Davis Cup

Davis Cup: ÖTV-Präsident Robert Groß zieht Bilanz

Traditionell zieht der ÖTV-Präsident nach dem jeweiligen Davis Cup die Schlussbilanz. Robert Groß sprach nach dem 2:3 gegen die Niederlande in Kitzbühel mit den anwesenden Journalisten.


Am 23. September wird ausgelost, gegen wen das SIMACEK AUSTRIAN DAVIS CUP TEAM im kommenden Jahr die Erstrunden-Begegnung in der Europa-Afrika-Zone I bestreiten wird. Nationen wie Spanien, Lettland, Ukraine, Dänemark, Israel, Polen, Schweden, Slowenien, Russland sind im Raster – wobei vor dem 23. September noch Aufsteiger die Gruppe verlassen und Absteiger aus der Weltgruppe dazukommen.


Robert Groß, seit 1. März Präsident des Österreichischen Tennisverbandes, spricht über:

Das sportliche Ergebnis: „Sicherlich sind wir etwas enttäuscht nach dem 2:3 gegen die Niederlande, ich hätte eigentlich ein 3:2 für uns vorausgesagt gehabt“, sagte der 67-jährige Oberösterreicher. „Wenn Dominic am ersten Tag den Punkt gemacht hätte, wäre es vielleicht leichter gewesen.“ Groß weiß freilich auch, dass Thiem viel besser auftreten kann. „Er ist ein junger Spieler, der noch Formschwankungen hat, aber er ist die Zukunft des österreichischen Tennis.“ Auch in der Europa-Afrika-Zone I 2016 bleibt es für den Neo-Präsidenten das Hauptziel, ein starkes Team mit Thiem zu haben. „Ich werde alles versuchen, die besten Spieler in das Nationalteam zu holen. Auch wenn wir in der Europa-Afrika-Zone spielen. Das ist wie im Fußball: es muss eine Ehre sein, für Österreich zu spielen. Wir werden hart arbeiten und es wieder versuchen. Unser Ziel ist und bleibt die Weltgruppe.“

Den Austragungsort: „Jegliche Kritik an Kitzbühel hat sich erübrigt, da Andreas Haider-Maurer den zweifachen Kitzbühel-Sieger Robin Haase in seinem Singlematch besiegt und klar gezeigt hat, dass die Höhenlage kein Thema ist.“ Die Zusammenarbeit mit dem lokalen Veranstaltungsteam rund um Herbert Günter habe sich bewährt, allerdings werde auch beim nächsten Heimspiel der Ort wieder ausgeschrieben. Beim Schauplatz Pörtschach, der ebenfalls zur Diskussion stand, hätte der ÖTV einen finanziellen Verlust gemacht. „Es kann nicht sein, dass wir beim Davis Cup einen Verlust machen. Das ist nicht notwendig, wenn Orte sich bereit erklären, Beträge zu zahlen, damit der ÖTV positiv aussteigt.“ Im Nachhinein gesehen, habe man die richtige Entscheidung getroffen. „Wir haben organisatorisch eine respektable Leistung gezeigt, haben unser Heimatland Österreich mit der beeindruckenden Kulisse der Region Kitzbühel würdig präsentiert und haben mit zahlreichen Side Events wie Junioren-Vergleichskampf, Spieler-Auszeichnungen, Showtrainings und  Spieler-Ehrungen für ein tadelloses Rahmenprogramm gesorgt. Wir hatten an dem Wochenende mehr als 9.000 Zuseher, das ist für die Europa-Afrika-Zone und einen Termin mitten in den Sommerferien in Ordnung. Der verantwortliche Vertreter der ITF hat uns am Ende des Wettkampfes ein großes Lob für die Organisation ausgesprochen.“

Stefan Koubek: Der Vertrag mit Kapitän Stefan Koubek läuft mit Jahresende aus, doch grundsätzlich spricht für Groß nichts gegen eine Verlängerung. Allerdings muss ein neuer Vertrag erst ausverhandelt werden. Koubek wird von den Spielern akzeptiert und bringt Erfahrung mit. „Wir verlieren gemeinsam und wir gewinnen gemeinsam“, sagte Groß.

