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Nach einem Freilos in Runde eins, verlor das österreichische Davis-Cup-Team im April 2017 in der zweiten Runde der Europa/Afrika-Zone 1 in Minsk gegen Weißrussland mit 1:3. Von 15. bis 17. September spielte die Nationalmannschaft in Wels gegen Rumänien um den Klassenerhalt und siegte mit 4:1. Erster Gegner 2018 ist erneut Weißrussland, diesmal daheim.

Das Daviscup-Team in Wels 2017. ©GEPA-Pictures

Der Davis Cup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Herren-Tennis. Er wird jedes Jahr unter über hundert Nationen in Gruppen (Weltgruppe, Europa-Afrika-Zone, Asia-Oceania-Zone, Americas-Zone) und Runden ausgespielt. Veranstalter ist die International Tennis Federation (ITF). Jede Runde zwischen zwei Mannschaften wird an drei Tagen in vier Einzeln und einem Doppel gespielt. Alle Einzelpartien und auch die Doppelpartie werden über drei Gewinnsätze (Best-Of-Five) gespielt. Eine Ausnahme gilt dann, wenn eine Mannschaft bereits drei Partiegewinne erzielt hat und damit als Sieger der Davis Cup-Partie feststeht. Dann entscheiden die beiden Mannschaften, ob die verbleibenden Partien noch ausgetragen werden. Ist das der Fall, werden diese nurmehr über zwei Gewinnsätze gespielt. Auch die Reihenfolge der Partien ist vorgegeben: Zuerst werden die ersten beiden Einzelpartien ausgetragen, danach die Doppelpartie. Den Abschluss bilden die beiden übrigen Einzelpartien. 

Legendäre Erfolge, die in Österreichs Sportgeschichte eingegangen sind

Österreichs größter Erfolg im Mannschaftsbewerb Davis Cup war im Jahr 1990 das Erreichen des Halbfinales, als das Team um Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch durch eine knappe 2:3-Niederlage gegen die USA den Einzug ins Finale verpasste. Für den ganz großen Tennisboom in Österreich hatten die Davis Cup-Erfolge der "Musketiere" Muster, Antonitsch und Skoff (verstorben am 7. Juni 2008) gesorgt: Mit dem 5:0 über Großbritannien in Zell am See stießen sie 1988 erstmals in die noch junge Weltgruppe vor, in der sie mit dem legendären 5:0 gegen Australien 1989 im Wiener Dusikastadion debütierten. Mit den Siegen erreichten die seit Jahren schwelenden persönlichen Rivalitäten zwischen den Spielern ein kaum noch erträgliches Maß, aber selbst das trug zur Popularität bei. Als Muster durch seine schwere Verletzung (1989 hatte ihn vor dem Finale in Key Biscayne ein Betrunkener mit dem Auto niedergestoßen; Anm.) ausfiel, ging das Viertelfinale gegen Schweden 2:3 verloren. Aber das 9:7 im fünften Satz nach 6 Stunden und 4 Minuten für Horst Skoff gegen den großen Mats Wilander bleibt unvergesslich.

2:3-Niederlage gegen die USA im Prater-Stadion: "Ein Jahrhundert-Ereignis!"

Gipfeltreffen: Andre Agassi und Thomas Muster ©GEPA-Pictures

1990 feierte Muster dann sein Comeback - Österreich gewann 3:2 gegen die Spanier in Barcelona! Es folgte ein 5:0 über Italien in Wien, mit dem Österreich erstmals in der Geschichte des Davis Cup ein Semifinale erreichte. Was dann im Wiener Praterstadion vor täglich bis zu 17.000 Zuschauern (insgesamt waren es ca. 40.000; Anm.) passierte, ist längst in Österreichs Sportgeschichte eingegangen: Die USA siegten 3:2, weil Horst Skoff zum Schluss nach 2:0-Satzführung gegen Michael Chang noch unterlag. Nur ein Satz hatte dem ÖTV-Team im Halbfinale zur Sensation gefehlt. Thomas Muster hatte damals mit Siegen über Andre Agassi und Michael Chang für die beiden Punkte gesorgt. Ex-Davis Cup-Kapitän Gilbert Schaller erinnert sich zurück. "Gegen Amerika zu Hause im Praterstadion, das war aus österreichischer Sicht für den Tennissport ein Jahrhundert-Ereignis." Nicht vergessen werden dürfen aber auch die gemeinsamen Siege in Uruguay und über Spanien in Wien sowie die fast im Alleingang errungenen Davis Cup-Erfolge für Alex Antonitsch 1992 in Kanada und 1993 in Neuseeland sowie von Gilbert Schaller 1997 gegen Kroatien. Herausragend wird aber auch immer die gewaltige Willensleistung Musters beim 2:3 gegen Deutschland in Unterpremstätten bleiben, als er Michael Stich, Sieger in Wimbledon und Paris, mit 6:4, 6:7, 4.6, 6:3, 12:10 niederrang. 

