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Billie Jean King Cup

Billie Jean King Cup: Paszek eröffnet beim Team-Comeback gegen Ostapenko

Das zweite Einzel bestreitet Sinja Kraus gegen Daniela Vismane, wie die Auslosung im Multiversum Schwechat ergeben hat.

Tamira Paszek und Jelena Ostapenko bei der Auslosung am Donnerstag. © | GEPA pictures/ Walter Luger

Die Katze ist aus dem Sack! ÖTV-Teamkapitänin Marion Maruska hat am Donnerstag am Vormittag beim Official Draw im Schwechater Multiversum ihre Mannschaftsaufstellung für den Billie Jean King Cup gegen Lettland offiziell verlautbart. Die Niederösterreicherin setzt beim ersten Heimspiel für das Alpstar Austria Billie Jean King Cup Team seit 2008, als man aus der damaligen Weltgruppe II abgestiegen war, im Einzel auf Sinja Kraus und Tamira Paszek. Während Kraus, durch das Fehlen von Julia Grabher, als österreichische Nummer eins im Team als gesetzt galt, gab Maruska Paszek als nomineller Nummer drei zumindest am ersten Spieltag zunächst den Vorzug gegenüber Barbara Haas (WTA 396). Sollte der Überraschungserfolg gegen die Baltinnen gelingen, würden die ÖTV-Damen im Frühjahr die Qualifikation für die Billie Jean King Cup by Gainbridge Finals 2023 spielen. Die beiden bisherigen Duelle mit Lettland gingen 2015 in Budapest (Ungarn) mit 1:2 und 2018 in Tallinn (Estland) mit 0:3 verloren.

Zweiter Tag startet mit Einser-Duell Kraus gegen Ostapenko

Paszek war heuer im April auch bei den Begegnungen der Europa/Afrika-Gruppe 1 in der türkischen Provinz Antalya nominiert worden und mitgereist, dabei allerdings nicht zum Einsatz gekommen. Das wird sich am Freitag ändern, wenn die 31-jährige Vorarlbergerin erstmals seit Februar 2017 für Österreich aufschlagen wird. Die zweimalige Wimbledon-Viertelfinalistin und Ex-Weltranglisten-26. (aktuelles WTA-Ranking: 492) wird dabei, wie die Auslosung ergab, den Länderkampf eröffnen und wohl ihre ganze Klasse und Routine in die Waagschale werfen müssen, um Lettlands Topstar Jelena Ostapenko (WTA 18) ins Wanken zu bringen. Gestartet wird um 12:45 Uhr (ab 12:40 Uhr live auf ORF SPORT+ und oetv.tv). Gleich im Anschluss folgt das zweite Einzelspiel zwischen Kraus (WTA 197) und Lettlands Nummer zwei Daniela Vismane (WTA 266).

Das ÖTV-Team brennt auf den ersten Spieltag: Katrin Müllner (Physiotherapeutin), Barbara Haas, Melanie Klaffner, Marion Maruska (ÖTV-Teamkapitänin), Sinja Kraus, Tamira Paszek, Werner Farmer (Masseur), Tamara Schandl (Assistentin). © | GEPA pictures/ Walter Luger

Die Aufstellungen für die dritte Partie dürfen bis eine Stunde vorm Spielbeginn geändert werden. Am Samstag um 11:00 Uhr (ab 10:55 Uhr live auf ORF SPORT+ und oetv.tv) wird, nach derzeitigem Stand, Kraus gegen Ostapenko eröffnen. Im vierten Einzelspiel würden Paszek und Vismane einlaufen, fürs Doppel wurden vorläufig Melanie Klaffner und Kraus gegen Diana Marcinkevica und die 15-jährige Beatrise Zeltina aufgeboten. Im Gegensatz zum Davis Cup bei den Herren wird im Billie Jean King Cup das Doppel übrigens nicht als das dritte Match gespielt, sondern als letztes. Sollte es nach den ersten drei Partien 3:0 für eine der beiden Mannschaften stehen, wird das Doppel als „Dead Rubber“ (mit Match Tiebreak bis zehn Punkte im dritten Satz) gespielt. Wenn hingegen die vierte Einzelpartie entscheiden und es darauf 3:1 für eine der Mannschaften stehen sollte, entscheiden die zwei Teams und der ITF-Referee, ob das Doppel noch ausgetragen wird.

Paszeks Weg stimmt nach steinigen Jahren wieder

Paszek war schon bei der letzten Heimbegegnung Österreichs im April 2008 im Aufgebot gestanden und hatte damals beim 2:3 gegen die Schweiz ihre beiden Einzel jeweils nach Satzführung verloren. Nach schwierigen Jahren, in denen die Dornbirnerin bei mehreren Comeback-Versuchen wiederholt durch Verletzungen und Erkrankungen zurückgeworfen worden war, darf sie sich mehr als 14 Jahre darauf also wieder über einen Einzelauftritt in der Heimat im Rahmen eines Länderkampfes freuen. „Mich freut’s natürlich riesig, ein Teil des Teams zu sein – und ich freue mich sehr auf morgen. Ich bin total happy, hier zu sein. Es ist eine sehr spezielle Woche, gerade mit den Mädels.“ Natürlich sei man gegen Lettland diesmal klar Außenseiter, „aber wir sind alle gut drauf, freuen uns, hier zu sein. Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben und die Atmosphäre hier zu genießen. Ich fühle mich gut, bin fit und freue mich zu spielen.“

