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Zwei Mal konnten ÖTV-Teams bisher das Semifinale erreichen. Nach der 4:1 in Guimaraes gegen Portugal verlor das SIMACEK AUSTRIAN Davis Cup Team im Juli 2016 in der zweiten Runde der Europa/Afrika-Zone 1 in Kiew gegen die Ukraine mit 2:3. Damit ist das Spieljahr für die Nationalmannschaft beendet. Weiter geht's von 7. bis 9. April 2017 in Weißrussland.

Die Österreicher in der Ukraine ©GEPA-Pictures

Der Davis Cup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Herren-Tennis. Er wird jedes Jahr unter über hundert Nationen in Gruppen (Weltgruppe, Europa-Afrika-Zone, Asia-Oceania-Zone, Americas-Zone) und Runden ausgespielt. Veranstalter ist die International Tennis Federation (ITF). Jede Runde zwischen zwei Mannschaften wird an drei Tagen in vier Einzeln und einem Doppel gespielt. Alle Einzelpartien und auch die Doppelpartie werden über drei Gewinnsätze (Best-Of-Five) gespielt. Eine Ausnahme gilt dann, wenn eine Mannschaft bereits drei Partiegewinne erzielt hat und damit als Sieger der Davis Cup-Partie feststeht. Dann entscheiden die beiden Mannschaften, ob die verbleibenden Partien noch ausgetragen werden. Ist das der Fall, werden diese nurmehr über zwei Gewinnsätze gespielt. Auch die Reihenfolge der Partien ist vorgegeben: Zuerst werden die ersten beiden Einzelpartien ausgetragen, danach die Doppelpartie. Den Abschluss bilden die beiden übrigen Einzelpartien. 

Legendäre Erfolge, die in Österreichs Sportgeschichte eingegangen sind

Österreichs größter Erfolg im Mannschaftsbewerb Davis Cup war im Jahr 1990 das Erreichen des Halbfinales, als das Team um Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch durch eine knappe 2:3-Niederlage gegen die USA den Einzug ins Finale verpasste. Für den ganz großen Tennisboom in Österreich hatten die Davis Cup-Erfolge der "Musketiere" Muster, Antonitsch und Skoff (verstorben am 7. Juni 2008) gesorgt: Mit dem 5:0 über Großbritannien in Zell am See stießen sie 1988 erstmals in die noch junge Weltgruppe vor, in der sie mit dem legendären 5:0 gegen Australien 1989 im Wiener Dusikastadion debütierten. Mit den Siegen erreichten die seit Jahren schwelenden persönlichen Rivalitäten zwischen den Spielern ein kaum noch erträgliches Maß, aber selbst das trug zur Popularität bei. Als Muster durch seine schwere Verletzung (1989 hatte ihn vor dem Finale in Key Biscayne ein Betrunkener mit dem Auto niedergestoßen; Anm.) ausfiel, ging das Viertelfinale gegen Schweden 2:3 verloren. Aber das 9:7 im fünften Satz nach 6 Stunden und 4 Minuten für Horst Skoff gegen den großen Mats Wilander bleibt unvergesslich.

2:3-Niederlage gegen die USA im Prater-Stadion: "Ein Jahrhundert-Ereignis!"

Gipfeltreffen: Andre Agassi und Thomas Muster ©GEPA-Pictures

1990 feierte Muster dann sein Comeback - Österreich gewann 3:2 gegen die Spanier in Barcelona! Es folgte ein 5:0 über Italien in Wien, mit dem Österreich erstmals in der Geschichte des Davis Cup ein Semifinale erreichte. Was dann im Wiener Praterstadion vor täglich bis zu 17.000 Zuschauern (insgesamt waren es ca. 40.000; Anm.) passierte, ist längst in Österreichs Sportgeschichte eingegangen: Die USA siegten 3:2, weil Horst Skoff zum Schluss nach 2:0-Satzführung gegen Michael Chang noch unterlag. Nur ein Satz hatte dem ÖTV-Team im Halbfinale zur Sensation gefehlt. Thomas Muster hatte damals mit Siegen über Andre Agassi und Michael Chang für die beiden Punkte gesorgt. Ex-Davis Cup-Kapitän Gilbert Schaller erinnert sich zurück. "Gegen Amerika zu Hause im Praterstadion, das war aus österreichischer Sicht für den Tennissport ein Jahrhundert-Ereignis." Nicht vergessen werden dürfen aber auch die gemeinsamen Siege in Uruguay und über Spanien in Wien sowie die fast im Alleingang errungenen Davis Cup-Erfolge für Alex Antonitsch 1992 in Kanada und 1993 in Neuseeland sowie von Gilbert Schaller 1997 gegen Kroatien. Herausragend wird aber auch immer die gewaltige Willensleistung Musters beim 2:3 gegen Deutschland in Unterpremstätten bleiben, als er Michael Stich, Sieger in Wimbledon und Paris, mit 6:4, 6:7, 4.6, 6:3, 12:10 niederrang. 