2014: Thiem gibt Debüt gegen Slowakei

In der jüngeren Vergangenheit war Österreichs Davis Cup-Team nicht unbedingt von Glück verfolgt: Nach der Niederlage gegen die Niederlande im Weltgruppen-Playoff des Jahres 2013 musste sich Österreich auch im Viertefinale der Europa-Afrika-Zone im Auswärtsduell gegen die Slowakei von 4. bis 6. April 2014 in Bratislava 1:4 geschlagen geben. Dominic Thiem unterlag bei seiner Davis Cup-Premiere Norbert Gombos in vier Sätzen, Andreas Haider-Maurer ging gegen Lukas Lacko über fünf Sätze, musste sich aber dennoch geschlagen geben. Nachdem am zweiten Spieltag auch das Doppel-Duo Alexander Peya / Dominic Thiem nach fünf Sätzen gegen Martin Klizan / Michal Mertinak nicht als Sieger vom Platz gehen konnten, lag die Slowakei damit uneinholbar mit 3:0 in Führung. Haider-Maurer sorgte gegen Gombos noch für den Ehrenpunkt. Nach Gerald Melzers Niederlage gegen Lacko lautete das Endergebnis zwischen Slowakei und Österreich 4:1.

Klassenerhalt gegen Lettland geschafft

Somit ging es im September auswärts in der Kleinstadt Valmiera gegen Lettland um den Klassenerhalt in der zweithöchsten Spielstufe. Diesen schafften Jürgen Melzer, Martin Fischer, Philipp Oswald und Alexander Peya mit einem 4:1-Sieg souverän. Fischer hatte das Team mit einem klaren Erfolg gegen Andis Juska in Führung gebracht, die Melzer mit einem ebenso deutlichen Erfolg gegen Janis Podzus ausbaute. Nach dem verlorenen Doppel am Samstag entschied Melzer die Partie mit einem deutlichen Drei-Satz-Sieg über Mikelis Libietis. Die Draufgabe war der Sieg von Martin Fischer im "Dead Rubber" gegen Podzus. Bei Lettland kam Topstar Ernests Gulbis nach vielen Spekulationen im Vorfeld der Begegnung nur im Doppel zum Einsatz.

Sieg in Schweden nach 1:2-Rückstand

Bei der ersten Begegnung der Saison 2015 setzte sich Österreich in Örebro gegen Schweden mit 3:2 durch (Bild links). Beim Debüt von Stefan Koubek als Davis Cup-Kapitän holten Andreas Haider-Maurer (gegen Elias Ymer) und Gerald Melzer (gegen Christian Lindell) am Sonntag mit ihren Einzel-Siegen einen 1:2-Rückstand auf. Davor hatte Haider-Maurer am Freitag Lindell souverän bezwungen, Jürgen Melzer verlor jedoch eine Fünf-Satz-Partie gegen Ymer, im Doppel hatten sich Melzer und Alexander Peya den schwedischen Routiniers Robert Lindstedt / Johan Brunström geschlagen geben müssen.