Hinter Paszek liegen mehrere harte Jahre in der Peripherie und lange Zeit gar außerhalb der WTA-Rankings. Besonders eine Trigeminusneuralgie machte ihr viel zu schaffen und setzte sie lange außer Gefecht, eine chronische Schmerzerkrankung eines Hirnnervs im Gesicht: „Das kann ein Leben lang bleiben, aber ich habe es gut im Griff.“ Die Comeback-Bemühungen musste sie allerdings bei Null beginnen: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht schwer gewesen wäre und wenn ich nicht oft davor gewesen wäre, das Handtuch zu werfen und mich nicht gefragt hätte, wofür ich das alles mache. Ohne Ranking, ohne die Hilfe von Wildcards in die Qualifikation von 15.000er-Turnieren – das waren schon Bedingungen, die ich erst mal zu akzeptieren lernen musste.“ Jetzt sei es „natürlich umso schöner“, wo sie nach ihrer Rückkehr unter die Top 500 der Welt wieder größere Turniere bestreiten könne. „Ich bin zufrieden mit dem Weg. Ich habe das Gefühl, dass es gerade in den letzten Wochen in die richtige Richtung geht.“

Der Traum von der Rückkehr nach Wimbledon

Für 2023 sei es ihr primär wichtig, „gesund zu bleiben und dass ich wirklich mal ein Jahr durchspielen kann.“ Doch es gäbe auch ein ehrgeiziges, sie antreibendes Ziel: „Auf jeden Fall die großen Turniere nochmal spielen können, als nächstes wieder in die Grand-Slam-Qualifikationen zu kommen und mich im Ranking hochzuarbeiten.“ Besonders arbeite sie darauf hin, nach Wimbledon zurückkehren zu können, das sei ihr Traum. Zeitlimits wollte sie sich dabei keine setzen: „Es gibt auch ein Kapitel nach der Karriere. Aber momentan macht es mir wirklich Spaß.“ So auch das Training mit ihrem Freund, dem französischen Ex-ATP-Profi Gleb Sakharov, der 2018 noch die Nummer 153 der Welt war: „Ein besserer Trainingspartner wird schwer zu finden sein“, lächelte Paszek, die zumeist in der Heimat in Dornbirn, zeitweise aber auch in Sakharovs Wohnort Nantes, Frankreich, trainiert. Die erzielten Fortschritte möchte sie gegen Ostapenko unter Beweis stellen. Ein Rezept hat sie schon parat: „Bereit sein, zu laufen und so viele Bälle wie möglich im Spiel halten.“

Maruska ergänzte – im Wissen, dass Ostapenko am Wochenende noch auf Hartplatz bei den WTA Finals in Forth Worth, US-Bundesstaat Texas, im Doppel-Halbfinale im Einsatz war und bis Donnerstag noch nicht in Schwechat trainieren konnte: „Sie hat eine lange Anreise hinter sich. Ich glaube, am Anfang ist es vor allem wichtig, dass man sie auch selbst viel bewegt und sie möglichst viele Bälle schlagen lässt. Sie spielt sehr schnell, aber je mehr Bälle sie schlagen muss, desto größer ist auch die Chance, dass sie etwas fehlerfälliger wird. Gerade am Anfang kann es durch die Umstellung sicher sein, dass es ein Vorteil für uns ist.“ Ihre Entscheidung, Paszek aufzustellen, begründete Maruska so: „Tamira hat in den letzten Wochen einfach sehr gut gespielt. Und der Belag hier kommt ihr auch sehr entgegen, weil der Sand Hardcourt-ähnliche Züge hat und die Bälle flach bleiben. Auch das Training vor Ort, bei dem man ja immer schauen muss, wer am besten drauf ist, hat den Ausschlag gegeben.“ Eine Top-20-Vertreterin und frühere Grand-Slam-Gewinnerin (French Open 2017) wie Ostapenko sei „natürlich sehr schwer zu schlagen – aber ich glaube durchaus, dass beide Spielerinnen das Potential haben, sie zu fordern.“

„Teamküken“ Kraus erstmals als Österreichs Nummer 1 im Einsatz

Sinja Kraus trifft am ersten Spieltag auf Daniela Vismane. ©GEPA pictures/ Walter Luger

