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Australian Open: Bitterer Rückschlag – angeschlagener Thiem unterliegt in Runde 1

Auch für Julia Grabher kommt beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne zum Auftakt das Aus.

Dominic Thiem © | GEPA pictures/ ZUMA Press/ CSM/ Sidney Low

Die Rückkehr zu den Australian Open nach zwei Jahren hat sich Dominic Thiem gewiss anders vorgestellt. Der Melbourne-Finalist von 2020 hat auf seinem so harten, erhofften Weg zurück an die Weltspitze, nach seiner Handgelenksverletzung vom Juni 2021, einen bitteren Rückschlag erlitten. Der 29-Jährige zog sich beim ersten Grand-Slam-Event der neuen Saison, für das er vom Veranstalter eine Hauptbewerbs-Wildcard erhalten hatte, an der linken Körperseite eine Verletzung im Bereich der Rippen bis seitlicher Rücken zu. Daraus resultierend war für Österreichs diesmal einzigen Vertreter im Herren-Hauptfeld gegen die aktuelle Nummer sechs der Welt wenig zu holen: Der Niederösterreicher (ATP 98) unterlag dem fünftgesetzten Russen Andrey Rublev nach 2:10 Stunden Spielzeit in der John Cain Arena mit 3:6, 4:6, 2:6. Der US-Open-Sieger von 2020 hatte als nächstes einen Start beim Davis Cup Kroatien gegen Österreich in Rijeka (4./5. Februar) geplant, danach den ATP-Südamerika-Sandplatz-Swing und hofft, sein Programm beibehalten zu können. Jenes von Julia Grabher beim „Happy Slam“ ist indes gleichfalls abgeschlossen: Auch für Österreichs Nummer eins bei den Damen kam in der Auftaktrunde das Aus. Die Vorarlbergerin (WTA 85) verlor bei ihrer Grand-Slam-Hauptfeld-Premiere gegen die an 16 gesetzte Estin Anett Kontaveit (WTA 19) nach 1:11 Stunden Spielzeit mit 2:6, 3:6.

Spielerisch wieder fast der Alte

Thiem war nach exzellenter Vorbereitung und seinem jüngsten Erfolgserlebnis über den Weltranglisten-17. Frances Tiafoe (USA) beim letztwöchigen Einladungsturnier Kooyong Classic, trotz seines schweren Loses, doch mit einiger Zuversicht in die Australian Open gegangen, traut es sich gemäß eigenen Aussagen zu, auch die Besten zumindest wieder ärgern zu können. Dementsprechend trat er im siebten Duell mit Rublev zunächst auf, er erinnerte knapp einen Satz lang wiederholt an seine besten Zeiten, konnte auch von der Vorhand wieder mit seiner altgewohnten Härte zuschlagen und sich mit seinem bekannt schlaggewaltigen Kontrahenten (teils erfolgreiche) Highspeed-Schlagabtäusche liefern. Doch ein starkes Returngame von Rublev bei 4:3 entschied den Eröffnungssatz dennoch zu Thiems Ungunsten. Im zweiten Durchgang war bei ihm danach eine Beeinträchtigung festzustellen. Diese äußerte sich beim Schützling von Nicolas Massu vor allem in einem oftmaligen Geschwindigkeitsverlust beim Aufschlag und in offensichtlichen Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, auch ein dafür in Anspruch genommenes Medical Timeout brachte dabei keine entscheidende Besserung. „Ich habe versucht, den Ball weiter links zu werfen beim Aufschlag – weil die Sonne schlecht gestanden ist. Da habe ich’s mir ein bisschen gezerrt. Dann habe ich nicht mehr gescheit servieren können, und dann wird’s natürlich sehr, sehr schwer gegen einen Gegner wie Rublev“, erklärte er nach der Partie den Verletzungshergang und dessen Auswirkungen.