Die Niederländer waren zu stark in Kitzbühel

Gegner in der zweiten Runde der Europa/Afrika-Zone I waren von 17. bis 19. Juli die Niederlande. Erstmals seit Februar 2012 hatte Österreich in einer Davis Cup-Begegnung wieder Heimrecht, Austragungsort war erstmals in der österreichischen Davis Cup-Geschichte Kitzbühel. Die Gäste, angeführt vom zweifachen Kitzbühel-Sieger Robin Haase, lieferten eine grundsolide Leistung ab, siegten 3:2. Für die Österreicher - in Kitz spielten Dominic Thiem, Andreas Haider-Maurer, Jürgen Melzer und Oliver Marach statt des verletzen Alex Peya - war das Davis Cup-Jahr vorbei.

Thiem holt drei Punkte in Portugal

Das siegreiche Team in Guimaraes ©GEPA-Pictures

2016 startete das Team von Stefan Koubek wieder in der Europa/Afrika-Zone I und gewann die Erstrundenbegegnung in Portugal 4:1. Nach dem Fünfsatz-Sieg gegen Gastao Elias und dem Fünfsatz-Sieg mit Alex Peya gegen Sousa/Elias hatte es Dominic Thiem bei seinem dritten Davis-Cup-Einsatz in Portugal eiliger: Der Weltranglisten-14. besiegte den Weltranglisten-37. Joao Sousa in 1:35 Stunden 6:2, 6:4, 6:2 und stellte auf 3:1 für Österreich. Das bedeutungslose Abschluss-Einzel gewann Dennis Novak gegen Pedro Sousa 6:4, 6:3.

Jürgen Melzer und das Comeback des Jahrzehnts

In der zweiten Runde verlor die Nationalmannschaft in Kiew gegen die Ukraine 2:3. Herausragend war dabei Jürgen Melzer, der nach zehnmonatiger Verletzungspause sein Comeback gab und zwei Punkte beisteuerte. Zum Auftakt verlor Dennis Novak gegen Ilya Marchenko nach guten 4:02 Stunden 6:7 (3), 7:5, 3:6, 2:6. Gerald Melzer hatte beim 3:6, 4:6, 3:6 gegen Sergiy Stakhovsky keine Chance. Am zweiten Tag setzten sich Jürgen Melzer und Philipp Oswald gegen Molchanov/Smirnov klar in drei Sätzen durch und verkürzten auf 1:2, ehe am Schlusstag Jürgen statt Gerald Melzer einlief. Sensationell, wie der 35-Jährige sein erstes ernst zu nehmendes Match nach der Operation bestritt und Marchenko mit 3:6, 6:3, 3:6, 7:5, 6:3 in die Knie zwang. Beim Stand von 2:2 musste sich Dennis Novak im entscheidenden Einzel Sergiy Stakhovsky trotz sehr guter Leistung mit 3:6, 3:6, 7:6 (8), 5:7 beugen. Das Tennisjahr 2016 war somit für die Nationalmannschaft beendet.

1:3-Niederlage in Weißrussland

Das Team in Minsk: Alex Peya, Jürgen Melzer, Stefan Koubek, Julian Knowle und Gerald Melzer ©GEPA

Nach einem Freilos in der 1. Runde der Europa/Afrika-Zone 1, spielte das österreichische Davis-Cup-Team von 7. bis 9. April 2017 in Minsk gegen Weißrussland und unterlag mit 1:3.

Am ersten Tag musste sich Gerald Melzer dem in allen Belangen stärkeren Egor Gerasimov 3:6, 3:6, 3:6 geschlagen geben, anschließend verlor Bruder Jürgen gegen den in Überform spielenden Ilya Ivashka in vier Sätzen. Unmittelbar vor dem Doppel am Samstag musste Alexander Peya aufgrund einer Zerrung im Oberschenkel absagen, Jürgen Melzer sprang ein und lieferte mit Julian Knowle, der nach dreieinhalb Jahren ein Comeback im Team feierte, eine Top-Leistung ab. Knowle war gegen Mirnyi und Shyla die meiste Zeit bester Mann auf dem Platz. Nach dem Viersatz-Sieg, der das 1:2 aus Sicht der Österreicher bedeutete, musste Gerald Melzer gegen Ivashka gewinnen, um Bruder Jürgen im Spiel um die Weltgruppen-Relegation zu halten. Gerald zeigte zweieinhalb Sätze lang sein bestes Tennis, ehe er sich dem Weißrussen mit 6:7 (3), 6:3, 3:6, 1:6 beugen musste. Das letzte Single wurde nicht mehr ausgetragen.