Eines sei laut Maruska klar: „Auch wenn das Ranking im Billie Jean King Cup nicht immer so aussagekräftig ist“, seien Erfolge bei diesem Länderkampf sicherlich leichter über die Nummer zwei Lettlands einzufahren. Dies wird am ersten Tag Kraus versuchen, die beim zehnten Einsatz in einer Begegnung für Österreich erstmalig als heimische Nummer eins antreten wird: „Eine Ehre und etwas sehr Besonderes, vor allem als Küken im Team.“ Die Billie-Jean-King-Cup-Woche sei für die erst 20-jährige Wienerin überhaupt „etwas ganz Besonderes, weil das gesamte Team hinter einem steht. Für das eigene Land spielen zu dürfen, ist ohnehin immer was richtig Besonderes. Wir freuen uns alle drauf, wir hoffen, dass viele Leute uns anfeuern kommen, dann wird’s sicher eine gute Stimmung werden.“ Gegen die zwei Jahre ältere Vismane hat Kraus das bisher einzige Duell 2018 bei einem ITF-Damenturnier in Milovice (Tschechien) 6:7 (6), 1:6 verloren, als zu dem Zeitpunkt 16-Jährige. Ihre Auftaktgegnerin sei „eine gute Spielerin, die man erst mal schlagen muss.“

Auch Österreichs Nummer vier im Team, Melanie Klaffner, blickt dem Länderkampf sehr positiv entgegen. Vor allem einem erhofften, weiteren Doppelauftritt mit Kraus, mit der sie toll harmoniere: „Das passt irgendwie. Es ist lustig und macht Spaß. Das ist für mich auch eine Abwechslung.“ Selbst wurde die Oberösterreicherin auch immer wieder durch Verletzungen und Erkrankungen zurückgeworfen, allein in diesem Jahr „zweimal binnen sechs Monaten durch Corona“, beim ersten Mal mit schweren Symptomen, beim zweiten Mal mit längeren Nachwirkungen. „Es passieren leider immer wieder solche Sachen, die man halt nicht planen kann. Es ist schade, wenn man sich am Anfang des Jahres etwas vornimmt, aber man kann nicht alles steuern.“ Haas indes wäre „grundsätzlich in jedem Fall bereit gewesen, Einzel und Doppel zu spielen.“ Dass die Wahl zunächst auf Paszek im Einzel gefallen ist, nahm die Oberösterreicherin sportlich: „Das ist die Entscheidung von Marion gewesen, und diese akzeptiere ich natürlich. Ich bin ein Teamplayer, ich will das Beste für das Team – aber natürlich freue ich mich, wenn ich zum Einsatz komme.“ Selbst befindet sie sich nach einer Handgelenksoperation im September 2021 langsam auf dem Weg zurück nach oben. Die 26-Jährige, die im Februar 2020 schon die Nummer 133 der Welt war, hat ihre Turniersaison heuer früh beendet, will 2023 aber wieder voll angreifen, mit ersten Turnierstarts noch im Dezember des aktuell laufenden Jahres.

Prominente Unterstützung für die Tennisdamen

Österreichs Damen-Nationalauswahl wird auf die Unterstützung vieler teils prominenter Gäste setzen können. Unter anderen werden nämlich Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier, Vizebürgermeister und Sportstadtrat Christian Habisohn (der die Auslosung vom Donnerstag mit ITF-Referee Mihaela Testiban vorgenommen hatte), Niederösterreichs Sportlandesrat Mag. Jochen Danninger, zahlreiche weitere politische Vertreter, die Ex-Teamspielerinnen Barbara Schett-Eagle, Patricia Wartusch und Evelyn Fauth erwartet, seitens des ÖTV zudem Präsident Martin Ohneberg, die Vizepräsidenten Georg Blumauer und Jürgen Roth sowie Vizepräsidentin Elke Romauch, der Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Schweda und etliche Landesverbände mit ihren Vertretern.

Niederösterreichs Sportlandesrat Danninger zeigte sich gespannt aufs bevorstehende Länderspiel gegen Lettland: „Nach dem Davis Cup in Tulln freut es mich sehr, dass der Billie Jean King Cup ebenfalls in Niederösterreich ausgetragen wird. Das Schwechater Multiversum spielt alle Stücke und bietet die besten Vorrausetzungen für das nächste internationale Tennisfest in unserem schönen Bundesland.“ Indes befand Schwechats Vizebürgermeister und Sportstadtrat Habisohn bei der Auslosung: „Wenn ich Schwechat mit einem Wort beschreiben müsste, dann lautet dieses ‚sportbegeistert’. Denn diese Sportbegeisterung, die hier in Schwechat von uns allen gelebt wird – völlig gleich, ob Spitzen- oder Breitensport – ist beinahe einzigartig. Umso größer ist meine Freude, dass wir ein derart hochkarätiges Sportevent wie den Billie Jean King Cup nach Schwechat holen konnten. Das ist wirklich eine große Ehre für unsere Stadt und eine besondere Darbietung für die Vielzahl an Sportenthusiasten, die in dieser Stadt leben. Ich wünsche beiden Mannschaften viel Erfolg, wenngleich ich auch nicht ganz unparteiisch sein werde, wenn es am 11. November hier im Multiversum in die Play-offs geht.“

Das Programm beim Billie Jean King Cup Österreich  Lettland

Freitag, 11. November, 12:45 Uhr: Beginn 1. Spieltag (ab 12:40 Uhr live auf ORF SPORT+ und oetv.tv)

Samstag, 12. November 11:00 Uhr: Beginn 2. Spieltag (ab 10:55 Uhr live auf ORF SPORT+ und oetv.tv)

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