2014: Thiem gibt Debüt gegen Slowakei

In der jüngeren Vergangenheit war Österreichs Davis Cup-Team nicht unbedingt von Glück verfolgt: Nach der Niederlage gegen die Niederlande im Weltgruppen-Playoff des Jahres 2013 musste sich Österreich auch im Viertefinale der Europa-Afrika-Zone im Auswärtsduell gegen die Slowakei von 4. bis 6. April 2014 in Bratislava 1:4 geschlagen geben. Dominic Thiem unterlag bei seiner Davis Cup-Premiere Norbert Gombos in vier Sätzen, Andreas Haider-Maurer ging gegen Lukas Lacko über fünf Sätze, musste sich aber dennoch geschlagen geben. Nachdem am zweiten Spieltag auch das Doppel-Duo Alexander Peya / Dominic Thiem nach fünf Sätzen gegen Martin Klizan / Michal Mertinak nicht als Sieger vom Platz gehen konnten, lag die Slowakei damit uneinholbar mit 3:0 in Führung. Haider-Maurer sorgte gegen Gombos noch für den Ehrenpunkt. Nach Gerald Melzers Niederlage gegen Lacko lautete das Endergebnis zwischen Slowakei und Österreich 4:1.

Klassenerhalt gegen Lettland geschafft

Somit ging es im September auswärts in der Kleinstadt Valmiera gegen Lettland um den Klassenerhalt in der zweithöchsten Spielstufe. Diesen schafften Jürgen Melzer, Martin Fischer, Philipp Oswald und Alexander Peya mit einem 4:1-Sieg souverän. Fischer hatte das Team mit einem klaren Erfolg gegen Andis Juska in Führung gebracht, die Melzer mit einem ebenso deutlichen Erfolg gegen Janis Podzus ausbaute. Nach dem verlorenen Doppel am Samstag entschied Melzer die Partie mit einem deutlichen Drei-Satz-Sieg über Mikelis Libietis. Die Draufgabe war der Sieg von Martin Fischer im "Dead Rubber" gegen Podzus. Bei Lettland kam Topstar Ernests Gulbis nach vielen Spekulationen im Vorfeld der Begegnung nur im Doppel zum Einsatz.

Sieg in Schweden nach 1:2-Rückstand

Bei der ersten Begegnung der Saison 2015 setzte sich Österreich in Örebro gegen Schweden mit 3:2 durch (Bild links). Beim Debüt von Stefan Koubek als Davis Cup-Kapitän holten Andreas Haider-Maurer (gegen Elias Ymer) und Gerald Melzer (gegen Christian Lindell) am Sonntag mit ihren Einzel-Siegen einen 1:2-Rückstand auf. Davor hatte Haider-Maurer am Freitag Lindell souverän bezwungen, Jürgen Melzer verlor jedoch eine Fünf-Satz-Partie gegen Ymer, im Doppel hatten sich Melzer und Alexander Peya den schwedischen Routiniers Robert Lindstedt / Johan Brunström geschlagen geben müssen.

Die Niederländer waren zu stark in Kitzbühel

Gegner in der zweiten Runde der Europa/Afrika-Zone I waren von 17. bis 19. Juli die Niederlande. Erstmals seit Februar 2012 hatte Österreich in einer Davis Cup-Begegnung wieder Heimrecht, Austragungsort war erstmals in der österreichischen Davis Cup-Geschichte Kitzbühel. Die Gäste, angeführt vom zweifachen Kitzbühel-Sieger Robin Haase, lieferten eine grundsolide Leistung ab, siegten 3:2. Für die Österreicher - in Kitz spielten Dominic Thiem, Andreas Haider-Maurer, Jürgen Melzer und Oliver Marach statt des verletzen Alex Peya - war das Davis Cup-Jahr vorbei.

Thiem holt drei Punkte in Portugal

Das siegreiche Team in Guimaraes ©GEPA-Pictures

2016 startete das Team von Stefan Koubek wieder in der Europa/Afrika-Zone I und gewann die Erstrundenbegegnung in Portugal 4:1. Nach dem Fünfsatz-Sieg gegen Gastao Elias und dem Fünfsatz-Sieg mit Alex Peya gegen Sousa/Elias hatte es Dominic Thiem bei seinem dritten Davis-Cup-Einsatz in Portugal eiliger: Der Weltranglisten-14. besiegte den Weltranglisten-37. Joao Sousa in 1:35 Stunden 6:2, 6:4, 6:2 und stellte auf 3:1 für Österreich. Das bedeutungslose Abschluss-Einzel gewann Dennis Novak gegen Pedro Sousa 6:4, 6:3.

