Das brasilianische Abenteuer beginnt in Tokio

Der 19-jährige Rollstuhltennis-Spieler Nico Langmann löste Martin Legner nach 24 Jahren als rotweißrote Nr. 1 ab und wird Österreich bei den Paralympics in Rio vertreten. Derzeit ist der Wiener beim Davis Cup in Japan engagiert.

Am 9. Mai 2016 begann eine neue Zeitrechnung in den Leben der Herren Legner & Langmann. Der 54-jährige Martin Legner, 2004 die Nummer 3 der Welt, musste nach 24-jähriger Regentschaft als König des österreichischen Rollstuhltennis abdanken, weil sein Kronprinz das Putschen partout nicht bleiben lassen wollte. Nach dem vierten erfolgreichen Versuch in Folge räumte Legner schließlich den Thron für den 19-jährigen Nico Langmann, dem der Stolz fast ein bisschen die Rede verschlägt. „Martin ist eine Legende. Es macht mich unglaublich stolz, dass ich ihm als Nummer eins nachfolgen darf“, sagt der Wiener, dessen Visitenkarte sich viel versprechend liest: Vier Turniersiege auf der internationalen Rollstuhltennis-Tour, zwei Junioren-Weltmeistertitel im Doppel, zwei Staatsmeistertitel im Team. In der Junioren-Weltrangliste war nur einer besser, in jener der Erwachsenen scheint er bereits unter den Top-30 auf, was ihm, und das ist seit heute fix, …

… einen Startplatz bei den Paralympics in Rio de Janeiro eingebracht hat.

„In meinem Alter schon so eine tolle Erfahrung machen zu dürfen, ist sportlich unheimlich wertvoll“, sagt Langmann, der sich, und das unterscheidet ihn von den meisten Kollegen, nicht erinnern kann, wie sich Gehen anfühlt. Er ist nach einem Autounfall seit dem zweiten Lebensjahr querschnittgelähmt. „Es ist also für mich völlig normal, im Rollstuhl zu sitzen. Ich kenne nichts Anderes.“ Die Liebe zum Tennis entdeckte Nico als Achtjähriger. „Ich sagte zu meinem Bruder Alex und meinem Vater, sie sollen mir doch auch einmal den Schläger geben. Ich traf anfangs nur jeden siebenten Ball.“ Wenig später schrieb sich Nico beim RTC Fontana ein, dem er immer noch die Treue hält.

Nach der Matura am Gymnasium Wenzgasse wurde Langmann Profi, er wird seit Herbst 2013 vom ehemaligen Daviscupper Werner Eschauer im UTC La Ville trainiert. Die 36-Stunden-Woche ergibt sich rechnerisch leicht nachvollziehbar aus sechs Arbeitstagen a sechs Stunden. Immerhin ist der Sonntag frei. Eine Saison verschlingt an die 80.000 Euro, allein der fahrbare Untersatz mit Vollcarbon-Rädern kostet 7000 Euro. Unter die Arme greifen ihm Simacek, die Allianz, der NÖTV, sporadisch die Sporthilfe und natürlich die Eltern. Die Mission? „Die Top-8 der Weltrangliste, damit ich bei den Grand-Slam-Turnieren starten kann. Dann könnte ich auch von meinem Sport leben und mir auch einen Ersatz-Rollstuhl leisten.“

Um ein Haar wäre der Traum von der großen Karriere im Schnee versunken. Am Freitag, den 13. Februar 2015, fabrizierte Nico Langmann beim Skifahren eine fürchterliche Brez’n – er hob ab und segelte in den Abgrund. Schädelbasisbruch, das Gesicht zu Brei geschlagen. „Ich hatte mit 17 die erste Schönheits-OP“, sagt er lächelnd, wissend, dass er vermutlich schon den Großteil des Glücks in seinem Leben aufgebraucht hat. „Neue Stirn, neue Augenhöhlen, neues Oberkiefer, neue Nase, alles mit Titan unterlegt.“ Und das seltsame an der Sache: Man sieht das nicht. Nico ist ein fescher Bursch. Einen Monat musste er im Krankenhaus liegen. In der Weltrangliste fiel er auf Platz 80 zurück. Völlig wurscht. Raus aus dem Spital. „Nach einer Woche wurde ich schon unruhig.“ Das ärztliche  Betätigungsverbot missachtend, fuhr Langmann in ein Eishockeyfachgeschäft und kaufte einen Vollvisierhelm. „Anfangs war mir oft schwarz vor Augen“, nach ein paar Tagen servierte er schon wieder mit 160 km/h. Damit man sich unter seinem Spitzensport was vorstellen kann.

Derzeit ist Nico Langmann mit dem Austrian Davis Cup Team in Tokio im Einsatz. Erstmals führt er die Delegation als Nummer 1 an. Ziel ist es, in der Weltgruppe 1 zu bleiben, der 12 Nationen angehören.

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