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ATP-Challenger/ITF-Tour: Erler/Miedler und Neuchrist erst in Finals gestoppt

Österreichs Profis haben eine erfolgreiche Woche auf internationaler Ebene hinter sich.

Lucas Miedler, Alexander Erler ©GEPA pictures/ Matic Klansek

Während beim ITF-Heimturnier in Warmbad Villach Sinja Kraus mit dem W25-Turniersieg ihren größten Karriereerfolg feierte und Sandro Kopp den Doppelbewerb gewann, waren Österreichs Herren in der vergangenen Woche auch im Ausland erfolgreich. So erreichte Filip Misolic beim ATP-Challenger in Tunis, wie berichtet, sein zweites Halbfinale in Folge nach dem Triumph in Zagreb in der Woche davor. Im Doppel standen in der tunesischen Hauptstadt Alexander Erler und Lucas Miedler im Finale. Dieses haben die beiden jedoch am Sonntag verloren. Und auch Max Neuchrist zeigte beim ITF-M25-Turnier in Most sehr gelungene Auftritte und musste sich ebenfalls erst im Endspiel geschlagen geben.

Erler mit neuem Career High, Miedler erstmals Top 100

Erler/Miedler waren beim ATP-Sandplatz-Challenger der Kategorie 80 mit lediglich einem Satzverlust im Halbfinale ins Finale der Topgesetzten eingezogen. Dort zog die Nummer-eins-Paarung gegen die zweitgereihten Nicolas Barrientos (Kolumbien) und Miguel Angel Reyes-Varela (Mexiko) nach rund 100-minütigem Fight mit 7:6 (3), 3:6 und 9:11 im Match Tiebreak den Kürzeren. Die beiden gewannen zwar den ersten Satz nach 0:2-Rückstand, waren aber im zweiten deutlich unterlegen. In der Entscheidung führten sie nur kurz mit 3:1, konnten dann ein 3:6, 4:7, 6:8 und 7:9 im letzten Augenblick noch egalisieren, doch beim dritten Matchball machten Barrientos/Reyes-Varela den Sack zu. Für Erler/Miedler war’s dennoch eine sehr gelungene Woche, auch wenn sie ihren sechsten gemeinsamen Doppeltitel, den fünften auf Challenger-Ebene, hauchdünn verpassten.

„Das Finale war natürlich sehr bitter – aber so ist es nun mal im Doppel. Da entscheiden meist ein, zwei Punkte, und das Glück war heute eben nicht auf unserer Seite. Trotzdem war es wieder eine gute Woche“, meinte Erler gegenüber dem ÖTV. Für Miedler war es im Einzel „natürlich bitter, gleich gegen Misolic zu spielen. Er ist sehr gut drauf und hat’s im dritten Satz sehr gut gespielt und ist mir gleich davongelaufen. Im Doppel ist die Woche natürlich positiv gewesen, auch wenn es knapp nicht gereicht hat. Wir hätten aber auch schon im Halbfinale verlieren können. Wir haben beide sehr gut gespielt.“ Freuen konnte sich der 25-Jährige außerdem über den damit geschafften, erstmaligen Einzug unter die Top 100 der Doppelweltrangliste: „Es ist natürlich so eine Marke, die man gern erreichen will.“ Die dennoch nur ein Zwischenschritt bleiben soll: „Im Doppel muss man, wenn man wirklich was reißen will, noch weiter vorn stehen. Wenn man bei den größeren Turnieren drinnen sein will, muss man Richtung Top 50 gehen. Wir müssen schauen, dass wir jede Woche so spielen und weiter Punkte machen, bis Kitzbühel vor allem – da haben wir das erste große Ergebnis zu verteidigen.“

Miedler ist nun die Nummer 95 im Doppelranking, Erler verbesserte sein Career High gar auf Platz 83. Damit haben die beiden ihre Chancen, in Wimbledon ihr Grand-Slam-Debüt geben zu können. Erler zeigte sich diesbezüglich zuversichtlich: „Wir werden weiter Gas geben, dann kommen die Resultate.“ Bemerkenswert war übrigens die Einstellung: Nach dem am Samstag am frühen Nachmittag verlorenen Doppelfinale reisten die beiden über den Flughafen München schnell zurück nach Österreich – und am Sonntag stand Miedler bereits wieder in der IMMOunited Bundesliga für Irdning in Dornbirn auf dem Platz. Noch dazu erfolgreich, mit Siegen im Einser-Einzel und Einser-Doppel.