Jürgen Melzer und das Comeback des Jahrzehnts

In der zweiten Runde verlor die Nationalmannschaft in Kiew gegen die Ukraine 2:3. Herausragend war dabei Jürgen Melzer, der nach zehnmonatiger Verletzungspause sein Comeback gab und zwei Punkte beisteuerte. Zum Auftakt verlor Dennis Novak gegen Ilya Marchenko nach guten 4:02 Stunden 6:7 (3), 7:5, 3:6, 2:6. Gerald Melzer hatte beim 3:6, 4:6, 3:6 gegen Sergiy Stakhovsky keine Chance. Am zweiten Tag setzten sich Jürgen Melzer und Philipp Oswald gegen Molchanov/Smirnov klar in drei Sätzen durch und verkürzten auf 1:2, ehe am Schlusstag Jürgen statt Gerald Melzer einlief. Sensationell, wie der 35-Jährige sein erstes ernst zu nehmendes Match nach der Operation bestritt und Marchenko mit 3:6, 6:3, 3:6, 7:5, 6:3 in die Knie zwang. Beim Stand von 2:2 musste sich Dennis Novak im entscheidenden Einzel Sergiy Stakhovsky trotz sehr guter Leistung mit 3:6, 3:6, 7:6 (8), 5:7 beugen. Das Tennisjahr 2016 war somit für die Nationalmannschaft beendet.

Im April fliegt das Team nach Weißrussland

Nach einem Freilos in der 1. Runde der Europa/Afrika-Zone 1 wartete nicht nur Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek gespannt auf den Zweitrundengegner, der in Minsk zwischen Weißrussland und Rumänien ermittelt wurde. Bei einem Sieg der Gäste hätte Österreich von 7. bis 9. April 2017 ein Heimspiel austragen dürfen. Weil aber die Weißrussen 3:2 siegten, muss Österreich auswärts antreten – das entschied das Los, weil es noch kein Aufeinandertreffen der beiden Tennis-Nationen gegeben hat. 

Matchwinner der Weißrussen war Egor Gerasimov, die Nr. 341 im ATP-Computer, der zwei Punkte beisteuerte. Auch der zweite Einzelspieler, Ilya Ivashka, liegt vom Ranking her als Nr. 175  in überschaubarer Schlagdistanz mit den Österreichern. Haudegen Max Mirnyi holte mit dem Doppel einen Punkt.

„Dieser Los-Entscheid ist natürlich extrem bitter“, sagt ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda. „Wir hätten unseren Tennis-Fans natürlich gern ein Heimspiel serviert.“ Die Zweitrunden-Partie hätte in Österreich auf Sand stattgefunden, damit sich die Spitzenspieler auf den ATP-Klassiker in Monte Carlo einstimmen hätten können. Fast anzunehmen, dass die Weißrussen erneut einen Hartplatz verlegen werden. „Jedenfalls werden wir alles daran setzen, mit der stärksten Mannschaft anzureisen.“ Gewinnt das rot-weiß-rote Team in Weißrussland, geht’s von 15. bis 19. September in der Relegation zur Weltgruppe weiter.

Auch ÖTV-Präsident Robert Groß ist über die Auswärtspartie wenig erfreut. „Freilich muss man es nehmen, wie es kommt. Aber wir waren mit den Planungen für ein Heimspiel schon in einer fortgeschrittenen Phase, hätten die Möglichkeit gehabt, ein ordentliches Event auf die Beine zu stellen. Jedenfalls ist Weißrussland ein unangenehmer Gegner, auch wenn sie von den Platzierungen nicht so gut da stehen. Leichtes Spiel werden wir in der aufgeheizten Davis-Cup-Atmosphäre keines haben.“

Letzte Begegnung, Europa-Afrika-Zone I (15. - 17. 7. 2016), 2. Runde

Ukraine - Österreich in Kiew (Hartplatz/Freiluft) 3:2

Erster Spieltag

Ilja Marchenko - Dennis Novak 7:6 (3), 5:7, 6:3, 6:2
Sergiy Stakhovsky - Gerald Melzer 6:3, 6:4, 6:3
Zweiter Spieltag
Denys Molchanov/Artem Smirnov - Jürgen Melzer/Philipp Oswald 3:6, 6:7 (7), 3:6
Dritter Spieltag
Marchenko - J. Melzer 6:3, 3:6, 6:3, 5:7, 3:6
Stakhovsky - Novak 6:3, 6:3, 6:7 (8), 7:5