Erfolgreiches Heimspiel gegen Rumänien in Wels

Wels ist ein guter Boden für das Team: Drittes Ländermatch, dritter Sieg. ©GEPA

Das Los bescherte dem Team nach mehr als zwei Jahren endlich wieder ein Heimspiel. Zu Gast waren von 15. bis 17. September 2017 die Rumänen, es ging um den Verbleib in der Europa/Afrika-Zone 1. Auf der Anlage des UTC Wels wurde im Freien auf Sand gespielt, 3500 Zuschauer fanden Platz. Österreich gewann souverän mit 4:1 und stellte im direkten Duell auf 3:3.

Dominic Thiem steuerte beim Comeback nach eineinhalbjähriger Absenz ebenso zwei Punkte bei wie Gerald Melzer. Thiem schlug die Youngsters Bogdan Borza (6:2, 6:2, 6:4) sowie Nicolae Frunza 7:6 (2), 7:6 (3), 6:3, Melzer besiegte Dragos Dima (6:1, 6:1, 3:6, 6:1) und Bogdan Borza (6:1, 7:5). Im Doppel mussten sich Philipp Oswald und Thiem der Paarung  Horia Tecau/Nicolae Frunza 6:7 (1), 2:6, 7:6 (5), 3:6 beugen.

Sebastian Ofner konnte wegen einer Bauchmuskelzerrung am dritten Spieltag nicht eingesetzt werden. Jürgen Melzer musste verletzungsbedingt passen, der Rekord-Daviscupper stellte sich aber als Sparringpartner in den Dienst der Mannschaft.

Die Gelegenheit zur Revanche

In der 1. Runde der Europa/Afrika-Zone 1 trifft Österreich am 2. und 3. Februar 2018 auf einen alten Bekannten. Im April unterlag die Mannschaft von Kapitän Stefan Koubek in Weißrussland 1:3, jetzt gibt es die Möglichkeit zur Revanche.

„Wir kennen sie auswärts, jetzt können sie uns daheim kennenlernen“, sagt Koubek. In Minsk habe man auf Hardcourt spielen müssen, „jetzt werden wir uns in den kommenden Tagen mit den Spielern und ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda beratschlagen. Wir werden uns den Ort und den Untergrund, auf dem wir die Weißrussen schlagen können, wohl überlegt aussuchen. Mit dem Heimvorteil können wir diese Hürde schaffen.“ Bei einem Sieg müsste das Team von 6. bis 8. April in Runde zwei in Russland antreten, eine ungleich schwerere Aufgabe. „Mit dem zweiten Gegner beschäftige ich mich erst, wenn wir gegen den ersten gewonnen haben“, sagt Koubek.

Thomas Schweda freut sich auf ein Wiedersehen mit den Weißrussen. „Klar hätte es attraktivere Namen gegeben, aber wir werden ein ähnliches Tennisfest wie in Wels aufziehen und unser Team bestmöglich vermarkten“, sagt der ÖTV-Geschäftsführer. „Wir können sie schlagen, und wir müssen sie schlagen, damit wir vielleicht heuer noch um den Aufstieg in die Weltgruppe mitspielen können.“ Dafür wäre nach einem erfolgreichen Auftakt auch ein Sieg in Russland Voraussetzung. Die Relegation wird von 14. bis 16. September gespielt.

Letzte Begegnung, Europa-Afrika-Zone I (15. - 17.9. 2017), 1. Play-off-Runde

Österreich - Rumänien in Wels (UTC-Anlage, Freiluft/Sand) 4:1

Erster Spieltag

Gerald Melzer - Dragos Dima 6:1, 6:1, 3:6, 6:1
Dominic Thiem - Bogdan Borza 6:2, 6:2, 6:4
Zweiter Spieltag
Thiem/Philipp Oswald - Horia Tecau/Nicolae Frunza 6:7 (1), 2:6, 7:6 (5), 3:6
Dritter Spieltag
Thiem - Frunza 7:6 (2), 7:6 (3), 6:3
G. Melzer - Borza 6:1, 7:5