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ATP

Danube Upper Austria Open: Beeindruckender Rodionov feiert Heimtriumph

Das ÖTV-Davis-Cup-Ass ist beim ATP-Challenger in Mauthausen auch von Jiri Lehecka nicht zu stoppen.

Jurij Rodionov ©GEPA pictures/Matic Klansek

Fünf von sechs Österreichern im Hauptbewerb im Achtelfinale, drei im Viertelfinale, zwei im Halbfinale, einer im Finale – und der holt schließlich den Turniersieg! Besser hätte die Premiere beim Danube Upper Austria Open aus heimischer Sicht kaum verlaufen können. Denn Jurij Rodionov hat in Mauthausen in Oberösterreich am frühen Sonntagnachmittag den fünften ATP-Challenger-Titel in seiner Karriere geholt – den zweiten bei einem Event der Kategorie 100 nach Dallas 2020 und den zweiten in dieser Saison nach Biel im März. Der Niederösterreicher (ATP 157) schlug in einem spannenden Finale den zweitgereihten Tschechen Jiri Lehecka (ATP 88) nach 1:32 Stunden Spielzeit mit 6:4, 6:4, vor den Augen von ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda, der sich mit dem rot-weiß-roten Davis-Cup-Spieler freute und persönlich gratulierte.

Jurij Rodionov, ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda ©GEPA pictures/Matic Klansek

Der 22- und bald 23-Jährige (er feiert am 16. Mai Geburtstag und machte sich selbst ein frühzeitiges Geschenk) nimmt hiermit den Siegerscheck über 12.250 Euro und satte 100 ATP-Punkte mit. Dank denen er am Montag erstmals Österreichs Nummer eins sein wird, da er durch den Finalcoup Dennis Novak (verbessert sich durchs Mauthausen-Semifinale auf Platz 140 im ATP-Ranking) bzw. Dominic Thiem (fliegt nach langer Verletzungspause auf Position 162 zurück) überholt. Thiem hatte die Spitzenposition im Land seit dem 18. Mai 2015 durchwegs innegehabt. Wenn der Chilene Tomas Barrios Vera das Challenger-Finale in Salvador de Bahia am Sonntag am Abend verlieren sollte, dann würde Rodionov sein bisherige Karriere-Bestplatzierung von 131 um eine Position verbessern, ansonsten wird er sein Career High exakt einstellen.

Rodionov bricht den Rhythmus von Lehecka

Lehecka hatte heuer schon sensationell das Semifinale des ATP-World-Tour-500-Events in Rotterdam erreicht, sich erstmalig unter die Top 100 gespielt und in Mauthausen über die gesamte Turnierwoche hinweg überzeugt, lediglich zum Auftakt einen Satz hergeben müssen und im Halbfinale Novak mit 6:2, 6:3 eliminiert. Obwohl Rodionov letztlich gar im ganzen Turnierverlauf ohne einen Satzverlust blieb, war sein 20 Jahre junger Gegner als Favorit ins Titelmatch gegangen. Österreichs neue Nummer eins aber vermochte dessen bis dahin demonstrierte Dominanz zu brechen. Zwar erwischte der Matzener, der vor Ort von seinem Touring Coach Richard Waite sowie Athletikcoach Florian Pernhaupt betreut wurde, den schlechteren Start und kassierte nach Kampf das erste Break zum 1:3. Doch mit seiner weit variantenreicheren Spielweise brachte er Lehecka daraufhin zunehmend aus dem Rhythmus.

Der Siegesjubel von Jurij Rodionov nach dem verwerteten Matchball ©GEPA pictures/ Matic Klansek

Rodionov machte so aus dem 1:3-Rückstand eine 5:3-Führung und servierte am Schluss nach Abwehr einer Breakmöglichkeit mit viel Mühe zum Satzgewinn aus, verwertete erst den dritten Satzball. Und als Lehecka zu Beginn des zweiten Durchgangs den Spielfaden neuerlich verlor, schien die Vorentscheidung schon zum Greifen nahe. Rodionov ließ aber bei 2:0 und 15:40 als Rückschläger gleich zwei Chancen zum Doppelbreak ebenso liegen wie einen Spielball zum 3:1 und musste auch die abermalige 3:2-Breakführung abgeben. Bei 3:4 und 15:30 bei seinem Aufschlag hätte die Partie sogar eine unerfreuliche Wende erfahren können, der Schützling von Javier Frana behielt allerdings die Nerven, hielt das Servicegame und schlug daraufhin erneut bei Aufschlag Lehecka zu, den er über dessen zweiten Aufschlag während dem Match geradezu gnadenlos abmontierte (gerade einmal 30 Prozent gewonnene Punkte für Lehecka).

„Ich schwebe auf Wolke 7“

Rodionov ließ sich die Butter daraufhin nicht mehr vom Brot nehmen, servierte abermals nach 15:30 aus, nützte gleich seinen ersten Matchball – und sank schließlich erleichtert und vor Freude auf die Knie, gefeiert von den rund 500 Zusehern auf dem Mauthausener Centre Court. „Ich bin überwältigt und schwebe auf Wolke sieben. Ich bin echt sehr froh, dass ich über die Ziellinie gekommen bin – die letzten drei Games waren mental richtig schmerzhaft. Ich habe gespürt, ich bin nahe am Ziel, aber doch so weit weg. Ich bin echt überglücklich, dass ich’s geschafft habe“, strahlte Rodionov nach dem beeindruckenden Coup in der Heimat. „Das Publikum und die Stimmung waren unglaublich. Das erlebt man bei einem Challenger normalerweise nicht. Ich bin sehr dankbar für dieses tolle Turnier und die tolle Stimmung in dieser Woche.“

Turnierdirektor Florian Leitgeb, Jurij Rodionov ©GEPA pictures/ Matic Klansek

Der Start in solch ein Match sei nie einfach, „der war holprig. Aber nach zwei Games war ich gut im Spiel und ich habe dem Spiel meinen Stempel aufgedrückt. Ich war über eine lange Zeit der konstant bessere Spieler. Zum Schluss wäre es fast noch einmal gekippt. Ich habe schlechter serviert und weniger freie Punkte bekommen. Ich konnte die kleinen Rückschläge gut wegstecken und habe bis zum Schluss den Fokus hochgehalten. Dieser Titel bedeutet mir sehr viel“, machte Rodionov klar. Und freute sich besonders, dass ihm dieser Titelgewinn vor den Augen seiner eigens zum Endspiel angerückten Mama gelang: „Das ist ein Dankeschön an meine Mutter am Muttertag, sie ist heute hierhergekommen. Mir wäre es zwar lieber, wenn ich die French Open gewinnen würde“, grinste er, „aber es war eine super Woche.“ Leheckas Freude nach einem guten Turnier war indes gedämpft: „Natürlich ist man nach einer Finalniederlage stets enttäuscht. Nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar für dieses Turnier – großes Kompliment hierzu an den Veranstalter. Es war eine unfassbare Woche, obwohl ich mich am Ende mit Platz zwei zufriedengeben muss.“

Hier alle Ergebnisse vom ATP-Challenger in Mauthausen.

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