Neuchrist: Trotz Einzelfinale Doppelspezialisierung geplant

Für Neuchrist bestand indes keinerlei Möglichkeit, seinen Wiener Athletiksport Club beim Bundesliga-Start gegen den TC Raiffeisen Schwaz zu unterstützen (seine Teamkollegen meisterten die Hürde aber auch ohne ihn souverän). Das freilich aus erfreulichem Grund: Der 30-Jährige stürmte in Most mit vier Zweisatz-Erfolgen ins sonntägige Endspiel. Der siebtgereihte Wiener besiegte den Weißrussen Mikalai Haliak 7:6 (5), 6:0, den deutschen Qualifikanten Michel Hopp 6:3, 6:3, den Tschechen Pavel Nejedly 6:3, 6:2 und schließlich den fünftgesetzten Deutschen Rudolf Molleker 7:6 (5), 6:3. Erst gegen den achtgereihten Tschechen Andrew Paulson, der im gesamten Turnierverlauf aber lediglich 24 Spiele und keinen einzigen Satz verlor, war mit 3:6, 3:6 Schluss und wurde der erste internationale Einzeltitel seit Ende April 2018 verpasst.

„Grundsätzlich muss ich mit der Woche trotzdem sehr zufrieden sein“, befand Neuchrist gegenüber dem ÖTV. „Ich habe mir nicht allzu viel erwartet, weil ich zum Turnier von der italienischen Liga aus Perugia kommend 2000 Kilometer hingehetzt bin. Ich bin deshalb erst sehr spät angekommen, hatte von der Fahrt einen steifen Nacken, habe mich nicht wirklich super gefühlt. Ich war im ersten Match eigentlich extrem leer, aber mein Gegner hat nicht so stark gespielt. Und dann hat das Turnier Fahrt aufgenommen. Gefühlt habe ich trotzdem nicht so wirklich mein Spiel gefunden, vor allem meine Serviceleistung war nicht so ansprechend, auch mit einem relativ niedrigen Percentage – was untypisch ist, denn normal versagt bei mir alles, nur nicht der Aufschlag. Aber ich habe mich in dieser Woche gut bewegt und gut gekämpft. Meine beste Partie habe ich – vom Matchplan und der Taktik her – sicher gegen Nejedly gespielt, der stärker ist als sein Ranking.“ Den auf dem Papier eigentlich besten Sieg schätzte Neuchrist nicht so hoch ein: „Gegen Molleker war es sehr windig, die Plätze dort waren eine Sandgrube. Er hat schlichtweg im ersten Satz die Nerven weggeschmissen. Meine Leistung hat primär darin bestanden, den Mund zu halten und den Ball reinzuspielen. Den Rest hat Rudi selbst gemacht. Das nimmt man aber natürlich.“

Finalgegner Paulson habe „die ganze Woche schon richtig ansprechend gespielt, stark serviert und returniert, aggressiv gespielt. Und ich habe auch im Finale bloß 53 Prozent erste Aufschläge im Feld gehabt. Das ist gegen so einen dann zu wenig.“ Das Fazit des Wieners war trotzdem positiv: „Es zeigt: Wenn der Körper gesund ist, kann man einfach mit probieren, laufen und kämpfen vieles machen. Wenn ich nicht gehandicapt bin, dann kann ich im Einzel halbwegs reüssieren.“ Dennoch ist der Weg zu ertragreichen Ranking-Positionen für den aktuellen Weltranglisten-494. weit, weshalb für ihn auch der Umstieg aufs Doppel ein Thema ist: „Ich will mich darauf spezialisieren. Es wird hoffentlich aber erst mal die erste Saison seit gefühlt einer Ewigkeit, die ich voll durchspielen kann, ohne größere Verletzungen. Und danach werde ich resümieren und kann ich mich immer noch weiterorientieren.“ In den nächsten Wochen stehen für den (mittlerweile größtenteils in Neuchâtel beim argentinischen Ex-Profi Pablo Minutella sowie beim Schweizer Verband trainierenden) Österreicher zunächst aber mal in erster Linie Ligaauftritte in der Heimat und in Deutschland auf dem Programm.

Hier alle Ergebnisse vom ATP-Challenger in Tunis.

Hier alle Ergebnisse vom ITF-M25-Turnier in Most.

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