Zum Inhalt springen

Davis Cup

DAVIS CUP: MIKHAIL YOUZHNY - KLEINER DIEB, GROSSER DENKER, GEFÄHRLICHER GEGNER

Mikhail Youzhny (Bild) - ein Kämpfer am Platz und ein Doktor der Philosophie, dessen Karriere ursprünglich auf blankem Eis begann. „Er ist Russlands neuer Tennisstar“, so Ex-Profi Marat Safin.






16. Jänner 2012

DOKTOR YOUZHNY.
Sollte am 10. Februar Mikhail Youzhny für Russlands Davis Cup-Team auf den Platz gehen, "womit ich eigentlich rechne" (ÖTV-Assistant Coach Joakim Nyström), dann werden es Österreichs Spieler mit einer der vielschichtigsten Persönlichkeiten auf der ATP-Tour zu tun bekommen. Auf seinem Arbeitsplatz ist der 29-jährige Moskauer ein Profi, "der die Bälle sehr gut verteilt und sehr schnell spielt", so Jürgen Melzer. "Er hat mit meinem schnellen Spiel relativ wenig Probleme, setzt seinen Slice sehr gut ein und bringt mich dadurch das eine oder andere Mal in Probleme." Bisher trafen die beiden insgesamt sechs Mal aufeinander, vier Mal ging der Russe als Sieger vom Platz, zwei Mal konnte Melzer gewinnen. "Sollte er tatsächlich spielen", warnt Nyström, "dann wird jedes Match wahrscheinlich sehr "tough" werden." Auch Ex-Profi Alex Metreveli zollt seinem Landsmann gehörigen Respekt: "Er ist einer der größten Kämpfer, die ich kenne. Ich kann mich nicht erinnern, wie viele harte Matches er noch umgedreht hat." Für Peter Lundgren, Ex-Trainer von Marat Safin und Roger Federer, liegen die Qualitäten des sympathischen Russen hingegen vor allem im mentalen Bereich: "Er hat die Fähigkeit, sich an jede mögliche Situation sofort anzupassen. Er kann die Geschwindigkeit und die Richtung des Balles sehr schnell variieren. Noch dazu ist sein Backhand-Slice einer der wohl besten weltweit." So gefährlich Youzhny am Platz sein kann, so wenig tennisaffin ist er hingegen, sobald der letzte Ball gespielt ist. "Jedes Mal, wenn ich ihn sehe", sagt einer der besten Youzhny-Freunde Sergiy Stakhovsky (SVK, ATP 61), "liest er Unmengen von Büchern. Als ich ihm und Boris Sobkin (Youzhny-Trainer; Anm.) das erste Mal begegnet bin, konnte ich gar nicht glauben, auf welch hohem Niveau die beiden ihre Unterhaltungen geführt haben." Vorläufiger Schlusspunkt dieses geistigen Höhenflugs: Seit Dezember 2011 ist Mikhail Youzhny Doktor der Philosophie. "Ich war ein bisschen nervös", sagte er, nachdem ihm dieser Titel "gelungen" war. "Es war anders als ein Tennismatch zu spielen. Ich konnte immer nur in meiner spärlichen Freizeit lernen. Deshalb ging es so langsam." Begonnen hatte er sein Studium an der Universität von Moskau im Jahr 2005. "Jetzt bin ich glücklich, dass ich es gemacht habe." In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit der Philosophie und der Einstellung im Tennis.

"RUSSLANDS NEUER TENNISSTAR". In seinem eigentlichen "Job" geht Youzhny wesentlich rasanter ans Werk: Drei Jahre, nachdem er Profi geworden war, gelang ihm 2002 in Stuttgart sein erster ATP-Titel. Damit nicht genug, führte er im gleichen Jahr Russland in der entscheidenden Finalpartie gegen Frankreich zum erstmaligen Gewinn des Davis Cups. Nachdem es nach den ersten vier Partien 2:2 gestanden war, sollte eigentlich Jewgeni Kafelnikow für den entscheidenden Punkt sorgen. "Aber schon am ersten Spieltag hat mir Kapitän Tarpishev gesagt, dass ich möglicherweise das Entscheidungsspiel bestreiten müsse, da Jewgeni nicht hundertprozentig fit war", erinnert sich Youzhny an seine "Geburtsstunde" als "neuer Tennisstar Russlands" (Marat Safin, Youzhnys damaliger Teamkollege): Obwohl die Partie in Frankreich stattfand, war es ihm nach einem 0:2-Satzrückstand doch noch gelungen, Paul-Henri Matthieu in fünf Sätzen zu besiegen. Erst danach wurde bekannt, dass Youzhny gegen Matthieu das wohl härteste Match seines Lebens zu spielen hatte: Ein Monat vor dem Duell mit Frankreich war Youzhnys Vater überraschend gestorben. Ein Mann, "ohne den wir im Tennis überhaupt nichts geworden wären", so Mikhails älterer Bruder Andrei. "Er war Oberst in der sowjetischen Armee und hat seine eigene Karriere beendet, nur um unsere Karrieren täglich nach vorne zu treiben."