Die Pressekonferenz mit Dominic Thiem nach seinem Match:

Thiem kämpfte zwar weiter, konnte körperlich aber nicht mehr zulegen – auf höchstem Niveau einem sportlichen Todesurteil gleichkommend. Trotzdem entschied den zweiten Durchgang neuerlich nur ein Break, als er – nach zuvor je zwei Breakchancen auf beiden Seiten – den Aufschlag nach aufgeholtem 0:40 letztlich doch zum 4:5 abgeben musste. Im dritten Abschnitt konnte Thiem zu Beginn zwar neuerlich ein 0:40 drehen und gesamt vier Breakbälle abwehren, kam allerdings nach dem 1:0 trotz knapper Spiele erst bei 1:5 nochmal zu einem Gamegewinn. Wenig später musste er seinem guten Freund zum Sieg gratulieren – zum fünften Mal in Folge bei Kräftemessen der beiden. Bei Thiem überwog nach den vielversprechenden Vorzeichen hinsichtlich der neuen Saison naturgemäß die Enttäuschung. Für ihn ist es die zweite Auftaktniederlage bei den Australian Open nach 2015. In sportlicher Hinsicht hinterließ das erste Duell mit einem Top-Ten-Mann in einem offiziellen Match seit seinem US-Open-Coup 2020 dennoch immerhin den Eindruck, dass die Lücke zur absoluten Weltspitze ein weiteres Stück kleiner geworden ist. Einzig: „Der Fitnesspart, der körperliche Part, das muss zu 100 Prozent passen, vor allem bei Grand-Slam-Turnieren“, sagte Thiem. „Das war heute leider nicht der Fall.“ Bis zu dem Problem sei das Spiel „eng und offen“ gewesen. „Ich finde, der erste Satz war gar nicht schlecht, war ausgeglichen.“ Der Lichtenwörther trauerte den beiden vergebenen Breakbällen am Anfang des zweiten Satzes jedoch nach: „Eine hätte ich definitiv verwerten müssen.“

Grabher „alles andere als zufrieden und mega enttäuscht“

Einige Minuten nach Thiems Matchende betrat auch Österreichs zweite und gleichzeitig letzte Hauptbewerbs-Hoffnung in Melbourne den Platz. Zunächst allerdings nur für zwei Games: Grabher und Kontaveit mussten beim Spielstand von 1:1 für knapp drei Stunden wegen der Hitzeregelung bei den Australian Open warten, ehe es weitergehen durfte. In der Fortsetzung knüpfte Grabher anfangs an ihren guten Beginn an – sie hatte gleich im ersten Game einen Breakball vorgefunden –, verabsäumte es jedoch, das 3:3 zu machen und kassierte nach einem Spielball bei der zweiten Breakchance das 2:4 und schließlich nach 30:15 das Doppelbreak zum 2:6. Im zweiten Satz kämpfte sie sich nach einem 4:0 und zwei Spielbällen Kontaveits zum 5:0 noch auf 4:2 und 5:3 heran, doch ihre Gegnerin servierte anschließend aus. Grabher beging mehr Risiko, kam letztlich auf mehr Winner (16:14) und eine höhere Gewinnquote über den ersten Aufschlag (74 Prozent gegenüber 68 Prozent), verbuchte aber bloß 32 Prozent der Punkte über ihren zweiten Aufschlag – Kontaveit hingegen 59 Prozent. Die ballsicherere baltische Spitzenspielerin sicherte sich dadurch am Ende verdient ihren Platz in der zweiten Runde und auch beim zweiten Duell mit Grabher den Sieg: Im Februar 2020 hatte Kontaveit im Billie Jean King Cup in Tallinn damals klar mit 6:1, 6:2 die Oberhand behalten.

Diesmal konnte Grabher zwar etwas stärkere Gegenwehr leisten, zeigte sich jedoch im Nachgang auf ihrer offiziellen facebook-Fanseite „alles andere als zufrieden und mega enttäuscht“, wie sie bekannte. „Die hitzebedingte Unterbrechung gleich zu Beginn war kein Problem, im Gegenteil, ich habe gut in die Partie reingefunden, nach dem Break zum 2:4 ist dann aber der Faden komplett gerissen. Ich habe in Folge weder gut serviert noch retourniert, was von einer Spielerin mit dieser Topqualität sofort bestraft wird. Hinten raus habe ich mich spielerisch zwar wieder etwas gefangen, aber das kam leider zu spät. Unterm Strich bin richtig sauer, ich habe nicht das auf den Platz gebracht, was ich draufhabe und mir vorgenommen habe. Jetzt ist Frustbewältigung und ein wenig Abstand angesagt, dann schauen wir weiter.“

Hier alle Ergebnisse der Australian Open in Melbourne.

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