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Davis Cup

DAVIS CUP GEGEN SPANIEN: "WIR HABEN KEINE CHANCE UND DIE WOLLEN WIR NUTZEN"

Noch 44 Tage bis zum Davis Cup-Duell Spanien gegen Österreich, bei Davis Cup-Captain Clemens Trimmel hat die Planungsphase gegen den fünffachen Davis Cup-Sieger aber schon längst begonnen. „Ich erwarte mir keine Überraschungen.“

   
23. Februar 2012  

„Jürgen Melzer bricht sich die Zehe!“ Wie groß war bei dir der Schock, als du diese Schlagzeile gelesen hast?
Zu allererst ist immer der Spieler selbst betroffen. D. h. es tut mir vor allem Jürgen persönlich leid, weil er durch den Davis Cup gegen Russland einen Aufschwung gehabt hat. Logisch aber, dass diese erste Meldung unmittelbar nach dieser tollen Wochen eine absolute Schockmeldung war. Wie wir mittlerweile aber wissen, hat sich diese Verletzung doch nicht als so schlimm herausgestellt. Noch dazu hat er gestern in Memphis sein Erstrunden-Match gegen Denis Istomin gewonnen – eine lange Partie, die er und seine Zehe gut durchgehalten hat. Ich habe ihn dann gleich angerufen und gefragt, wie es ihm geht: Die Zehe dürfte im Großen und Ganzen ganz okay sein bzw. die Schmerzen im Rahmen des Ertragbaren.

Hattest du dir trotzdem kurz überlegt: Was wäre, wenn Jürgen gegen Spanien nicht zur Verfügung stehen würde?
Natürlich ist dieser Gedanke ganz kurz in meinem Kopf herumgegangen. Das Spiel gegen Spanien ist aber noch viel zu weit weg, um sich damit wirklich ernsthaft zu beschäftigen. Noch dazu weiß ich durch meinen Bruder, der Arzt ist, dass das (knöcherne Absplitterung an der großen rechten Zehe; Anm.) zwar Schmerzen sind. Es ist aber keine Verletzung, die schlimmer werden kann.

Was sagst du zu den immer dichter werdenden Gerüchten, dass Rafael Nadal – trotz ursprünglicher Absage ans spanische Davis Cup-Team – jetzt offensichtlich doch spielen will?
Mit diesen ganzen Gerüchten beschäftige ich mich nicht. Nadal hätte auch gar keinen Einfluss auf unsere Planung. Es ist aber offensichtlich, dass unsere Chancen – sollte er spielen – stark sinken würden. Darüber braucht man gar nicht zu diskutieren. Ich glaube, dass bei ihm viel davon abhängen wird, wie die Wochen unmittelbar vor dem Davis Cup verlaufen werden. Wenn er in Indian Wells und Miami gut spielt – dort z. B. ins Finale kommt – dann ist es für mich fraglich, ob er dann auch noch Davis Cup spielen wird. Mit dem Wissen, dass er die folgenden acht, neun Wochen im Normalfall sehr erfolgreich spielen und vermutlich jedesmal ins Finale kommen wird. Ob ihm der Davis Cup dann noch wirklich wichtig sein wird?! Fürs Tennis im Allgemeinen wäre es natürlich toll, wenn einer der Besten spielen sollte. Das Zuschauerinteresse wäre dann sicherlich noch wesentlich größer. Auf der anderen Seite würden wir uns freuen, wenn er nicht spielen würde.

Vor dem Erstrunden-Duell gegen Russland hast du – trotz Außenseiterposition Österreichs – von einem Duell auf Augenhöhe gesprochen ...
... gegen Spanien sind wir auf jeden Fall krasser Außenseiter. Unabhängig davon, ob Nadal spielt oder nicht. Wir haben das Privileg, halbwegs locker in diese Partie gehen zu dürfen. Es erwartet niemand etwas von uns. Jeder Punkt, den wir gegen Spanien machen, ist ein Riesenerfolg. Nichtsdestotrotz fahren wir ganz sicherlich nicht nach Spanien, um uns dort abschlachten zu lassen: Wir haben keine Chance und die wollen wir nutzen! Wir werden uns wieder gut vorbereiten und als Team wieder alle an einem Strang ziehen. Ich kenne die genaue Statistik der Spanier noch nicht so gut, aber ich glaube, dass die letzte Heimniederlage der Spanier schon relativ lange zurückliegt (1999, 1. Runde gegen Brasilien; Anm.). Ob man das jetzt von Österreich erwarten kann, werden wir sehen. Wir freuen uns alle auf jeden Fall schon wahnsinnig auf dieses Duell!

Wie kann man sich eigentlich auf einen Gegner vorbereiten, der insgesamt dreizehn Spieler unter den Top 100 hat?
Stimmt schon, diesen Luxus hätte ich auch gerne, dass ich derart selektieren könnte. Ich erwarte mir trotzdem, was die Aufstellung der Spanier betrifft, keine allzugroßen Überraschungen. Es wird keiner im Team auftauchen, den wir nicht kennen. Die meisten unserer Spieler werden schon vermehrt gegen den einen oder anderen Spanier gespielt haben. Wir warten jetzt einmal ab, wer nominiert wird und dann werden wir uns – so wie gegen Russland – auf jeden Gegner gezielt vorbereiten.

Würde es nach der Statistik gehen, würde Österreich als Favorit in die Begegnung gehen: Drei Mal konnte Österreich gewinnen (1995, 1990, 1934), nur ein einziges Mal Spanien (1979).
Das sind Zahlen auf dem Papier, mehr nicht! Noch dazu liegt der letzte Sieg 17 Jahre zurück.

Es steht derzeit noch in den Sternen, an welchem Ort der spanische Tennisverband das Viertelfinale gegen Österreich veranstalten wird. Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens, ein Ort in der Nähe von Valencia, ein anderer in der Nähe von Jerez stehen laut ÖTV-internen Informationen derzeit zur Diskussion. Wo wäre es dir am liebsten?
Ich habe immer gesagt, dass der Süden für uns angenehmer wäre. Einerseits, was das Klima betrifft. Andererseits hätten wir dann vermutlich mehr Schlachtenbummler vor Ort, da sie leichter zu motivieren wären, ins warme Spanien mitzureisen.

Vor dem Duell mit Russland hattest du die Gelegenheit, dir einige von Österreichers Gegnern beim ATP-Turnier in Zagreb anzuschauen. Unmittelbar vor dem Davis Cup-Viertelfinale gegen Spanien finden die Turniere in Indian Wells und Miami statt. Sind die Flüge schon gebucht?
Miami ist auf jeden Fall ein Thema. Ich habe mich aber noch nicht entschieden, da wir ja ohnehin Joki (Joakim Nyström; Anm.) vor Ort haben. Ich werde es kurzfristig entscheiden, da es bei den Spaniern teilweise Spieler gibt, mit denen auch ich noch gespielt habe. Es sind also nicht allzugroße Überraschungen zu erwarten.

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