YOUZHNY "STIEHLT" DIE SCHUHE. Ursprünglich waren die Wurzeln dieser Karrieren übrigens auf Eis "gelegt": Als kleine Kinder spielten Mikhail und Andrei im Sommer Tennis, "im Winter lernten wir Eiskunstlauf", so Andrei Youzhny. Als das Brüderpaar älter wurde, "wurden wir dann einmal von einem Trainer angesprochen, ob wir es denn nicht ernsthaft mit Tennis versuchen wollen würden" (Andrei). Also begann im Moskauer Spartak Club eine Tenniskarriere, die im Jahr 1995 ihren ersten kleinen Höhepunkt haben sollte: 1995 stand Mikhail Youzhny während des Weltgruppen-Semifinales Russland gegen Deutschland als Ballbub hinter den Linien. Als Andrei Chesnokow im entscheidenden letzten Einzel nach der Abwehr von zehn Matchbällen doch noch 6:4, 1:6, 1:6, 6:3, 14:12 gegen Michael Stich gewinnen konnte, "stahl" der kleine Mikhail Chesnokows Tennisschuhe, die Russland damaliger Superstar vor dem Umkleideraum vergessen hatte. "Ich habe mir seine Schuhe einfach mit nach Hause in unsere Wohnung genommen", gestand Youzhny unlängst dem ATP-Magazin Deuce. "Dort sind sie heute noch." Vier Jahre später wurde der 17-jährige Mikhail von Shamil Tarpishev erstmals als Trainingspartner für Jewgeni Kafelnikow, Marat Safin und Andrei Olhowsky in Russlands Davis Cup-Kader einberufen. Und der Rest ist Geschichte ...


HEAD-TO-HEAD: „ÖSTERREICH“ GEGEN YOUZHNY


Jürgen MELZER – Mikhail Youzhny: 2:4

2010: Dubai / Semifinale, Hardcourt: 5:7, 6:7(4)
2009: Kitzbühel / Viertelfinale, Sand: 4:6, 4:6
2007: München / Viertelfinale, Sand: 2:6, 6:7(5)
2006: Kitzbühel / Viertelfinale, Sand: 3:6, 6:3, 3:6
2006: München / R32, Sand: 6:3, 6:4
2005: Roland Garros / R64, Sand: 6:3, 6:4, 7:6(5)


Andreas HAIDER-MAURER – Mikhail Youzhny: 0:1

2011: Gstaad / Viertelfinale, Sand: 4:6, 7:5, 4:6


Alexander PEYA – Mikhail Youzhny: 1:0

2007: Kitzbühel / R32, Sand: 7:5, 6:0


Oliver MARACH – Mikhail Youzhny: 1:0
1999: Antalya / Viertelfinale, Sand: 7:5, 6:4




VERWANDTE ARTIKEL 

» 11. Jänner 2012
JOAKIM NYSTRÖM IM INTERVIEW: "ICH RECHNE MIT YOUZHNY, BOGOMOLOV, DAVIDENKO UND TURSUNOV"

»
10. Jänner 2012
ZWISCHEN GEWIEFTER ZOCKEREI, BORIS JELZIN UND SCHLÄGERN AUS HOLZ

»
5. Jänner 2012
JOAKIM NYSTRÖM WIRD CLEMENS TRIMMELS ASSISTANT COACH

»
23. Dezember 2011
DER WEG ZUM ERFOLG: VIDEOS, HAWK EYE UND EIN PLAN A, B UND C

»
21. Dezember 2011
... UND LOS GEHT’S! TICKETS FÜR ÖSTERREICH VS. RUSSLAND KÖNNEN AB SOFORT BESTELLT WERDEN!

»
5. Dezember 2011
TENNISFANS AUFGEPASST! AM 13. DEZEMBER STARTET DER KARTENVORVERKAUF!

»
28. November 2011
AB SOFORT VIP-LOGEN FÜR DEN DAVIS CUP ÖSTERREICH - RUSSLAND! +++ REGULÄRE TICKETS AB ANFANG DEZEMBER!


Top Themen der Redaktion

ATP

"Es war ein Vergnügen - auch wenn ich verloren habe"

Dominic Thiem unterlag bei den ATP-Finals in London zum zweiten Mal in Folge im Endspiel. Der Niederösterreicher musste sich dem Russen Daniil Medvedev, der mit Fortdauer der Partie immer stärker wurde, in drei Sätzen geschlagen geben.