Günter Bresnik: Jene Vereinbarung mit Thiem-Trainer und -Manager Günter Bresnik, wonach die Tennisschule Bresnik sich in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland verstärkt um den 8- bis 14-jährigen Nachwuchs kümmern soll, muss für Groß nicht aufs Papier. „Bei mir zählt Handschlagqualität. Wenn ich etwas ausmache, dann brauche ich keinen Vertrag“, meinte der ehemalige Landesdirektor der Sparkasse Oberösterreich. Er ist sich sicher, dass man auch in Zukunft mit Thiem rechnen kann. Bresnik hatte sich ja Änderungen in der ÖTV-Nachwuchsarbeit ausbedungen. „Es soll eine Gruppe der besten 8- bis 14-Jährigen geschaffen werden, mit der bis zu fünf Mal in der Woche trainiert wird. Wir wollen nicht nur die Besten, sondern auch nur die, die bereit sind, diese Intensität zu gehen", erklärte Groß. „Bresnik wird dabei nicht vom ÖTV bezahlt, ihn bezahlen zur Hälfte die Eltern und zur anderen Hälfte die Landesverbände“, stellte Groß klar. Man werde sich das einmal anschauen. „Es ist ein Pilotprojekt, das wir auf ganz Österreich ausdehnen wollen.“ Die harte Hand, für die Bresnik bekannt ist, gefällt dem Präsidenten. „Ja, er ist bekannt als Schleifer, der überhaupt keine Ausnahmen duldet, er ist sehr konsequent und das taugt mir. Im Tennis kommt man nur mit harter Arbeit weiter. Es wurden schon viele Talente hochgejubelt, und die sind dann auf der Strecke geblieben, weil sie schlampige Talente waren." Zudem, so Groß, wäre es "verrückt", wenn man das Know-how eines Spitzentrainers wie Bresnik nicht nützen würde.

Das Leistungszentrum Südstadt: Mit der Entwicklung der Südstadt-Trainingsgruppe (Lucas Miedler, Sebastian Ofner, Gabriel Huber, David Pichler) ist Groß zufrieden, bei den Mädchen macht sich der Präsident hingegen Sorgen. Darum soll bis Ende September ein spezielles Damen-Konzept innerhalb des ÖTV-Sportkonzeptes präsentiert werden. Für die nahe Zukunft wünscht sich Groß einen multifunktionalen Tenniskomplex in der Südstadt. „Die Infratstruktur in der Südstadt ist österreichweit einzigartig. Tennis in Verbindung mit Leistungsdiagnostik, Konditionstraining, neuer moderner Schule, Internat, Laufbahn, Schwimmhalle, Teich und Kraftkammer ist ideal – daran wollen wir festhalten.“ Die Vision sei sicherlich, in der Südstadt eine multifunktionelle Halle zu bekommen, wo man Davis Cup, Fed Cup und große internationale Jugendturniere austragen könne. „Und noch schöner wäre, wenn wir unser Sekretariat dort auch unterbringen könnten, denn jetzt müssen wir uns anderswo einmieten. Ein mögliches Vorbild ist die multifunktionale Tennis-Sportarena in Bratislava.“

Die Verbands-Finanzen: Angesprochen auf die derzeitigen Schlagzeilen rund um die mutmaßliche Veruntreuung von Fördermitteln im Schwimmverband (OSV) versichert Groß, dass der ÖTV, dem aktuell ein Jahresbudget von 2,9 Millionen Euro zur Verfügung steht, finanziell auf sicheren Beinen steht. „Ich komme aus der Bankbranche. Und bevor ich Präsident geworden bin, habe ich mir das sehr genau angeschaut. Das funktioniert alles bestens", versicherte Groß gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. „Wir haben mit unserer Vizepräsidentin, Dr. Heike Jandl, eine ausgesprochene Finanzexpertin und machen monatliche Budgetsitzungen. Da können Sie ganz sicher sein und jeden zu uns schicken." Man achte auf gute Zusammenarbeit mit dem BSFF (Bundessportförderfonds), schließlich müsse man die Förderungen ja auch belegen. „Da wird alles korrekt abgehandelt“. In Sachen Budget hat Groß ein hohes Ziel. "In ein, zwei Jahren möchte ich ein Jahresbudget auf der Seite haben."

Sponsoren: „Unser Geschäftsführer bringt laufend neue Sponsoren zum ÖTV, sodass wir mittlerweile sogar einen Sponsorenhöchststand haben. Aufgrund von neuen Marketingstrategien haben wir derzeit 35 zahlende Sponsoren, das ist für einen Österreichischen Sportverband absolute Spitze.“ Die treue Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor SIMACEK erwähnt Groß explizit.

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