenslauf rund um Österreichs Profitennis: Über zwanzig Jahre war er etwa mit Thomas Muster im Tenniszirkus unterwegs gewesen, galt als einer seiner engsten Vertrauten. "Es ist ein Geschenk, dass ich mit ihm arbeiten durfte", sagte Waltl kurz vor Musters Abschied aus dem Profizirkus im Jahr 2011. In einem offenen Brief - verfasst in seiner Wiener Wohnung, in der er Muster oft massiert hatte - hatte er sich an ihr "erstes" Mal erinnert: "Mein lieber Tom! Ich traf dich das erste Mal 1981. Du warst 13 Jahre alt, schüchtern, dünn. Dein Körper warf keinen Schatten. Du hattest ein Hohlkreuz, das eine Tageszeitung orakeln ließ, du wirst das Leben als Tennisprofi nicht durchstehen. Du bist der Beste der Welt geworden. In einer Weltsportart." In Budapest ist der Sportphysiotherapeut, Masseur, staatlich geprüfte Trainer für allgemeine Körperausbildung und staatlich geprüfte Tennislehrer heuer in seinem 35. ÖTV-Jahr mit dabei und wird so lange weitermachen, "wie es sich gesundheitlich bei mir ausgeht."

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